Keine Energieverschwendung an der „Tanke“

Der 23-jährige Fabian Schwarz aus Kall ist ausgebildeter „Europäischer Energieberater“ und berät mit einem ausgeklügelten Konzept Tankstellen in Sachen Energieeffizienz

Fabian Schwarz (links) präsentierte seinen ausführlichen Energieeinsparbericht Bernward Schmadalla, der nach den ersten Maßnahmen bereits jährlich 3000 Euro an Energiekosten einsparen könnte. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Kall – Energiesparen will heute jeder, aber wenn größere Firmen dies vorhaben, dann brauchen sie schon professionellen Beistand, denn die zum Teil erheblichen Investitionskosten für eine Energiesanierung sollen sich natürlich auch so schnell wie möglich wieder amortisieren. Einer, der auf diesem Sektor professionell berät, ist Fabian Schwarz. Der junge Mann ist erst 23 Jahre alt und darf sich bereits „Europäischer Energieberater IHK“ nennen. Seine Lehre hat er vor sieben Jahren bei der Energie Nordeifel (ene) als Elektroniker für Betriebstechnik begonnen, danach erfolgte eine Zusatzausbildung bei der Industrie- und Handelskammer in Aachen zum Energieprofi. Bei der „ene“ hat er jetzt ein ganz besonderes Aufgabenfeld, er berät nämlich Tankstellen in Sachen Energieeinsparung.

„Die Energiewende in Deutschland wird nicht nur durch den Ausbau regenerativer Energie zu leisten sein, sondern sie muss auch mit einem massiven Einsparen von Energie einhergehen“, ist sich Fabian Schwarz sicher. Dass Energieversorger die Energiesparbemühungen ihrer Kunden auch noch fördern, mag sich allerdings zunächst merkwürdig anhören. „Wir leisten dadurch aber einen Mehrwert, der zum einen der Kundenbindung dient, zum anderen unsere Kunden auch langfristig wettbewerbsfähig hält, was uns ja letztlich wieder zu Gute kommt“, erklärt Schwarz.

Mit seinem Tankstellen-Projekt läuft er in der Branche offene Türen ein. Erst kürzlich präsentierte er mit seinen Kollegen das „ene“-Angebot auf der großen Tankstellen-Messe in Münster in Westfalen, wo die Zunft begeistert war. „Wir schauen uns genau an, wie viel Wasser, Gas, Öl und Strom vor Ort verbraucht werden und erarbeiten dann einen genauen Plan, der aufzeigt, wo man welche Einsparung tätigen kann“, so Schwarz.

Bernward Schmadalla ist Geschäftsführer eines Kaller Baufachhandels, dem auch eine Tankstelle angeschlossen ist, und hat die Energieberatung der „ene“ jetzt in Anspruch genommen. „Es ist schon erstaunlich, wenn man seine Energieverbräuche einmal so detailliert aufgelistet sieht. Ich hätte beispielsweise nie gedacht, dass unser Abwasser die meisten Energiekosten verursacht“, zeigte er sich erstaunt beim Anblick der Analyse. Das Problem hier ist natürlich nicht die eigentliche Tankstelle, sondern die daran angeschlossenen SB-Waschboxen. 45 Prozent der jährlichen Kosten werden für Wasser und Abwasser ausgegeben. Allein das Abwasser schlägt mit 34 Prozent zu Buche. Die Beleuchtung an der Tankstelle macht 17 Prozent aus, und die elektrischen Maschinen fressen 18 Prozent des gesamten Energiebedarfs. Die meiste Energie wird hingegen zur Beheizung des Gebäudes und zur Erwärmung des Brauchwassers für die Waschanlage ausgegeben. „Zusammen werden hier Zweidrittel der jährlich eingesetzten Energie verbraucht. In diesem Bereich ist sicherlich das größte Energieeinsparpotenzial zu suchen“, so Schwarz. Ein besonderes Problem stellte der Blindstrom dar. Dabei handelt es sich um Strom, der zwischen dem Generator des Elektrizitätswerks und dem Verbraucher nur hin- und herpendelt und den Zähler belastet, von dem der Verbraucher jedoch keinen Nutzen hat. Diesen Blindstrom könnte Schwarz mit einer Kompensationsanlage komplett ausschalten, was sich nach einer Modernisierung der Beleuchtung aber ohnehin erledigen würde.

Denn an den Tanksäulen selbst ist geplant, auf eine LED-Beleuchtung umzustellen. LED-Lampen brennen bis zu 50 000 Stunden und verbrauchen bei gleicher Lichthelligkeit deutlich weniger Strom als normale Glühlampen. 2500 Euro bei der Beleuchtung und noch einmal 500 Euro beim Blindstrom könnte die Tankstelle dann bereits einsparen. In spätestens drei Jahren hätten sich diese Kosten amortisiert.

Nach und nach kam alles auf den Prüfstand: Hochdruckreiniger, Staubsauger, Zapfsäulen, Küchengeräte, Gefriertruhen, Außenreklame, Werkstattbeleuchtung usw. Für jeden Posten gab es eine Schulnote von eins bis sechs. „Mein Beruf macht mir großen Spaß“, sagt Fabian Schwarz, denn nach jedem Einsatz habe er das Gefühl, auch wieder etwas für die Umwelt getan zu haben. „Natürlich beraten wir nicht nur Tankstellen, die bereits in Betrieb sind“, sagt er. Vielmehr wende sich das Beratungsangebot auch an Tankstellen, die noch in der Planung seien. „Hier kann man bereits im Vorfeld viel tun und wegweisend handeln“, so Schwarz. Der 23-Jährige hat mittlerweile nicht nur Tankstellen im Blick. Das Energieeinsparungskonzept ist mittlerweile so ausgeklügelt, dass es sich auch auf andere Branchen übertragen lässt.

Bernward Schmadalla lobt besonders das Gesamtkonzept der Energieberatung. Ihm gefällt nicht nur, dass er auch ständig über Neuerungen auf dem Energiesektor informiert wird, sondern auch, dass sein Energieversorger ihn auf Fördermöglichkeiten bei bestimmten Projekten hinweist. „Das hat ja kein Mensch alles auf dem Schirm, was heute so möglich ist“, sagt er. Und dass auf jeden Fall Energie eingespart werden muss, ist für den Vater von drei Kindern mehr als selbstverständlich. „Es ist wichtig, dass man für dieses Thema sensibilisiert wird“, sagt er und wünscht sich, dass sein Energieversorger alle paar Jahre einen solchen Check durchführt. „Nicht nur in der Firma, auch zu Hause wäre das eine tolle Sache.“

Eifeler Presse Agentur/epa

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