Nachhaltige Konzepte mit Ausstrahlung

NRW-Umweltminister Johannes Remmel besuchte das Gelände der Landesgartenschau 2014 in Zülpich und pflanzte einen Baum im „Wald des 21. Jahrhunderts“. Erstmalig in der Geschichte der Landesgartenschauen wird dem Klimawandel Rechnung getragen.

Großes Lob sprach NRW-Umweltminister Johannes Remmel (r.) Zülpichs Bürgermeister Albert Bergmann (l.) und dem Team der Landesgartenschau für die gelungene Planung der Schau aus. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Zülpich – Wenn im Jahre 2014 die Landesgartenschau in Zülpich ihre Tore öffnet, dann blickt das Land Nordrhein-Westfalen nach 42 Jahren wieder einmal gespannt auf den Kreis Euskirchen. Bereits 1972 erlebten hundertausende Besucher in Kommern eine Gartenschau, die ganz im Zeichen der erwachenden Verantwortung für einen breiten Umweltschutz stand. Dieser geriet in den Folgejahren wieder in Vergessenheit, und Gartenschauen galten zuweilen als Blümchenschauen der Superlative. Seit vielen Jahren jedoch steht längst nicht mehr der einmalige Eventcharakter im Mittelpunkt einer Landesgartenschau, sondern vielmehr ein fein durchdachtes Gestaltungs- und Planungskonzept, das auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist und das mit Ausstrahlung der betreffenden Region einen gewaltigen Entwicklungsschub bescheren soll.

„Ich drücke Zülpich die Daumen, dass genauso viele Zuschauer kommen wie bei den

vergangenen beiden Landesgartenschauen in Rietberg und Hemer“, sagte Umweltminister Johannes Remmel, der Donnerstagmorgen das Gelände der Landesgartenschau in Augenschein nahm.

Klaus Voussem (v.l.), Landtagsabgeordneter, NRW-Umweltminister Johannes Remmel, Horst-Karl Dengel, Regionalforstamtsleiter, Landrat Günter Rosenke und Zülpichs Bürgermeister Albert Bergmann pflanzten gemeinsam einen Baum für den „Wald des 21. Jahrhunderts“. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Eine Millionen Menschen hatten die beiden Landesgartenschauen jeweils besucht. „Mich beeindruckt besonders das Konzept ‚Wald des 21. Jahrhunderts’, das darstellt, wie die Wälder der Zukunft aussehen und auch im Klimawandel bestehen sollen“, lobte Remmel. „Wälder sind wichtig für den Klimaschutz, als Orte der Artenvielfalt, aber auch für Erholung und Freizeit. Deswegen haben die Vereinten Nationen das Jahr 2011 zum Internationalen Jahr der Wälder ausgerufen. Mich freut auch, dass Sie den Bürgern Baumpatenschaften ermöglichen.“

Christoph M. Hartmann, einer der beiden Geschäftsführer der Landesgartenschau 2014 Zülpich, brachte es am Donnerstag so auf den Punkt: „Die Landesgartenschau ist für die Stadt Zülpich eine einmalige Entwicklungschance: Dadurch kann die Stadt in drei Jahren so vorangebracht werden, wie es sonst nur in 15 bis 20 Jahren möglich wäre.“ Der Wassersportsee etwa habe bisher eher ein Dornröschendasein gefristet. „Die Stadt hat als Prinz den See wachgeküsst und wandelt ihn in einen Freizeit- und Erholungsraum für die gesamte Region um“, so Hartmann.

Am nebelverhangenen Zülpicher Wassersportsee inspizierte Umweltminister Johannes Remmel (3.v.l.) einen Teil des künftigen Landesgartenschaugeländes Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Zülpichs Bürgermeister Albert Bergmann teilte Hartmanns Einschätzung und betonte in seinem Grußwort an den Minister, dass seine Stadt sich bereits jetzt in der Vorbereitung auf die Landesgartenschau erheblich zum Positiven verändere und als Wohnort, Arbeitsplatzstandort, Einkaufsort und als Ziel des Städte- und Erholungstourismus von Tag zu Tag attraktiver werde.

„Auch mit Hilfe des Umweltministeriums kann die Stadt Zülpich in den nächsten Jahren zahlreiche landschaftliche Aufwertungsmaßnahmen vornehmen“, so Bergmann, der sich freute, dass Johannes Remmel einen Solitärbaum an einer repräsentativen Stelle pflanzte und damit das Waldprojekt der Schau abschloss. Der Besuch des Ministers zeige, welchen Stellenwert das Land Nordrhein-Westfalen nicht nur der Landesgartenschau 2014 Zülpich an sich, sondern auch den landschaftlichen Begleitmaßnahmen einräume. „Wir sind uns dessen bewusst und werden alle Maßnahmen mit Weitsicht und Augenmaß angehen zum Wohle aller Zülpicher Bürgerinnen und Bürger“, so Bergmann.

