Der Ganzjahres-Fahrradfahrer

Marcus Sprung ist der „Fahrradbeauftragte“ der Euskirchener Kreisverwaltung und auch privat überzeugter Pedalritter

Marcus Sprung ist Fahrradbeauftragter bei der Kreisverwaltung Euskirchen. Foto: Wolfgang Andres/Kreis Euskirchen
Marcus Sprung ist Fahrradbeauftragter bei der Kreisverwaltung Euskirchen. Foto: Wolfgang Andres/Kreis Euskirchen

Kreis Euskirchen – Für viele Hobby- und Schönwetterradler ist der November nicht unbedingt die Jahreszeit für ausgedehnte Fahrradtouren. Im Gegenteil: Das Sommerrad wird warm und trocken in der Garage oder im Keller geparkt, für kleinste Besorgungen muss das Auto herhalten. Marcus Sprung dagegen lässt sich von Winter und Wetter nicht vorschreiben, wann er Fahrrad fährt. Er fährt nahezu täglich mit dem Rad von Euenheim nach Euskirchen zur Arbeit – ganzjährig!

Und das macht er nicht bloß, weil er der „Fahrradbeauftragte“ der Euskirchener Kreisverwaltung ist, er quasi mit gutem Beispiel vorangehen bzw. voranfahren muss. Nein, Marcus Sprung ist mit Leib und Seele überzeugter Fahrradfahrer. Und sein Blick geht manchmal ein wenig neidisch über den Kreis Euskirchen hinaus in Richtung Holland: „Das Fahrrad genießt in den Niederlanden einen wesentlich höheren Stellenwert als in Deutschland“, sagt der 41-Jährige. „Die Holländer bekommen das Fahrrad-Gen schon mit in die Wiege gelegt – neben dem Wohnwagen-Gen“, sagt er und schmunzelt.

Doch auch bei uns hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten einiges für die Fahrradfahrer zum Guten gewendet. Auch wenn klar ist, dass der ländliche Kreis Euskirchen immer noch ein „Autofahrer-Kreis“ ist. Der Anteil der Einwohner, die ein Auto besitzen, ist hierzulande deutlich höher als im Bundesdurchschnitt. „Dennoch muss man nicht für jeden kleinen Einkauf ins Auto steigen“, kritisiert Marcus Sprung. „Zumindest dann nicht, wenn Geschäfte, Arzt oder Banken in einem Umkreis von rund drei Kilometern sind.“ Mit Pedelcs und E-Bikes ließen sich auch die Eifelberge im südlichen Kreisgebiet im „Spazierfahrt-Modus“ bewältigen.

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Das war Anfang des neuen Jahrtausends noch ein wenig anders. Als Marcus Sprung 2002 in der Kreisverwaltung anfing, gab es noch keine Fahrräder mit Elektromotor, und als einziges touristisches Angebot musste die überregionale Wasserburgenroute (Bonn-Euskirchen-Aachen) herhalten. Doch der Kreistag fällte eine zukunftsweisende Entscheidung: Der Kreis Euskirchen wurde Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise (AGFS). Und mit Marcus Sprung nahm sich gleich jemand „hauptberuflich“ dem Fahrradthema an, bis er kurz darauf von Landrat Günter Rosenke offiziell sogar zum Fahrradbeauftragten ernannt wurde.

Seitdem hat sich viel getan. Einige touristische Meilensteine: Die Tälerrouten- und Eifelhöhen-Route wurden 2004 ausgewiesen und beschildert, bis 2005 wurde der Ahrtalradweg auf der ehemaligen Bahntrasse gebaut. Seitdem wird jährlich die „Tour de Ahrtal“ veranstaltet, das mit Abstand größte Fahrrad-Event in der gesamten Region. Der Radwege-Plan für den Nationalpark Eifel, der Bau des Kyllradweges und zuletzt der Mountainbike-Tourenpark „freifahrt Eifel“ waren weitere Großprojekte, die den Kreis Euskirchen touristisch aufgewertet haben. Wichtig ist auch die permanente Instandhaltung der Radwege – eine anspruchsvolle Aufgabe, die man nicht aus den Augen verliert.

Abgesehen davon soll das Fahrradfahren in Zukunft stärker im Alltag verankert werden. „Ich möchte mit meiner Arbeit ein Umdenken in den Köpfen bewirken“, betont Marcus Sprung. Als „Mobilitätsmanager“ sieht er das Fahrrad im Zusammenhang mit Bus und Bahn. „Unser Ziel ist die Sicherung einer umweltverträglichen Mobilität. Aus Umwelt- bzw. Klimaschutzgründen wollen wir weniger Autoverkehr, dafür mehr Bus und Bahn, mehr Rad- und Fußverkehr“, so Sprung. In Zukunft soll dabei das Thema „Bike & Ride“ eine größere Rolle spielen. Vor allem das Fahrradparken an Haltestellen von Bus und Bahn soll mit dem Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) ausgebaut werden. „Wir können uns auch sehr gut ein Fahrrad-Verleihsystem im ländlichen Raum vorstellen – sowohl für Touristen wie auch für Kreisbürger.“

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Das ist noch Zukunftsmusik. Aber klar ist: In Sachen Mobilität wird sich auch im Kreis Euskirchen in den kommenden Jahren einiges ändern. Vielleicht nimmt sich unsere Region ja ein Beispiel an den Niederlanden? Marcus Sprung: „Zumindest in Sachen Fahrrad wäre das wünschenswert, nicht unbedingt bei den Wohnwagen…“

Seit 2002 ist der Kreis Euskirchen offiziell ein „fahrradfreundlicher Kreis“. Das dazu erforderliche Zertifikat ist in diesen Tagen zum zweiten Mal verlängert worden. Nach Überzeugung der AGFS-Kommission ist der Kreis damit auf dem richtigen Weg hin zu einem – wie es heißt – „nahmobilitätsfreundlicheren Lebensraum“. (epa)

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