150 Mittagessen in 30 Minuten

Knapp 400 000 Euro wurden für die neue Schulmensa investiert, die am 2. Mai ihre Tore öffnet. Ab sofort  können Eltern ihre Kinder anmelden. Bestellt und bezahlt wird auf dem Online-Portal.

Am Montag durften diese jungen Leute in der Mensa schon mal Probe sitzen. Die sechs Schüler freuen sich bereits riesig auf den 2. Mai. Denn ab dann gibt es mittags endlich eine warme Mahlzeit für die Schleidener Realschüler und Gymnasiasten. Bild: Tameer Gunnar Eden/EifelerPresseAgentur/epa

Schleiden – „Rund 1,9 Millionen Kinder in Deutschland bringen zu viele Kilos auf die Waage, 800 000 sind sogar fettleibig“, berichtet die neueste Ausgabe des „Öko-Test“. Die Gründe dafür sind lange bekannt: Neben Bewegungsmangel ist es vor allem eine falsche Ernährung, die zum Übergewicht bei jungen Leuten führt. Abhilfe schafft nur eine gesunde ausgewogene Ernährung. Doch gerade dafür ist meist wenig Zeit. Vor allem Schülerinnen und Schüler greifen bei Hunger lieber mal rasch zum Schokoriegel oder stürmen in der Mittagspause das Fast-Food-Büdchen an der Ecke. Der verstärkte Nachmittagsunterricht an den Schulen führt leider vielfach auch zu einer weiteren Verschlechterung der Ernährungslage bei jungen Leuten.

In der Stadt Schleiden hat man diese Entwicklung frühzeitig erkannt. Verwaltung und Politik waren sich schnell einig darin, dass die Investitionen in die Bildung nur Sinn ergeben, wenn man dabei auch das leibliche Wohl der Schülerinnen und Schüler im Auge behält. Mit anderen Worten: Eine moderne Schulmensa musste her.

Nach einem Jahr Bauzeit ist es jetzt endlich soweit: Die neue Schulmensa, die eigentlich eher den Namen Schulrestaurant verdient hätte, eröffnet am 2. Mai ihre Pforten. Dann heißt es erstmals im umgebauten Lehrschwimmbecken an der Realschule: „Guten Appetit!“. Auf gut 300 Quadratmetern Fläche können innerhalb von nur 30 Minuten 150 Mittagessen serviert werden. Gedacht ist die Schulmensa für die Schülerinnen und Schüler der Realschule und des Städtischen Gymnasiums. An der Hauptschule wird noch selbst gekocht.

„Sowohl unser Gymnasium als auch die Realschule bieten ein Ganztagsangebot mit Übermittagsbetreuung für die Schüler an. In der gesetzlich festgeschriebenen einstündigen Pause können die jungen Leute ab Mai von montags bis donnerstags in der Zeit von 13 bis 14 Uhr ein richtig gutes Mittagessen genießen“, freut sich Bürgermeister Ralf Hergarten, der die Mensa auch selber testen will. Das Essen wird von einem erfahrenen Caterer serviert. Verantwortlich zeichnet die Firma „Sander Catering“ aus Wiebelsheim. Die Profis servieren keineswegs nur Einheitskost für jedermann, vielmehr wurde mit der Stadt Schleiden ein individuelles, ausgewogenes und für Heranwachsende perfekt abgestimmtes Verpflegungskonzept erarbeitet.

„Die Herstellung der Gerichte erfolgt im Cook and Chill-Verfahren“, erläutert Hergarten. Bei dieser Methode würden die warmen Speisenkomponenten auf herkömmliche Weise zubereitet und gegart, dann aber innerhalb von 90 Minuten auf eine Temperatur von unter drei Grad Celsius gekühlt. Bei dieser Temperatur kann man die Gerichte ohne Qualitätsverlust längere Zeit lagern. Unmittelbar vor der Ausgabe wird das Gericht dann im schonenden Dampf auf Verzehrtemperatur erwärmt.

„So wird garantiert, dass die Lebensmittel frisch und fast ohne Nährstoffverluste ausgegeben werden können“, freut sich auch Realschulleiter Bernd Buß, der sich begeistert über die neue Einrichtung samt ihrer modernen sanitären Anlagen zeigt: „Hier ist wirklich alles tipp topp gelungen.“

Auch vegetarisches Essen

„Endlich gibt es mittags ein warmes Essen“, jubelt der 14-jährige Marlon aus der achten Klasse, der sich mit ein paar Kumpels schon für die Mensa angemeldet hat: „Bislang gab es in der Mittagspause nämlich nur ein Butterbrot“, stimmen auch seien Mitschüler mit ein.

Die Schülerinnen und Schüler können jeden Tag zwischen zwei verschiedenen Gerichte wählen. Neben einem Vollwertkostgericht mit einer Fleischkomponente gibt es sogar auch vegetarische Mahlzeiten. Dazu wird täglich ein Beilagensalat oder ein Dessert gereicht.

„Der Salat wird in unserer Region gekauft und in der Mensa dann frisch zubereitet“, so der Bürgermeister. Der Preis pro Essen betrage 3,81 Euro. Bei der Bestellung des Essens geht es hochmodern zu. Denn Bestellen und Bezahlen erfolgt ausschließlich das Onlineportal der Firma Sander. Dort kann man sich auch anmelden. Jeder Schüler, der die Mensa besuchen möchte, bekommt einen Chip. Wenn man diesen an der Essensausgabe einlesen lässt, bekommt man automatisch das vorab gewählte Menü.

„Mit diesem Chip schlagen wir gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe“, erklärt Hergarten. Zum einen bräuchten die Eltern ihren Kindern kein Geld mitgeben, das dann eventuell anderweitig ausgegeben würde. Zum anderen sei es natürlich weitaus hygienischer, in der Mensa bargeldlos zu bezahlen. „Und schließlich hat der Chip auch noch eine soziale Komponente“, weiß Hergarten: „Denn so kann niemand sehen, welches Essen bezuschusst wurde. Sozial schwache Kinder brauchen sich daher nicht an der Kasse zu schämen, weil sie weniger zahlen müssen als andere Schüler.“

Knapp 400 000 Euro hat die neue Mensa gekostet. Harald Dietrich, der bei der Stadt Schleiden für die technische Immobilienbetreuung zuständig ist, berichtet, dass man für die Realschule und für das Gymnasium jeweils 100 000 Euro Fördermittel aus dem Programm „1000 Schulen“ von der Bezirksregierung erhalten habe. Das restliche Geld sei aus der Schulpauschale des Landes gekommen. „Wir haben zuerst das Schwimmbad rausgemeißelt und dann alles vom Rohboden an neu aufgebaut“, so Dietrich. Das Gebäude wurde energiebewusst mit einer Fußbodenheizung errichtet. Die moderne Heizungsanlage des einstigen Schwimmbads konnte übernommen werden.

Die Mensa hat noch einen weiteren Vorteil: Die Räumlichkeiten können auch mal rasch für andere Zwecke genutzt werden. Wenn beispielsweise am Donnerstag, 7. April, der „Zug der Erinnerung“ in Schleiden Station macht, dann wird es diesbezüglich um 17 Uhr eine öffentliche Ansprache in der Mensa und sodann von dort aus einen Gedenkgang zum Ausstellungszug geben.

EifelerPresseAgentur/epa

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