„Candystorm“ trifft LVR-Freilichtmuseum Kommern

Auch nach Hetze aus der rechten Ecke bleibt das Freilichtmuseum dabei: Asylbewerber haben weiterhin freien Eintritt, um sich mit der Geschichte des Rheinlands vertraut zumachen

Asylcontainer in LVR-Freilichtmuseum/ BIld: Veranstalter
Einer der Asylcontainer, der im LVR-Freilichtmuseum Kommern ausgestellt wird. Bild: Hans-Theo Gerhards/LVR

Mechernich  – Mit einem wahren „Candystorm“ reagiere die Öffentlichkeit derzeit im sozialen Netzwerk Facebook auf Angriffe gegen das LVR-Freilichtmuseum Kommern, berichtet der stellvertretende Museumsleiter Dr. Michael H. Faber:  „Die Regelung, Asylbewerbenden und ihren Begleitungen freien Eintritt zu gewähren,  hatte vor allem in der rechten Szene Empörung ausgelöst. Gepostet wurden mitunter sogar Aufrufe zu kriminellen Handlungen gegenüber dem Freilichtmuseum. Seither haben Hunderte in einer großen Welle der Sympathie die integrationsfördernde Regelung des LVR-Freilichtmuseums Kommern ausdrücklich begrüßt und allein wegen dieser Regelung fünf Sterne für das Museum gepostet.“ Viele, die das Museum noch nicht kennen würden, hätten aus Solidarität und gewecktem Interesse ihren baldigen Besuch angekündigt.

Mit der Regelung des freien Eintritts stehe das LVR-Freilichtmuseum Kommern im Schulterschluss mit allen anderen LVR-Museen. Der Landschaftsverband Rheinland stehe zu seinem gesellschaftlichen Engagement bei der Integration von Flüchtlingen und unterstützt diese auf vielfältige Weise. „Die Geflüchteten müssen sich in einem Land zurechtfinden, das andere kulturelle Traditionen und Prägungen als ihre Heimat hat. Zum Ankommen, Bleiben und Heimisch-Werden in Deutschland ist es unabdingbar, sich mit der Kultur und den kulturellen Traditionen dieses Landes zu befassen“, stellt auch der Deutsche Kulturrat als oberste deutsche Instanz aller Kulturschaffenden und Kultureinrichtungen fest.

Dem schließe sich der LVR voll und ganz an. Über die LVR-Museen deutsche bzw. rheinische Geschichte und Kultur zu erfahren, sei ein wichtiger Baustein zur Integration. Daher werde allen Flüchtlingen nach Vorlage einer entsprechenden Bescheinigung (BüMA, Aufenthaltsgestattung, Duldung) seit August 2015 freier Eintritt in die LVR-Museen gewährt.

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Als Träger von insgesamt 19 Museen und Kultureinrichtungen setze der LVR Eintrittspreise für seine Museen nach eigener Maßgabe fest. Um niemanden auszugrenzen oder zu benachteiligen achte der Verband dabei stets auf eine niedrigschwellige Preisgestaltung, die es möglichst vielen Menschen ermögliche, die LVR-Museen zu besuchen. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren hätten in den LVR-Museen generell freien Eintritt, ebenso Menschen, die vom LVR Eingliederungshilfe erhielten. Im LVR-Freilichtmuseum Kommern ist darüber hinaus der Eintritt für Bürgerinnen und Bürger der Stadt Mechernich frei.

Für weitere Gruppen bietet der LVR ermäßigte Eintritte, zum Beispiel für Menschen mit Behinderungen, Auszubildende, Studierende oder für Hartz IV-Empfänger aus den jeweiligen Kommunen, sofern diese Inhaber eines kommunalen Sozial-Ausweises, -Passes o.ä. sind.

„Flucht und Vertreibung“ ist übrigens für das LVR-Freilichtmuseum Kommern, das sich der Dokumentation des Alltagslebens und dabei auch des multikulturellen Miteinanders verpflichtet fühlt, durchaus ein Thema. Eine ins Museum übernommene Flüchtlingsunterkunft aus Opherten aus dem Jahr 1991 sowie die im kommenden September zu eröffnenden Wellblech-Nissenhütten aus der Kriegs- und Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs vermitteln den Museumsgästen die Lebensbedingungen der ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner. Für die aus Kriegsgebieten stammenden Museumsgäste ist nicht zuletzt der Besuch dieser „Baudenkmale“ spannend: Er ermöglicht ihnen den Vergleich zwischen ihrer Situation und der Aufnahme hilfsbedürftiger Menschen in Deutschland Generationen zuvor. (epa)

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