Schleiden verzichtet auf eine Klage

Bürgermeister Ralf Hergarten setzt weiterhin auf interkommunale Zusammenarbeit, hält die geplante neue gymnasiale Oberstufe an der Ahr aber angesichts des bevorstehenden Demographiewandels für einen Schritt in die falsche Richtung.

Bürgermeister Ralf Hergarten (links) und Schulleiter Rolf Heesel zeigten sich angesichts der zahlreichen Qualitäten des Städtischen Gymnasium zuversichtlich, dass Eltern auch in Zukunft lieber auf Erfahrung und Tradition anstatt auf Experimente setzen. Bild: Michael Thalken/epa/Eifeler Presse Agentur

Schleiden – Nach Absprache mit den Fraktionsvorsitzenden im Rat der Stadt Schleiden hat Bürgermeister Ralf Hergarten nun entschieden, doch nicht gegen die neue Gemeinschaftsschule an der Ahr zu klagen. „Wir möchten nicht verhindern, dass die neue Schule zum neuen Schuljahr starten kann“, so Hergarten, der das Modell der Gemeinschaftsschule grundsätzlich weiterhin für sinnvoll hält. „Hier im ländlichen Raum sind solche Schulen allein schon aufgrund des demographischen Wandels vernünftig“, sagte er.

Der Bürgermeister machte allerdings keinen Hehl daraus, dass er den Alleingang von Dahlem, Nettersheim und Blankenheim als enttäuschend betrachtet. Ursprünglich hatten diese drei Kommunen mit Kall, Bad Münstereifel und Schleiden an einem gemeinsamen Schulentwicklungsplan gearbeitet, waren dann aber plötzlich allein durchgestartet.

„Wir setzen dennoch weiterhin auf interkommunale Zusammenarbeit“, teilte der Verwaltungschef mit. Er bleibe allerdings dabei, dass die Einrichtung einer neuen gymnasialen Oberstufe angesichts des bevorstehenden Demographiewandels ein Schritt in die falsche Richtung sei.  Statt eine weitere Sekundarstufe II ins Leben zu rufen, wäre es in der Eifel als strukturschwacher Region weitaus sinnvoller gewesen, sich gemeinsam über Gemeindegrenzen hinweg um den Erhalt der bereits vorhandenen Gymnasien zu kümmern. Eine weitere gymnasiale Oberstufe werde langfristig gesehen starke Beeinträchtigungen für die bereits bestehenden Gymnasien mit sich bringen. Damit sei niemandem gedient, am allerwenigsten den nachfolgenden Generationen. „Eine angestrebte interkommunale schulische Kooperation, die nicht auf Kirchturmspolitik, sondern auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist, sieht anders aus“, so Hergarten.

Hergartens Überlegungen zur demographischen Entwicklung in den Eifelkommunen scheinen vom Schulministerium indirekt bestätigt zu werden. Auch wenn man dort jetzt die Errichtung einer Sekundarstufe II an der neuen Gemeinschaftsschule genehmigt hat und die Bedenken der Anrainerkommunen als unbegründet abweist, so scheint man sich im Genehmigungsschreiben doch ein Hintertürchen offengehalten zu haben. Sollte nämlich ein Schuljahr vorher abzusehen sein, dass nicht mindestens 42 Schülerinnen und Schüler in Richtung Abitur marschieren, so wäre es mit dem Erlangen der Allgemeinen Hochschulreife an der Ahr erst einmal wieder Essig. In diesem Fall schreibt das Schulministerium der neuen Gemeinschaftsschule eine verbindliche Kooperation mit einem anderen Gymnasium vor. Im Klartext: Wenn absehbar weniger als 42 Schüler ihr Abitur machen wollen, dann müssen sich diese jungen Leute nach einem anderen Gymnasium umsehen, wo sie ihren Abschluss machen können. Welche Eltern bereits bei der Anmeldung ihren Kindern dieses Risiko einmal zumuten wollen, wo ja an bereits bestehenden Gymnasien kein Mangel herrscht, bleibt abzuwarten.

Bürgermeister Hergarten zeigte sich allerdings nicht nachtragend. „Falls sich abzeichnet, dass die Zahl der Schüler für die neue Sekundarstufe II nicht ausreicht, stehen wir und sicherlich auch die anderen Kommunen mit unseren Gymnasien bereit, diese aufzufangen“, ließ er wissen.  Er habe kein Interesse daran, die interkommunalen Differenzen auf dem Rücken junger Leute auszutragen. Die künftigen Schulträger der Gemeinschaftsschule sollten daher rechtzeitig über eine Kooperation mit den bereits bestehenden Gymnasien nachdenken.

Rolf Heesel, der Leiter des Städtischen Gymnasiums, dankte dem Bürgermeister bei einem gemeinsamen Gespräch jetzt für seinen Einsatz, zeigte sich jedoch gleichzeitig zuversichtlich, dass eine Klage gegen die Errichtung der neuen Sekundarstufe II nicht notwendig sei. „Die Erfahrung und die Kontinuität, die das Schleidener Gymnasium seit nunmehr 145 Jahren bietet, sind Garanten dafür, dass viele Eltern auch weiterhin auf ein Gymnasium mit langer Tradition setzen werden“, zeigte sich der Schulleiter überzeugt.

Eifeler Presse Agentur/epa

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