Wir wollen nicht die „Zahlmeister“ sein

Der Vorstand des SV Nierfeld wehrt sich gegen Vorwürfe in der lokalen Presse: Benutzungsgebühr für den Kunstrasenplatz sei notwendig, um den Platz zu erhalten, nicht um Geld damit zu verdienen.

 

Karl-Heinz Büser (links) und Heinz Schiefer vom Sportverein Nierfeld bezogen Stellung gegen die gegen sie erhobenen Vorwürfe. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Gemünd – Die beiden Vorsitzenden des SV Nierfeld, Karl-Heinz Büser und Heinz Schiefer, haben der Behauptung, sie würden mit ihrer Kunstrasenanlage auf Dauer gesehen Geld verdienen, weil sie andere Vereine für die Benutzung des Platzes zur Kasse bitten, entschieden widersprochen. Eine solche Behauptung gründe auf fehlende Informationen. Tatsache sei, dass man nicht geahnt habe, welche laufenden Kosten beim Betrieb eines Kunstrasenplatzes auf den Verein zukommen würden. „Zur Zeit der Vergabe wusste keiner genau, wie hoch die Pflegekosten sind“, berichtete Karl-Heinz Büser kürzlich bei einem Pressegespräch im Vereinsheim des SV Nierfeld. Alle seien davon ausgegangen, dass Kunstrasen pflegeleichter und kostengünstiger sei als ein Rasenplatz. „Weit gefehlt – die Kosten sind mit den erforderlichen Geräten zwei bis zweieinhalb Mal so hoch.“

„Der SV Nierfeld hat von den Gesamtkosten von 380 000 Euro für die Sportanlage 80 000 Euro durch Spenden von Gemünder und Nierfelder Gönnern und Geschäftsleuten sowie durch Eigenleistung erbracht“, berichtete Büser weiter. Doch mit dieser Investition (300 000 Euro stammen aus dem Konjunkturpaket II) sei die Sache keinesfalls für den SV Nierfeld gehalten gewesen, denn der Platz erfordere darüber hinaus eine intensive und sehr teure Pflege, die es dringend erforderlich mache, Gebühren für die Benutzung des Platzes zu veranschlagen.

Heinz Schiefer rechnete der Presse vor, wie sich die Gebühren zusammensetzen. „Allein für die Grundpflegeausrüstung, ein Blasegerät und eine Kehrmaschine, mussten wir noch einmal 17 000 Euro aufbringen“, berichtete er. Einmal im Jahr muss der Platz darüber hinaus eine besondere Pflege erhalten, für die wiederum ein spezielles Gerät notwendig ist, das 7900 Euro kostet und noch angeschafft werden muss. „Allein die Flutlichtanlage kostet uns im Jahr 2900 Euro, und für die kontinuierliche Platzpflege drei Mal in der Woche werden 2800 Euro im Jahr fällig.“

Kurz und gut: Jeden Monat muss der SV Nierfeld 1640 Euro für den Kunstrasenplatz aufbringen. „Derzeit haben wir 60 Belegungen im Monat, d.h., dass wir eine Trainingszeit von 90 Minuten mit 27,33 Euro für den ganzen Platz in Rechnung stellen müssen. Bei Benutzung des halben Platzes sind es 13,66 Euro.“

Aus diesen Zahlen könne man ersehen, dass die Unkostenpauschale keinesfalls aus der Luft gegriffen sei. „Uns zu unterstellen, wir würden Gewinne machen und unsere Vereinskasse füllen, ist entweder Dummheit oder sagenhafte Unwissenheit“, so Schiefer. Auch ärgere ihn, dass die SG Oleftal behaupte, die Kostenbeteiligung sei aus heiterem Himmel auf sie zugekommen. Der Presse wurde diesbezüglich ein Schreiben vom 19. Oktober 2010 vorgelegt, in dem der zweite Vorsitzende, Dieter Evertz, die anfallende Kostenpauschale für den Platz mit seiner Unterschrift zur Kenntnis nahm. Auch sei von Olef die Benutzungsgebühr für die 1. Mannschaft sowie für die Damenmannschaft bereits anstandslos überwiesen worden. „An der Platzanlage kann man nichts verdienen“, beteuerten die beiden.

Die in einigen Leserbriefen der lokalen Presse erhobenen Forderungen anderer Vereine nach einem Hausrecht nannten die beiden Vorsitzenden schlicht „lächerlich“. Sie zeigten sich überzeugt, dass diese Forderung nicht aus dem Vorstand der SGO, sondern aus den Reihen des SSV Gemünd stamme. Schiefer erinnerte daran, dass der SSV Gemünd freiwillig auf sein Hausrecht verzichtet habe. Schiefer: „Leider hat der scheidende Vorstand vergessen, dies dem neuen Vorstand mitzuteilen.“ Da der SV Nierfeld die Arbeit mache und die Rechnungen bezahle, habe er auch das Hausrecht verdient. Dennoch räumte Schiefer ein: „Wenn andere Vereine dieses Hausrecht mit voller Konsequenz mit uns tragen wollen, sollten sie sich mit uns zusammensetzen – wir sind verhandlungsbereit.“

Auch zur Zusammenarbeit im Jugendbereich mit dem SG Oleftal bezogen die beiden Vorsitzenden Stellung. Die gemeinsame Spielgemeinschaft sei quasi torpediert worden, weil Olef neben dieser eine eigene C-Mannschaft gegründet habe. „Es kränkt mich persönlich, dass hinter meinem Rücken eine zweite Jugendmannschaft aufgebaut wurde“, so Büser, der 1986 mit Herbert Langen die Spielgemeinschaft gegründet hatte. Damit sei die bestehende Spielgemeinschaft zur C2-Mannschaft degradiert und aufs Abstellgleis geschoben worden. „Zuletzt hatte der SV Nierfeld nur noch 16 Spieler in der Spielgemeinschaft, die SG Oleftal aber durch ihren Zusammenschluss mit dem SSV Gemünd 100 Spielerinnen und Spieler“, so Büser. Dennoch habe man für die 16 Spieler 50 Prozent der Kosten aufbringen sollen. Eine Einigung über einen geforderten Kostenausgleich sei letztlich nicht zustande gekommen. Dass man jetzt in Nierfeld eine eigene Jugendarbeit aufbaue, sei daher nicht als Versuch zu betrachten, eine Monopolstellung anzustreben, sondern einzig aus dem Grund, dass man keine Lust mehr habe, in der Spielgemeinschaft lediglich den „Zahlmeister“ abzugeben.

„Durch unser Ausscheiden hat die SGO keinen Nachteil im Spielbetrieb“, so die beiden Vorstände, die am Ende auch einige moderate Töne anschlugen. „Wir sind im Prinzip aufeinander angewiesen“, meinten sie. Denn im Grunde genommen sei es Unsinn, dass es auf nur einen Kilometer zwei Vereine gebe, die im Jugendbereich nicht zusammenarbeiten möchten. Aber die Voraussetzungen für eine solche Zusammenarbeit seien derzeit nicht gegeben.

Eifeler Presse Agentur/epa

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