Rettungsdienst im Kreis Euskirchen ohne Ehrenamtler undenkbar

Landrat Rosenke lud zum 23. Mal zum Neujahrsempfang ein  – Rettungsdienst des Kreises feierte 50. Geburtstag – Notruftelefone klingeln 151.000 Mal im Jahr – Tele-Notarztsystem wird voraussichtlich ab März eingeführt

In diesem Jahr widmete Landrat Günter Rosenke dem Rettungsdienst im Kreis Euskirchen seinen Neujahrsempfang. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
In diesem Jahr widmete Landrat Günter Rosenke dem Rettungsdienst im Kreis Euskirchen seinen Neujahrsempfang. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen – An die 400 Vertreter aus Politik, Kirche, Wirtschaft, Vereinen, Sozialverbänden, Behörden, Institutionen, Militär und Presse konnte Landrat Günter Rosenke bei seinem nunmehr 23. Neujahrsempfang im Kreishaus Euskirchen empfangen. Thema des Abends war der Rettungsdienst im Kreis Euskirchen, der jüngst auf eine 50-jährige Geschichte zurückblicken konnte.

„Diese großartige Arbeit verdient es, dass wir gemeinsam darüber sprechen und erkennen: Ohne diese Einrichtung würden wir unserem Slogan »Kreis Euskirchen-einfach wohl fühlen« nicht gerecht werden“, so Landrat Rosenke in seiner Ansprache. Beim Rettungsdienst arbeiteten „Menschen für Menschen“ rund um die Uhr und sorgten dafür, dass man sich im Kreis Euskirchen nicht nur wohl, sondern auch sicher fühlen könne.

Der Landrat erinnerte in diesem Zusammenhang an das Unwetter im Jahr 2016, wo kleine Bäche innerhalb kürzester Zeit zu reißenden Fluten wurden. „Auf manchen Straßen stand das Wasser eineinhalb Meter hoch, Keller liefen voll, Menschen mussten mit Schlauchbooten gerettet werden, Bäume stürzten auf Autos. In Kommern und weiteren Dörfern der Stadtgebiete Mechernich und Zülpich herrschte »Land unter«“, so Rosenke.

Innerhalb von wenigen Stunden seien bei der Rettungsleitstelle 584 Notrufe eingegangen. Mehr als 500 Helfer seien zeitweise gleichzeitig im Einsatz gewesen, und das bis zu 22 Stunden nonstop. Dabei sei es vor allem wichtig gewesen, die Hilfe in der Leitstelle zu koordinieren, was hervorragend funktioniert habe, so der Landrat. Besonders freute er sich darüber, dass die Zusammenarbeit zwischen haupt- und ehrenamtlichen Kräften so professionell abgelaufen sei.

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„Ohne unsere vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter würde der Rettungsdienst nicht funktionieren. Von rund 2000 Rettungskräften im Kreis Euskirchen sind 1800 Ehrenamtler“, sagte der Landrat.

Im vom Sebastian Tittelbach (v.l.) moderierten Podium sprachen Udo Crespin, Leiter Rettungsdienst und Kreisbrandmeister Kreis Euskirchen, Werner Haag, Unternehmensbereichsleiter AOK Rheinland/Hamburg, Martin Duske, Notfallsanitäter, und Rettungsassistentin Kerstin Brandhoff über Herausforderungen im modernen Rettungsdienst. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Im vom Sebastian Tittelbach (v.l.) moderierten Podium sprachen Udo Crespin, Leiter Rettungsdienst und Kreisbrandmeister Kreis Euskirchen, Werner Haag, Unternehmensbereichsleiter AOK Rheinland/Hamburg, Martin Duske, Notfallsanitäter, und Rettungsassistentin Kerstin Brandhoff über Herausforderungen im modernen Rettungsdienst. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Anschließend hatte der dienstälteste Rettungsdienstleister NRWs, Udo Crespin, das Wort. Crespin berichtete, dass die medizinische Erstversorgung durch den Rettungsdienst des Kreises Euskirchen in zwölf Minuten vor Ort sein müsse. Dies sei bei einem Flächenkreis von 1250 Quadratkilometern eine echte Herausforderung, die man aber seit Jahrzehnten meistere. Dabei höre der Zeitdruck bei der präklinischen Versorgung nicht mit dem Eintreffen der Sanitäter vor Ort auf, sondern der Patient müsse nach der Erstversorgung auch so schnell wie möglich in ein Krankenhaus gebracht werden. Auch hier sei der Kreis Euskirchen mit seinen drei hochkompetenten Krankenhäusern bestens ausgestattet. So gebe es in allen drei Krankenhäusern beispielsweise Herzkatheter-Labore, Traumazentren und eine Schlaganfallbetreuung.

