70 Busse gegen „Schrott-Reaktor“ Tihange

Kreis Euskirchen und RVK wollen gemeinsam die Bevölkerung sensibilisieren und rufen zur Unterzeichnung einer Petition gegen den Weiterbetrieb des belgischen Atomkraftwerks auf

In insgesamt 70 Bussen im Kreis Euskirchen wird mit Plakaten und Handzetteln dazu aufgefordert, sich der Petition gegen den Weiterbetrieb des belgischen Atomkraftwerkes Tihange anzuschließen. RVK-Geschäftsführer Eugen Puderbach (v.l.), RVK-Disponent Gerd Genz und Landrat Günter Rosenke wollen gemeinsam auf die Problematik aufmerksam machen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
In insgesamt 70 Bussen im Kreis Euskirchen wird mit Plakaten und Handzetteln dazu aufgefordert, sich der Petition gegen den Weiterbetrieb des belgischen Atomkraftwerkes Tihange anzuschließen. RVK-Geschäftsführer Eugen Puderbach (v.l.), RVK-Disponent Gerd Genz und Landrat Günter Rosenke wollen gemeinsam auf die Problematik aufmerksam machen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Kreis Euskirchen – Er wird von Politikern als „Schrott-Reaktor“ bezeichnet und sorgt regelmäßig für Schlagzeilen: Der Atomreaktor im belgischen Tihange, gut 100 Kilometer vom Kreis Euskirchen entfernt, hat tausende Risse in der Hülle und muss immer wieder aufgrund von Störungen abgeschaltet werden. Bei einem Pressetermin am Dienstagvormittag am Kreishaus sagte Günter Rosenke, Landrat Kreis Euskirchen: „Wir schauen mit großer Sorge nach Belgien, denn eigentlich sollte der »Schrott-Reaktor« 2015 für immer abgeschaltet werden.“

Doch nach einem „ominösen Genehmigungsverfahren, wie man hört“, so Rosenke, ist das Atomkraftwerk seit Dezember wieder im Betrieb. „Wir wollen das Leben fördern. Wenn es in Tihange aber ein Unglück gibt, ist alles für die Katz, atomare Wolken machen an den Grenzen nicht Halt“, so der Landrat. So wie es in der Umgebung von Fukushima nach dem Reaktorunglück nur totes Land gebe, wäre auch der Kreis Euskirchen nur noch totes Land.

Auf verschiedenen Ebenen versuche man, die Stilllegung des Reaktors zu erwirken, unter anderem hat sich der Kreis Euskirchen an einer Klage des Städtebundes Aachen beteiligt und in der Kreispolitik eine Resolution verabschiedet, die auch an die Bundeskanzlerin und das oberste belgische Verwaltungsgericht ging.

Gemeinsam gegen den „Schrott-Reaktor“ Tihange: Landrat Günter Rosenke (v.l.) und RVK-Geschäftsführer Eugen Puderbach starten die „Stoppt Tihange“-Kampagne. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Gemeinsam gegen den „Schrott-Reaktor“ Tihange: Landrat Günter Rosenke (v.l.) und RVK-Geschäftsführer Eugen Puderbach starten die „Stoppt Tihange“-Kampagne. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

„Wir wollen aber alle Ebenen nutzen und auch kommunale Unternehmen und die Bevölkerung weiter einbeziehen“, betonte Landrat Rosenke. Im Verkehrsbetrieb Regionalverkehr Köln (RVK), an dem der Kreis Euskirchen als Gesellschafter beteiligt ist, fand Rosenke einen engagierten Partner für die Aktion „Stoppt Tihange“. Denn in allen 70 Bussen von RVK und SVE (Stadtverkehr Euskirchen) läuft ab sofort eine Kampagne, die mit Plakaten und Handzetteln über die in der Kritik stehenden Atomkraftwerke Tihange und Doel informiert und zum Unterzeichnen eine Petition gegen den Weiterbetrieb auffordert.

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Eugen Puderbach, Geschäftsführer des RVK: „Wir setzen uns für Klimaschutz ein und wollen unsere Busse bis 2030 ohne fossile Brennstoffe betreiben. Wir schauen aber nicht nur auf uns, sondern auch auf unsere Umgebung – und richten dabei eben auch unseren besorgten Blick auf den »Bröckel-Reaktor« in Tihange.“ Er könne die Genehmigung für den Reaktor nicht nachvollziehen: „Wenn der TÜV bei einem Fahrzeug einen Haarriss an der Radnabe entdecken würde, müsste das Fahrzeug sofort stillgelegt werden. Der »Bröckel-Reaktor« wird aber trotz tausender Risse weiterbetrieben. Wo ist da die Verhältnismäßigkeit?“

Alle Mitarbeiter des RVK stünden hinter der Kampagne, sagte Puderbach – was Gerd Genz, der einen mit den „Stoppt Tihange“-Plakaten bestückten Bus des RVK vor das Kreishaus gefahren hatte, bestätigt: „Natürlich stehen wir dahinter. Wir wären ja unmittelbar betroffen, wenn dort etwas passiert.“

Landrat Günter Rosenke war während seiner  eindringlichen Ansprache anzumerken, wie wichtig ihm dieses Thema nicht nur politisch, sondern auch persönlich ist. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Landrat Günter Rosenke war während seiner eindringlichen Ansprache anzumerken, wie wichtig ihm dieses Thema nicht nur politisch, sondern auch persönlich ist. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Landrat Rosenke berichtete, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger sorgten: „Am 26. April jährt sich der Atomunfall von Tschernobyl zum 30. Mal. Wir mussten damals alles aus unserem Gemüsegarten wegwerfen.“ Viele würden sich noch an die Zeit erinnern, in der auf Milchtüten die aktuelle radioaktive Belastung aufgedruckt war, vor dem Verzehr von Wildpilzen gewarnt wurde und die Kinder bei Regen nicht auf den Schulhof durften. Günter Rosenke: „Und vor fünf Jahren gab es das Rektorunglück im japanischen Fukushima.“ Er hofft, dass zu den bisherigen 200.000 Unterschriften der Petition durch die Aktion in den Bussen noch viele weitere dazu kommen.

Erste Aufmerksamkeit bei der Bevölkerung erregte der Bus schon beim Pressetermin. Kaum war auf der großen Anzeigetafel des Busses „Stoppt Tihange“ zu sehen, da fragte die Euskirchenerin Christina Jeuck nach, was es damit auf sich hat und nahm den ersten Flyer mit: „Atomenergie ist nicht kontrollierbar, das wissen wir eigentlich seit Tschernobyl, spätestens aber seit Fukushima. Ich möchte, dass meine Kinder in einem Land ohne radioaktive Verseuchung aufwachsen. Deshalb habe ich die Petition gegen Tihange bereits unterschrieben und war auch schon dafür auf der Straße demonstrieren.“

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Internet-Link zur Petition gegen den Weiterbetrieb von Tihange:

http://change.org/tihange-doel-DE

Eifeler Presse Agentur/epa

Ein Gedanke zu „70 Busse gegen „Schrott-Reaktor“ Tihange“

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