Die gesamte Verbandsgemeinde setzt auf Sonnenenergie

Sämtliche Dächer der VG Birkenfeld werden zurzeit vom Euskirchener Solarspezialisten „F&S solar concept“ mit Photovoltaikmodulen bestückt – Bis zum 30. Juni soll das Großprojekt mit 1650 Kilowatt-Peak fertig sein und dann jährlich 1100 Tonnen Kohlendioxid einsparen – Über Stiftung finanziertes Sonnenkraftwerk wird 2,5 Millionen Euro in die öffentlichen Kassen spülen

Dr. Bernhard Alscher (2.v.l.), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Birkenfeld, präsentierte zusammen mit Jörg Frühauf (r.), Geschäftsführer der ausführenden Firma „F&S solar concept“, die Photovoltaik-Dachanlage auf dem Gemeinschaftshaus Rinzenberg – ein Teil des Solarprojekts Birkenfeld mit 1650 Kilowatt-Peak. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Verbandsgemeinde Birkenfeld – „Wir müssen nicht nur von Klimaschutz reden, wir müssen handeln!“, betonte Dr. Bernhard Alscher, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Birkenfeld, am Freitag im Gemeinschaftshaus Rinzenberg. Er stellte dort etwa 80 interessierten Bürgern sowie Vertretern aus Politik und Verwaltung ein besonderes Solarprojekt vor: Auf über 50 Dächern in den 31 Orten der Verbandsgemeinde werden nämlich zurzeit Solarmodule installiert. Bis zum 30. Juni muss das gesamte Solarkraftwerk fertig sein – denn ab 1. Juli wird die staatlich 20 Jahre lang garantierte Einspeisevergütung für Solarstrom von Dachanlagen gekürzt.

Mit der Stiftungslösung für das Solarprojekt der Verbandsgemeinde Birkenfeld hat Dr. Bernhard Alscher (2.v.l.), Bürgermeister der Verbandsgemeinde, einen gangbaren Weg gefunden, dem drittärmsten Kreis in Rheinland-Pfalz rund zweieinhalb Millionen innerhalb von zwei Jahrzehnten in die Kasse zu spülen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Finanziert wird das Ganze ohne die Gemeindekassen zu belasten: Denn unter dem Dach der Stiftung »Sonne für Deutschland« wurde die komplett finanziell eigenständige Unterstiftung »Sonne für Birkenfeld« gegründet. Diese finanziert die Photovoltaikanlage über Darlehen der örtlichen Kreissparkasse. Als ausführende Firma hat man sich für den Euskirchener Spezialisten „F&S solar concept“ entschieden, der nun alle verfügbaren öffentlichen Dächer in der Verbandsgemeinde mit Solarmodulen bestückt.

Bernhard Alscher ließ noch einmal die Chronologie des Photovoltaik-Projekts Revue passieren. Erst im November 2010 hatte man Kontakt zu verschiedenen Sonnenenergieexperten gesucht und im Januar 2011 bereits die Dachflächen aller gemeindeeigenen Flächen zusammengestellt. „Auf diese Weise wurden über 1000 Seiten an Informationen, Bauunterlagen und Luftbildern zusammengetragen“, berichtete Alscher. Insgesamt seien in allen Fachbereichen 25 Verwaltungsmitarbeiter bei dem Großprojekt involviert gewesen.

Der Beschluss, die Stiftung „Sonne für Birkenfeld“ zu gründen, wurde vom Rat der Verbandsgemeinde Mitte März gefasst. Nach der Darlehenszusage der Kreissparkasse und nachdem so manche bürokratische Hürde genommen worden war, konnte der Auftrag für den Bau der Photovoltaikanlagen dann Ende März erteilt werden. „Gerade einmal 60 Stunden nach der Auftragsvergabe wurden die ersten Dächer von F&S begutachtet, der Arbeitsablauf abgestimmt und die ersten Gerüste, Materialien und Mitarbeiter tauchten an den Baustellen auf“, berichtete der Verbandsbürgermeister, der sich immer noch verwundert darüber zeigte, wie schnell und reibungslos alles vonstattengegangen war. Derzeit dürfte weit und breit kein Gerüst mehr zu haben sein. Denn in der Spitze benötigt man für das Birkenfelder Photovoltaik-Projekt eine Gerüstfläche von 3500 Quadratmeter.

Als sportliche Herausforderung sieht Jörg Frühauf, Geschäftsführer von „F&S solar concept“, die knapp bemessene Bauzeit von acht Wochen für das Solar-Großprojekt. Bis zum 30. Juni soll das Sonnenkraftwerk ans Netz gehen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Alscher berichtete, dass man gut 4,5 Millionen Euro investiere und mit einem Reflux von sieben Millionen Euro rechne. „Nach 20 Jahren können die Photovoltaikanlagen in das Eigentum der Gemeinden und der Verbandsgemeinde überführt werden, unentgeltlich, da Zins und Tilgung erledigt sind“, so Alscher weiter. Die Lebensdauer einer Photovoltaikanlage betrage 30 bis 35 Jahre, also bleibe noch viel Zeit, um sich über die Einspeisevergütung netto zu freuen – oder den sauber erzeugten Solarstrom selbst zu nutzen.

Trotz des hohen Zeitdrucks will Jörg Frühauf, Geschäftsführer des Euskirchener Solarspezialisten „F&S solar concept“, den Termin einhalten: „Wir sehen das als sportliche Herausforderung“. Denn in nur acht Wochen Bauzeit muss das Projekt auf den über 50 Dächern mit 1650 Kilowatt-Peak umgesetzt werden. „Wir haben die Herausforderung angenommen und sind jetzt zur Halbzeit guter Dinge“, so Frühauf.

Bei diesem „Sport“ ist seine Firma, die er zusammen mit Georg Schmiedel führt, allerdings gut im Training: Hat „F&S solar concept“ doch unter anderem schon Hallen der Messe Düsseldorf bestückt, die größten Freilandanlagen Nordrhein-Westfalens und Niedersachsen gebaut sowie die größte Dachanlage Kölns. Und so versicherte Thomas Prick, Projektmanager der Euskirchener Solarfirma: „Wir werden bis zum 30. Juni fertig!“

Eine der aktuell 25 aktiven Photovoltaik-Baustellen in der Verbandsgemeinde Birkenfeld: Andreas Scholl von „F&S solar concept“ bereitet auf dem Dach „Haus der Jugend“ in Hoppstädten-Weiersbach die Montage der Solarmodule vor. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Bürgermeister Alscher und Jörg Frühauf legen großen Wert darauf, ortsansässige Handwerker in die umfangreichen Arbeiten einzubeziehen. Das hätten sie sogar gerne noch mehr getan, aber die Firmen vor Ort gerieten angesichts des Großprojekts und des Zeitdrucks an ihre Kapazitätsgrenzen. Frühauf: „Aber wir haben hier einige gute Kooperationspartner gefunden, die von uns geschult wurden.“ Und die weiteren Monteure von außerhalb sorgen in Pensionen und Gaststätten ebenfalls für regionale Wertschöpfung, wie Bernhard Alscher anmerkte.

Auch für die Umwelt lohnt sich das Projekt: Umgerechnet rund 500 Haushalte können künftig mit sauberem Solarstrom versorgt werde. Jährlich spart man dabei etwa 1100 Tonnen Kohlendioxid gegenüber herkömmlicher Energieerzeugung ein.

Eifeler Presse Agentur/epa

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