NS-Dokumentation Vogelsang eröffnet

Zahlreiche Honoratioren und Interessierte kamen zur Freigabe des Neuen Forums und der Ausstellungen – Manfred Poth: „Vogelsang ist ein idealer außerschulischer Lernort“

Bei dem schönen Wetter fand auch die neue Sonnenterasse großes Interesse. Bild: Manfred Hilgers
Bei dem schönen Wetter fand auch die neue Sonnenterrasse bereits großes Interesse. Bild: Manfred Hilgers

Schleiden-Vogelsang – Als Vertreterin des Landes Nordrhein-Westfalen eröffnete Christina Kampmann, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport gemeinsam mit Dr. Günter Winands, Stellvertreter der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, heute die Dauerausstellung der NS-Dokumentation Vogelsang im neuen Forum Vogelsang IP. Unter dem Titel „Bestimmung: Herrenmensch. NS-Ordensburgen zwischen Faszination und Verbrechen“ bietet die 750 Quadratmeter große Ausstellung vielfältige Zugänge zum Erinnerungsort Vogelsang. Als Schulungsstätte für den Führungsnachwuchs der NSDAP errichtet, ist der 100 Hektar große Denkmalbereich der ehemaligen NS-Ordensburg heute ein exemplarischer NS-„Täter-Ort“, in dessen Geschichte sich die fatale Attraktion des Nationalsozialismus ebenso widerspiegelt wie die Mechanismen einer führerbezogenen „Ausbildung“.

Ministerin Christina Kampmann (links) eröffnete mit zahlreichen Politiker die neue Ausstellung. Bild: Manfred Hilgers
Ministerin Christina Kampmann (links) eröffnete mit zahlreichen Politiker die neue Ausstellung. Bild: Manfred Hilgers

Vor den 1.000 geladenen Gästen auf dem historischen „Adlerhof“ hob Ministerin Kampmann die Bedeutung der vom Land geförderten NS-Dokumentation Vogelsang für die historisch-politische Bildung hervor. „Die ehemalige »Ordensburg« Vogelsang gehört zu den herausragenden Orten der Erinnerungskultur in Nordrhein-Westfalen. Ein Ort, der es ermöglicht, genau hinzusehen, was damals passiert ist. Denn die Frage nach der Verantwortung jedes Einzelnen ist eine Kernfrage des historisch-politischen Lernens und jeder demokratischen Bildung überhaupt“, wird die Ministerin in einer Pressemitteilung von Vogelsang IP zitiert.

Auch die Erlebnisausstellung des Nationalpark-Zentrums Eifel mit dem Titel „Wildnis(t)räume“ ging in Betrieb. Bild: Manfred Hilgers
Auch die Erlebnisausstellung des Nationalpark-Zentrums Eifel mit dem Titel „Wildnis(t)räume“ ging in Betrieb. Bild: Manfred Hilgers

Für die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien habe Günter Winands das Motiv des Bundes zur Projektförderung folgendermaßen formuliert: „Der Bund fördert im Rahmen einer umfassenden Gedenkstättenkonzeption nicht nur KZ-Gedenkstätten und andere Orte des Opfergedenkens, sondern auch die Aufklärungsarbeit an authentischen »Täter-Orten«. Ob Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, Haus der Wannsee-Konferenz in Berlin oder nunmehr auch die »NS-Ordensburg« Vogelsang, es ist wichtig, gerade hier die Mechanismen eines verbrecherischen Regimes aufzudecken – nicht zuletzt, um daraus Lehren für die Gegenwart zu ziehen und den Wert einer freiheitlichen Gesellschaft zu verdeutlichen.“

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In der Ausstellung „Wildnis(t)räume“ gibt es einiges zu erleben. Bild: Manfred Hilgers
In der Ausstellung „Wildnis(t)räume“ gibt es einiges zu erleben. Bild: Manfred Hilgers

Die NS-Dokumentation Vogelsang ist die grundlegende Säule der Akademie Vogelsang IP, unter deren Dach die Bildungsaktivitäten der 2008 gegründeten Vogelsang IP gemeinnützige GmbH gebündelt sind. Für deren Hauptgesellschafter Landschaftsverband Rheinland (LVR), der seine vielfältigen wissenschaftlichen und museumsfachlichen Kompetenzen in die inhaltliche wie gestalterische Konzeption einbrachte, habe der Aufsichtsratsvorsitzende Prof. Dr. Jürgen Rolle festgestellt: „Lernen aus der Geschichte ist heute aktueller denn je. Die vom historischen Ort Vogelsang und der neuen Ausstellung ausgehenden Erkenntnisse und Impulse sind in den aktuellen gesellschaftspolitischen Diskussionen enorm hilfreich und wichtig.“

Manfred Poth, als Vertreter des Kreises Euskirchen Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Vogelsang IP gemeinnützige GmbH, habe die Bedeutung für die Jugendarbeit, insbesondere für die Prävention gegen Rechtsextremismus betont: „Das Leitbild des Internationalen Platzes Vogelsang IP, in dem Dialog, Vielfalt und persönliche Verantwortungsübernahme an erster Stelle stehen, kontrastiert klar mit der NS-Geschichte und bietet auf diese Weise vielfältige Impulse zur Werteorientierung und Demokratieförderung. In diesem Sinne ist Vogelsang ein idealer außerschulischer Lernort.“

Zahlreiche Gäste kamen zur Eröffnung des neuen Forums und der Ausstellungen in Vogelsang. Bild: Roman Hövel
Zahlreiche Gäste kamen zur Eröffnung des neuen Forums und der Ausstellungen in Vogelsang. Bild: Roman Hövel

Die Ausstellung ist, wie das Forum Vogelsang IP insgesamt, täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Durch einen Mediaguide ist die Ausstellung auch in englischer, französischer und niederländischer Sprache lesbar und hörbar. Eine Vielzahl an offenen und buchbaren Bildungsprogrammen zur Ausstellung wird von der Akademie Vogelsang IP angeboten. Auch blinde oder sehbehinderte Menschen können die Ausstellung barrierefrei erfahren. Der Ausstellungsbesuch kostet 8 €, ermäßigt 4 €. Der 100 Hektar große Denkmalbereich selbst ist kostenfrei begehbar und frei zugänglich.

Die Akademie Vogelsang IP steht unter der wissenschaftlichen Leitung des Historikers und Politikwissenschaftlers Stefan Wunsch. Unter seiner Federführung entstanden sowohl ein 384seitiger Ausstellungskatalog wie ein 80seitiges Begleitheft zu Gelände und Ausstellung. Begleitet wurde die Erarbeitung der Dauerausstellung von einem interdisziplinär besetzten wissenschaftlichen Projektbeirat unter dem Vorsitz des Münsteraner Historikers Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer.

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Pflege zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Die Dauerausstellung wurde gefördert von der Europäischen Union im Rahmen des NRW-Ziel 2 Programms 2007–2013 „Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung“ (EFRE), von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit auf Grund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages und vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Projektvolumen betrug 3 Millionen Euro. (epa)

 

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