Der Leiter des Regionalforstamtes Hocheifel-Zülpicher Börde im Landesbetrieb Wald und

Mit sichtlicher Freude setzte NRW-Umweltminister Johannes Remmel (l.) im künftigen Gelände der Landesgartenschau 2014 Zülpich eine Elsbeere. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Holz Nordrhein-Westfalen, Horst-Karl Dengel, stellte dem Minister das Zukunftsprojekt „Wald des 21. Jahrhunderts“ vor. Für manchen klinge der Titel vielleicht etwas „hochtrabend“, so Dengel, doch spiele der Wald in den letzten Jahren eine immer größere Rolle, wenn es um zentrale Themen wie den „Hunger nach Energie, die Abmilderung der Folgen des Klimawandels und den Erhalt und die Nutzung der biologischen Vielfalt“ gehe. „Zu allen drei Themen können und müssen Wald- und Forstwirtschaft heute wertvolle Beiträge leisten“, erklärte Dengel.

Der Wald sei gewissermaßen Opfer des Klimawandels und gleichzeitig der beste Helfer gegen den Wandel. „Nach einhelliger Meinung der Experten wird sich der Klimawandel auf den Wald gravierend auswirken. Besonders die flach wurzelnde Fichte wird regional stark betroffen sein. Diese Betroffenheit lässt sich schon jetzt in der Zülpicher Börde feststellen, wo sich die Fichte allmählich verabschiedet“, so Dengel weiter. Angesichts dieser Herausforderungen gelte es, den Wald für den Klimawandel fit zu machen. Der Wald müsse sowohl den ökonomischen als auch den ökologischen Ansprüchen gerecht werden.

Der Zülpicher „Wald des 21. Jahrhunderts“ sei so gesehen als Experiment zu betrachten, denn man pflanze dort klimatisch angepasste Arten wie Stieleiche, Hainbuche, Elsbeere und Wildkirsche an. Die globalen Klimaveränderungen, die letztlich auch für die nun fast regelmäßig stattfindenden starken Stürme verantwortlich seien, erforderten neue widerstandsfähigere Baumgesellschaften. Zülpich ist darüber hinaus die Stadt in NRW mit den meisten Sonnenscheinstunden und hat von jeher ein sehr trockenes Klima, das selbst den Römern gefallen hat, die hier Wein anbauten.

Die Landesgartenschau 2014 Zülpich wird aufgrund ihrer besonderen Berücksichtigung des globalen Klimawandels und eines möglichen Umgangs mit dessen Folgen eine Zäsur darstellen. Schon jetzt gilt sie als wegweisend für alle künftigen Veranstaltungen dieser Art, weil sie nicht wie 1972 in Kommern nur emotional die Bewahrung von Natur anmahnt, sondern weil sie handfeste Konzepte aufzeigen will, wie Ökonomie und Ökologie in Einklang zu bringen sind und wie damit ein Ausweg aus der globalen Krise möglich wird. Dies betonte auch der zweite Geschäftsführer Heinrich Sperling, der mit Zülpich mittlerweile „seine“ elfte Landesgartenschau organisiert. Sperling: „Es ist das erste Mal, dass ein besonderer Wald gepflanzt wird, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen.“ Die Landesgartenschau in Zülpich sei jedoch darüber hinaus etwas Besonders, da neben den historischen Wallgrabenanlagen auch ein Wassersportsee mit einbezogen werde und er keinen Ort in ganz NRW kenne, „an dem Stadtmauern und Ackerland so eng verflochten sind“.

Dr. Dieter Stöhr, der erste Vorsitzende des Fördervereins der Landesgartenschau, konnte dem Minister berichten, dass sich seit Januar 2009 bereits mehr als 300 Bürgerinnen und Bürger sowie auch Gewerbetreibende und Vereine der Stadt Zülpich und der weiteren Region dem  Förderverein als Mitglied angeschlossen hätten. „Die Tendenz ist weiter steigend“, freute sich Stöhr, der hinsichtlich der Herkunft seiner Mitglieder von einem echten „Multi-Kulti-Verein“ sprach. Durch diese „Farbenvielfalt“ werde es möglich, zahlreiche unterschiedliche Projekte gleichzeitig zu schultern und die Landesgartenschau aktiv voranzubringen. Stöhr verwies auf die Baumpatenschaft, bei dem jeder Alleebaum mit Hilfe des Fördervereins einen Paten erhält. „Inzwischen wurden 318 von insgesamt 440 Bäumen unter die Haube gebracht“, freute sich der erste Vorsitzende. Stöhr betonte, dass auch der Förderverein ein besonderes Augenmerk auf die Nachhaltigkeit aller Maßnahmen rund um die Landesgartenschau lege. Die Menschen müssten dauerhaft von den Projekten profitieren.

Eifeler Presse Agentur/epa

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