„Nicht nur das Überleben ist entscheidend, sondern auch wie man überlebt“, so Crespin. Die Qualität des Überlebens hänge dabei primär von der schnellen Versorgung der Patienten ab. „Das ganze System würde nicht funktionieren ohne Unterstützung der Krankenkassen“, sagte er. Zudem würden im Kreis Euskirchen die Notärzte von den Krankenhäusern gestellt, was ebenfalls nicht selbstverständlich sei. Lob ging auch an zahlreiche Unternehmer des Kreises Euskirchen, die mit dem freiwilligen Anbringen von Automatischen Externen Defibrillatoren (AED) in ihren Unternehmen für zusätzliche Sicherheit bei der Erstversorgung im Falle eines Kammerflimmerns sorgten. 140 Geräte davon gebe es mittlerweile im Kreis, zu den ersten, die in ihren Filialen AED flächendeckend installierten, gehörte die Kreissparkasse Euskirchen.

Nach tragischen Verkehrsunfällen in Folge von Glatteis, die am 11. Januar 1985 auf der A61 13 Tote und 157 Verletzte gefordert hatten, ist der Kreis nunmehr auch in Sachen größerer Schadensereignisse gut aufgestellt. „Nur wer vorbereitet ist, besteht“, lautet die Devise von Udo Crespin. Dass ihm und seiner Mannschaft die Arbeit niemals ausgeht, dafür sprechen allein schon die nackten Zahlen: 151.000 Mal im Jahr klingeln die Notruftelefone an der Leitstelle in Euskirchen. An die 30.000 Einsätze müssen pro Jahr abgeleistet und koordiniert werden. Noch 1976 waren es gerade einmal 4100. Um den Anforderungen, die die moderne Notfallmedizin stellt, stets gerecht zu werden, werden nicht nur sämtliche Rettungskräfte nach internationalen Standards ausgebildet, es müssen auch immer neue Rettungsstützpunkte eingerichtet werden wie zuletzt auf der Wallenthaler Höhe, in Marmagen und Euskirchen. Crespin gab dabei zu bedenken, dass auf jedes Rettungsfahrzeug acht bis zehn zusätzliche Rettungskräfte kämen.

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Um den Rettungsdienst weiter zu optimieren würde voraussichtlich ab März in den Rettungswagen, die in Rescheid, Tondorf, Marmagen und im Münstereifeler Höhengebiet unterwegs seien auch das Tele-Notarzt-System eingerichtet. Der Tele-Notarzt sitzt dabei in Aachen und unterstützt die Rettungskräfte vor Ort bei schwierigen Entscheidungen.

Dr. Hans-Josef Bastian (l.) setzt sich für ehrenamtliche Hilfe für Menschen ohne Krankenversicherung ein. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Dr. Hans-Josef Bastian (l.) setzt sich für ehrenamtliche Hilfe für Menschen ohne Krankenversicherung ein. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Anschließend moderierte der WDR-Journalist Sebastian Tittelbach eine kleine Fragerunde, bei der auch Ersthelfer zu Wort kamen. Kerstin Brandhoff, hauptamtliche Leiterin der Flüchtlingsunterkunft Thomas-Esser-Straße (DRK), langjährige ehrenamtliche Helferin des Deutschen Roten Kreuzes, Rettungsassistentin und stellvertretende Kreisjugendfeuerwehrwartin sagte, das man mit einer missglückten Rettung nur dann seelisch zurechtkomme, wenn man guten Gewissen von sich sagen könne, man habe alles Menschenmögliche getan.

Martin Duske, hauptamtlicher Notfallsanitäter Kreis Euskirchen und gleichzeitig langjähriger ehrenamtlicher Helfer des Malteser Hilfsdienstes Kreis Euskirchen, hob in diesem Zusammenhang hervor, wie wichtig auch die Hilfe für den Helfer sei. „Ohne eine professionelle Unterstützung, ohne Gespräche im Kollegenkreis verbrennt man bei dem Job ziemlich schnell“, so Duske. Eine nicht erfolgreiche Kindesreanimation oder der Suizid eines Jugendlichen seien auch für einen geübten Ersthelfer nichts, was man einfach so wegstecke.

