Großer Erfolg für neue Klassik-Reihe

Maria Heister spielte im „Hotel Friedrichs“ – Programmhefte mussten noch rasch nachgedruckt werden – Pianistin spielte nicht nur, sondern erklärte auch die Besonderheiten der vorgestellten Kompositionen

Dr. Michael Winter überreichte der Pianistin Maria Heister nach dem Konzert einen Strauß Blumen und freute sich, dass das Konzert auf so großen Zuspruch gestoßen war. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Gemünd – Mit dem bekannten „Rondo D-Dur“ von Wolfgang Amadeus Mozart eröffnete Maria Heister am Samstagabend die neue Musikreihe „Spiel und Bedeutung – Klassische Klaviermusik im Hotel Friedrichs“, die der Inhaber des Hotels, Dr. Michael Winter, ins Leben gerufen hatte. Die Veranstaltung, die als „Testballon“ gedacht war, zog weitaus mehr Interessierte an als erwartet worden waren. Rasch mussten daher noch weitere Stühle aufgestellt und das Programmheft nachgedruckt werden, um dem Ansturm Herr zu werden. Bislang fanden im „Hotel Friedrichs“ vor allem Jazz- und Blueskonzerte sowie Autorenlesungen statt. Anders als bei einem gewöhnlichen Klavierkonzert, bei dem der Interpret so perfekt wie möglich ein paar Kompositionen spielt und nach dem Schlussbeifall rasch wieder in der Garderobe verschwunden ist, zeichnet sich ein Konzert von Maria Heister dadurch aus, dass dem Zuhörer erklärt wird, was eigentlich das Besondere an dieser oder jener Komposition ist. Dabei geht es keineswegs um einen musikwissenschaftlichen Diskurs, sondern im Gegenteil, durch das Anspielen von prägnanten Stellen der Komposition wird dem Zuhörer ein lebendiges Bild vom Innenleben des jeweiligen Stückes vermittelt.

Maria Heister spielte die klassichen Kompositionen nicht nur, sondern erklärte auch deren Bedeutung. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Denn Musik ist für die Dozentin, die an der Universität zu Köln unterrichtet und in Bad Münstereifel lebt, vor allem eine Sprache. „Kompositionen lassen sich lesen wie Texte, die je nach Betonung eine andere Bedeutung entwickeln“, sagt sie. Und damit diese Lesarten für jedermann nachvollziehbar werden, demonstrierte die vielfach ausgezeichnete Konzertpianistin an Passagen ihrer vorgetragenen Werke, wie man allein durch die Akzentuierung oder durch das Tempo eines gespielten Taktes eine ganz unterschiedliche Wirkung erzielt.

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Egal, ob es dabei um Mozart, Debussy, Schumann, Brahms oder Chopin geht, die Pianistin zeichnete sich durch große Versiertheit und Virtuosität aus, spielte aber dennoch niemals auf Sicherheit. „Viele haben Angst, beim Spielen einen Fehler zu machen. Doch darauf kommt es nicht an. Wenn Sie aufgeregt sind, hapert es auch schon mal mit der Grammatik, dennoch versteht Ihr Gegenüber, was sie sagen wollen“, berichtete sie im Vorfeld des Konzertes. So brachte sie denn auch ein kleiner „Verkehrsunfall“ während des Spiels nicht aus der Fasson, Hauptsache, das Stück erhielt auch die Dynamik, die es verdient. Denn wenn Schumann beispielsweise unter seine Komposition „In der Nacht“ geschrieben hat „Mit Leidenschaft“, dann hat er dies, so ist sich Maria Heister sicher, auch so gemeint.

Für ihre Darbietungen erhielt die Pianistin großen Applaus und wurde erst nach einer Zugabe von der Bühne gelassen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Wenn die Pianistin erzählt, dann darf auch schon mal gelacht werden, vor allem, wenn sie eine als lieblich angelegte Melodie mit Grabesernst vorspielt oder eine Stelle heiter intoniert, die doch die ganze Zerrissenheit des Künstlers ausdrücken will. So macht sie erlebbar, was Interpretation aus einem Stück machen kann. Der Zuhörer erhält auf diese Weise einen neuen Zugang zu den vermeintlich bekannten Werken, begreift sie als lebendige Kunstwerke, die ihre Lebendigkeit einzig und allein in der jeweiligen Interpretation durch den Künstler beziehen. Ganz nebenbei bricht Maria Heister damit eine Lanze für die Aufführungspraxis klassischer Werke und wendet sich gegen die reine Konservierung auf Tonträger, die ja immer nur einen Interpretationsaspekt des jeweiligen Kunstwerks festhalten können.

Für ihre Darbietungen erhielt die Künstlerin großen Applaus. Sie wurde erst nach einer Zugabe von der Bühne gelassen. Anders als bei „gewöhnlichen“ Klassik-Konzerten hatten die Zuhörer im Anschluss noch die Gelegenheit, mit Maria Heister bei einem Schoppen Wein über klassische Musik zu plaudern. Dr. Michael Winter war erfreut über den großen Zuspruch, den die Auftaktveranstaltung gefunden hatte. Er kündigte an, dass die Reihe auf jeden Fall fortgesetzt wird und hat auch schon einen neuen Termin festgelegt. Die nächste Veranstaltung in der Reihe „Spiel und Bedeutung“ findet statt am Samstag, 29. Oktober, 19 Uhr, im „Hotel Friedrichs“. Anmelden kann man sich ab sofort unter 02444/950 950 oder per E-Mail unter mail@hotel-friedrichs.de.

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Eifeler Presse Agentur/epa

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