NRW-Erlass soll frischen Wind in die Eifel bringen

Gesetzesentwurf der Landesregierung fördert Windenergie – Nationalpark Eifel Tabuzone für Windräder – Belange der Anwohner sollen gewahrt bleiben

 

Die Windkraft soll in der Eifel weiter ausgebaut werden, gefördert durch den neuen Windkrafterlass der Landesregierung. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Kreis Euskirchen – „Der Klimawandel ist die größte Herausforderung, vor der die Welt derzeit steht; der Klimaschutz eine wichtige Aufgabe von Bürgerinnen und Bürgern, Bund, Ländern und Kommunen“, heißt es im Entwurf zum neuen nordrhein-westfälischen Windkrafterlass. Der liegt gerade politischen Entscheidungsträgern vor und könnte noch im Mai gesetzlich in Kraft treten. Doch was würden die neuen Richtlinien für die Eifel bedeuten? Auch wenn spätestens nach der Reaktorkatastrophe in Japan die Akzeptanz von Windkraftanlagen in der Bevölkerung steigt, sorgen manche Neuerungen im Erlass für Verunsicherung. So sollen bisherige generelle Beschränkungen von Abständen etwa zu Wohnbebauung oder Höhen von Anlagen fallen. Kann jetzt der Nachbar in seinem Garten eine „Windmühle“ errichten?

Eckhard Klinkhammer (l.) und Dieter Hinze (r.) in der Netzwarte, von der aus mit modernster Technik unter anderem die Stromeinspeisung von Windrädern und Photovoltaikanlagen überwacht werden kann. Bei Störungen wird sofort der 24-Stunden-Bereitschaftsdienst alarmiert. Karl-Heinz Weiler (2.v.l.) ist für die Netzführung zuständig. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

„Nein, keinesfalls“, betont Eckhard Klinkhammer, verantwortlich für die Windkraftprojekte bei der Energie Nordeifel (ene), der nicht mehr ganz neuen Muttergesellschaft der KEV. Um die Windenergie zu fördern, sei lediglich statt des grundsätzlich festgelegten Mindestabstandes eine Einzelfallprüfung vorgesehen. Auch müsse kein Eifeler um den Nationalpark fürchten: „Zwar ist in dem Entwurf der Wald grundsätzlich keine Tabuzone mehr für Windkraftanlagen, der Nationalpark ist aber ausdrücklich ausgeschlossen.“ Außerdem sei bei allen Flächennutzungs- und Bebauungsplanungen für die Belange des Umweltschutzes eine Umweltprüfung fällig.

Seit über 20 Jahren betreut die „KEV“ und jetzt die „ene“ Windkraftanlagen, vom Bau elektrischer Leitungen und Stationen bis zur Abrechnung der ins Netz eingespeisten Strommengen. In der Netzsteuerzentrale bei der „ene“ kann man auf Groß-Bildschirmen verfolgen, wie viel Windstrom erzeugt wird. Falls eine Störung eintritt sorgen Monteure mit einem 24 Stunden am Tag besetzten Störungsdienst für möglichst schnelle Abhilfe.

Seit dem Aufruf der Landesregierung entwickeln die meisten Kommunen ihre eigenen Klimaschutzkonzepte. An vielen der Arbeitsgruppen ist auch die Energie Nordeifel beteiligt. Der Windenergie kommt bei den regenerativen Konzepten eine hohe Bedeutung zu, denn sie verspricht hohe Energieausbeute bei geringem Flächenbedarf.