Bezüglich des Engagements der Krankenkassen für den Rettungsdienst sagte Werner Haag, Unternehmensbereichsleiter der AOK Rheinland/Hamburg: „Der Rettungsdienst ist der Schlüssel für die weitere Lebensqualität des Patienten.“ Er machte aber darauf aufmerksam, dass der Notruf zu oft von Bagatellfällen missbraucht werde. Nur wenige wüssten, dass auch ein ärztlicher Notdienst unter den Telefonnummern 116 117 bereitstehe, wo man sich bei kleineren Verletzungen melden könne. Nicht immer müsse es gleich der Rettungsdienst sein, nur weil man sich in den Finger geschnitten habe.

Die jungen Akteure des Musical-Projektes „OffBeat“ sorgten zusammen mit dem Sänger Nico Gomez (r.) für den musikalischen Rahmen beim Neujahrsempfang. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse
Die jungen Akteure des Musical-Projektes „OffBeat“ sorgten zusammen mit dem Sänger Nico Gomez (r.) für den musikalischen Rahmen beim Neujahrsempfang. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse

Zuletzt stellte Dr. Hans-Josef Bastian seine ehrenamtliche Hilfe für Menschen ohne Krankenversicherung vor. Die „Malteser Migranten Medizin“ klingt zwar so, als sei sie vor allem für Flüchtlinge eingerichtet worden, doch ist dies ein Irrtum. „Zu uns können alle Menschen kommen, die nicht krankenversichert sind“, so Bastian. Zunächst versuche man den Menschen direkt vor Ort in einem dafür zur Verfügung gestellten Raum des Marienhospitals zu helfen. Wenn dies nicht möglich sei, werde der Patient an Ärzte weiter vermittelt, die ebenfalls kostenlose Behandlungen durchführten. Selbst Operationen seien ohne Krankenschein möglich. „Wir sind sehr gut vernetzt“, berichtete Bastian, der die „Malteser Migranten Medizin“ derzeit gemeinsam mit seiner Frau betreibt. Finanziert würde der Verein über Spenden, denn allein ein notwendiger Krankenhausaufenthalt für einen Nichtversicherten schlage schnell mal mit 600 Euro pro Tag zu Buche. Auch ein Zahnarzt unterstütze die „Malteser Migranten Medizin“ im Kreis Euskirchen.

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„Wenn jemand zu uns kommt, dann helfen wir ihm. Dazu braucht er uns nicht einmal mehr seinen Namen zu verraten“, so Bastian. Vermittelt würden die Patienten meistens von der Caritas, den Tafeln oder den Sozialämtern des Kreises. Dennoch sei es nicht immer leicht, an die Patienten überhaupt heranzukommen, so dass Dr. Hans-Josef Bastian die Zuhörer bat, die „Malteser Migranten Medizin“ bekannter zu machen.

Musikalisch begleitet wurde der Empfang von den jungen Musikern und Musikerinnen des Jugendprojekts „Offbeat“, das im vergangenen Jahr mit professionellen Trainern an ihren schauspielerischen, tänzerischen und gesanglichen Fähigkeiten gefeilt und das Gelernte einem begeisterten Publikum im City-Forum präsentiert hatte. Gemeinsam mit dem Sänger und Pianist Nico Gomes sowie Achim Sondermann, zwei der Initiatoren des Projekts, das maßgeblich von der Kreisparkasse Euskirchen gefördert worden war, präsentierten die jungen Leute einige ihrer einstudierten Lieder. Mit „Heimat“ zeigte der einstige „Voice of Germany“-Teilnehmer Nico Gomez nicht nur, dass sein Herz immer noch für den Kreis Euskirchen schlägt, sondern auch, dass er nach wie vor über eine Stimme verfügt, die auch jenseits des Kreises Euskirchen längst Gehör gefunden hat.

Dank sagte der Landrat abschließend den Mitarbeitern der Kreisverwaltung, die die Großveranstaltung mit rund 400 Gästen vorbereitet und organisiert hatten und vor allem den Landfrauen, die traditionell für die Beköstigung der Gäste sorgten.

Eifeler Presse Agentur/epa

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