Eifel Energiegenossenschaft „eegon“ befindet sich auf Erfolgskurs

Schon im ersten Geschäftsjahr wurde Gewinn erzielt – Genossen diskutierten auch über eine Ausweitung ihres Investitionskatalogs – Johannes Pinn: „Neue Standorte für Windkraft werden auf jeden Fall erschlossen, ob mit oder ohne uns!“

81 stimmberechtigte Mitglieder der Eifel Energiegenossenschaft waren ins Bürgerhaus nach Kerpen bei Hillesheim gekommen, um unter anderem das Thema Windkraft zu diskutieren. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Eifel – Von der mittlerweile über 200 Mitglieder zählenden Eifel Energiegenossenschaft „eegon“ waren kürzlich 81 stimmenberechtigte Mitglieder in das Bürgerhaus in Kerpen bei Hillesheim gekommen. Auf der Tagesordnung der Generalversammlung stand zunächst das Geschäftsjahr 2010. „Obwohl unsere junge Genossenschaft erst im vergangenen Jahr ihre ersten Projekte realisiert hat, schließt das Jahr 2010 bereits mit einem positiven Ergebnis ab“, freute sich der Vorstandsvorsitzende Johannes Pinn. Insgesamt ließen die Genossen von März bis September 2010 acht Photovoltaikanlagen errichten. In Freilingen wurde der Bauhof mit Sonnenkollektoren bestückt, in Nettersheim das Holzkompetenzzentrum, in Schleiden das Städtische Gymnasium, in Dollendorf die Grundschule, in Uedelhoven das Bürgerhaus und in Blankenheim die Grundschule, die Weiherhalle und das Schulzentrum Finkenberg.

Einstimmig wurde der Jahresabschluss 2010 von den Mitgliedern der „eegon“ verabschiedet und Vorstand und Aufsichtsrat ebenso einmütig entlastet. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

„Die Kalkulation ging von einer Stromproduktion von ca. 136 000 Kilowattstunden aus, tatsächlich lag die Stromproduktion jedoch bei 154 408 Kilowattstunden“, so Pinn, der vorrechnete, dass dies eine jährliche Kohlendioxideinsparung von 85 Tonnen bedeute. Für den produzierten Strom erhielt die „eegon“ eine Vergütung von knapp 58 400 Euro. Das Genossenschaftsmodell der „eegon“ ist mittlerweile so beliebt, dass die beiden Vorstände Johannes Pinn und Klaus Haderer als Vortragsredner und Berater heiß begehrt sind. Auch aus dieser Arbeit der beiden ehrenamtlichen Vorstände floss einiges in die Kasse der „eegon“, so dass in 2010 insgesamt ein Umsatzerlös in Höhe von 60 000 Euro erwirtschaftet werden und man mit einem Jahresüberschuss von knapp 8000 Euro abschließen konnte.

Ebenso positiv lässt sich die Zahl der Mitglieder vermerken: Besaßen Ende 2009 exakt 39 Mitglieder 71 Anteilsscheine, so sind es mittlerweile 212 Mitglieder, die 842 Anteilsscheine ihr Eigen nennen.

Bei so viel guter Vorstandsarbeit fiel es den anwesenden Mitgliedern leicht, den Jahresabschluss 2010 einstimmig zu verabschieden und Vorstand und Aufsichtsrat ebenso einmütig Entlastung zu erteilen.

Die Energie-Genossen gehen auch im laufenden Jahr weiter mit gutem Beispiel voran: So wurde bereits eine Photovoltaikanlage auf dem Bürgerhaus in Hönningen und eine auf dem Kindergarten in Reifferscheid installiert. Weiterhin hat man schon das Feuerwehrgerätehaus in Hellenthal in Augenschein genommen, denkt über ein Nahwärmeprojekt nach sowie über die Installation von Blockheizkraftwerken.

Eingeladen worden waren die Mitglieder aber auch, um sich an diesem Abend über das Thema Windkraft zu verständigen. Klar wurde den Genossen recht schnell, dass nicht zuletzt aufgrund des anvisierten Atomausstiegs in Deutschland der Windkraft eine entscheidende Rolle zukommen wird. „Neue Standorte für Windparks werden auf jeden Fall erschlossen, ob mit oder ohne uns“, brachte Johannes Pinn die derzeitige Situation auf den Punkt. „Wenn wir Eifeler nicht selbst Windräder aufstellen, dann tun es andere“, sagte er und machte klar, dass die Wertschöpfung dann aus der Region abfließen werde.

In der Tat ist Windkraft in Bezug auf die Stromausbeute sehr verlockend. Produzierten alle Photovoltaikanlagen der „eegon“ in 2010 gut 154 000 Kilowattstunden, so kann ein einziges Windrad im gleichen Zeitraum Erträge von 650 000 Kilowattstunden einbringen. Oder anders: Für die Leistung eines modernen Windrads müssen 10 000 Quadratmeter Solarfläche erstellt werden.

Der „eegon“-Vorsitzende Johannes Pinn konnte bereits nach dem ersten Geschäftsjahr der jungen Genossenschaft ein positives Ergebnis verkünden. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

„Allein können wir solche Investitionen aber nicht tätigen“, so Pinn. Daher brauche man starke Partner. Die aber hat die „eegon“ zum Teil in den eigenen Reihen sitzen. So gehört die Energie Nordeifel (ene) beispielsweise mit zu den Gründungsmitgliedern und verfügt bereits über große Erfahrung und Kompetenz in Sachen Windkraft: Und zwar sowohl im Betrieb der Parkversorgungsnetze sowie der Überwachungstechnik und der Einspeiseanlagen. Möglich wäre es also, gemeinsam an der regionalen Wertschöpfungskette zu arbeiten und dafür zu sorgen, dass die Erlöse aus der Windkraft, die ohnehin ausgebaut werden wird, zumindest in der Region bleiben. Auf rheinland-pfälzischer Seite wurde auch an die neu gegründeten Ahrtal-Werke aus Bad Neuenahr/Ahrweiler erinnert, einem neuen kommunalen Stromanbieter, der auf Atomstrom verzichtet und dessen Strom derzeit noch zu 100 Prozent aus Wasserkraft stammt.

Die Windkraft wurde unter den Genossen durchaus kontrovers diskutiert, einig war man sich am Ende der Sitzung jedoch, dass man sie auf keinen Fall von vornherein aus dem Investitionskatalog der „eegon“ ausklammern sollte, so dass man den Vorstand einmütig ermunterte, auch in dieser Richtung weiterzudenken und beispielsweise das Gespräch mit diversen Windkraftbetreibern zu suchen. Gleichzeitig soll eine Art Ethikkommission intensiv die Chancen und Risiken der Windkraft in der Eifel erarbeiten.

Eifeler Presse Agentur/epa

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