Die „ene“, zur Hälfte schon heute ein kommunales Unternehmen des Kreises Euskirchen, will zusammen mit Kommunen, Industrie und Landwirtschaft den Ausbau regenerativer Energien in der Eifel vorantreiben – und zwar bürgernah. Dieter Hinze, Geschäftsführer der Energie Nordeifel: „Dazu müssen die Bürger, Politik und Verwaltungen schon in der Planungsphase mitwirken. Außerdem wollen wir Bürgerwindparks einrichten, bei denen die Bürger Anteile kaufen können. Um auch weniger Betuchten die Investition in die zukunftsträchtige Windkraft zu ermöglichen, muss der Preis für einen Anteil erschwinglich sein.“

Dieses Konzept verfolgt auch Ralf Hergarten, Bürgermeister der Stadt Schleiden, nach seinen „durchweg positiven Erfahrungen“ mit dem Windpark in Schleiden-Schöneseiffen, in dem die „ene“ auch in mehreren Bereichen tätig ist, beispielsweise in der Einspeise-Überwachung. „Ein Teil des Erlöses kommt den Vereinen zu Gute“, berichtet Hergarten. Jetzt will die Stadt Schleiden im Zuge ihrer Klimaschutzoffensive ein weiteres Gebiet für Windräder ausweisen, so der Bürgermeister: „Zehn Prozent des Erlöses geht an soziale Projekte, außerdem soll sich jeder Schleidener Bürger zu attraktiven Konditionen an dem Bürgerwindpark beteiligen können.“

Damit die Belange der Anwohner gewahrt bleiben, plane die „ene“ Anlagen besonderer Bauart, wie Eckhard Klinkhammer sagt: „Die sind deutlich leiser als herkömmliche Windräder, auch im Infraschall-Bereich. Eine Rotorblattheizung verhindert außerdem Eiswurf, und eine spezielle matte Farbe der Rotorblätter beseitigt Lichtreflexionen.

Dass trotzdem nicht jeder Bürger von einer Windkraftanlage begeistert ist, kann Hinze zwar verstehen: „Aber man muss sich eben entscheiden: Bislang werden nicht einmal 20 Prozent des Stroms in Deutschland aus regenerativen Energien gewonnen – wer wirklich den Atomausstieg und CO2-Reduzierung will, wird um Windenergie nicht herumkommen.“

Das im Windenergieerlass sogenannte „Repowering“, also Ersetzen vorhandener, mindestens zehn Jahre alter Windkraftanlagen durch modernere Windräder, kann auch Vorteile für Anwohner bringen: Denn die Lärmschutzauflagen sind mittlerweile strenger geworden. Hinze: „Neue Anlagen sollen aber in sogenannten Konzentrationszonen entstehen, die die Kommunen speziell ausweisen, auch Interkommunale Gebiete sind denkbar, damit nicht jeder Fleck »verspargelt« wird. Dabei sollten diese Gebiete für die Windparks möglichst entlang vorhandener Infrastrukturtrassen wie Fernstraßen, Schienenwege und Hochspannungsfreileitungen gebaut werden.“

Zusammen mit seinen beiden Gesellschaftern, dem Kreis Euskirchen und der RWE, schmiedet der „ene“-Geschäftsführer mit seinem Team anspruchsvolle, aber umsetzbare Pläne: Bis 2030 könnte eine 100-prozentige Versorgung der Eifel mit „Grünem Strom“ möglich werden. Dabei setzt Hinze nicht nur auf Wind, sondern auch auf Biogas und Photovoltaik, wie bei der von der  „ene“ und Stadt Schleiden gebauten größten Freilandphotovoltaik-Anlage der Eifel in Herhahn. Und auch jene Energieform, die im Altkreis Schleiden vor gut 100 Jahren mit der Urfttalsperre eine vollständig regenerative Energieversorgung ermöglichte, hat die „ene“ erneut ins Visier genommen: Die Wasserkraft.

Wenn die „ene“ die ehrgeizigen Projekte umsetzen kann, profitiert nicht nur die Natur: Die Hälfte des erwirtschafteten Gewinns der Energie Nordeifel geht bereits heute an den Kreis Euskirchen, der finanziert zu einem großen Teil den Öffentlichen Personennahverkehr damit und leistet dadurch einen wertvollen Beitrag zur Mobilität im ländlichen Raum.

Eifeler Presse Agentur/epa

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