Hilfe für das Heidemoor

Energie Nordeifel („ene“) übernimmt Patenschaft für das Naturschutzgebiet bei Rinnen – Auf einer Fläche von 1,5 Hektar wachsen die seltene Moorlilie, Preiselbeeren und Geflecktes Knabenkraut

Prof. Dr. Wolfgang Schumacher (v.r.) stellte Bürgermeister Radermacher, Kerstin Zimmermann, Dieter Hinze und Dieter Pasch die 250 Jahre alte Schwarzkiefer im Heidemoor bei Rinnen vor. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Kall – Ihre Blüten sind klein, gelb und giftig, in Deutschland steht sie unter strengem Artenschutz, sie verströmt einen nelkenartigen Geruch und wurde von der Loki-Schmidt-Stiftung zur Blume des Jahres 2011 gekürt: Die Moorlilie, auch Beinbrech genannt, (Narthecium ossifragum), bevorzugt Hoch- und Heidemoore und ist nur noch auf wenigen Standflächen in Deutschland zu finden. Eine dieser Flächen ist das Heidemoor bei Rinnen mit seinen feuchten bis nassen, nährstoffarmen, sauren und torfigen Böden, die die Pflanze besonders schätzt. Der bekannte Eifeler Geobotaniker Prof. Dr. Wolfgang Schumacher, der im letzten Jahr an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn emeritiert wurde, kennt die Stellen an denen die Moorlilie wächst schon seit 1970. Und seit dieser Zeit auch setzt er sich dafür ein, dass der besondere Lebensraum dieser Blume erhalten bleibt.

Die Preiselbeere ist selten geworden in der Eifel. Ihr Vorkommen im Rinnener Naturschutzgebiet soll auch weiterhin geschützt werden. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Das Gebiet auf dem das seltene Gewächs zu Hause ist – das übrigens trotz seines Namens gar nicht zu den Lilien-, sondern zu den Germergewächsen zählt – gehört der Gemeinde Kall. Noch vor drei Jahren zog sich eine Hochspannungsleitung über die gut 1,5 Hektar große Fläche. Die Leitung wurde mittlerweile vom regionalen Energieversorger Energie Nordeifel („ene“) entfernt. „Dabei gab es den ein oder anderen Schaden, den das Energieversorgungsunternehmen aber sogleich beheben ließ“, berichtete Prof. Schumacher anlässlich der Vorstellung des Moorgebiets.

Langbeinige Schönheit aus dem Moor: Die Moorlilie steht unter strengem Artenschutz. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Aus der Zusammenarbeit zwischen der „ene“ und den Naturschützern hat sich mittlerweile eine Patenschaft entwickelt, die jetzt vor Ort mit dem Geschäftsführer der „ene“, Dieter Hinze, Pressesprecherin Kerstin Zimmermann, sowie mit dem Geschäftsführer der Biologischen Station im Kreis Euskirchen, Dieter Pasch, und dem Bürgermeister der Gemeinde Kall, Herbert Radermacher, während eines Spaziergangs durch das Heidemoor auch offiziell besiegelt wurde. Fortan stellt der Eifeler Energieversorger einen finanziellen Beitrag für die Fläche bei Rinnen zur Verfügung, mit dem die Biostation Euskirchen dann im Rahmen des Vertragsnaturschutzes das Heidemoor freischneiden lässt und es so vor Verbuschung und Verschattung rettet.

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„Auch die Gemeinde Kall hat sich schon seit jeher als guter Naturschutz-Partner erwiesen“, berichtete Schumacher. Bereits 1985 habe man zahlreiche Kiefern fällen lassen, die damals den Bestand des Moorgebiets bedrohten. Bürgermeister Herbert Radermacher versicherte, dass Rat und Verwaltung sich auch weiterhin für den Erhalt des Moores stark machen würden.

Das Heidemoor bietet auch dem Wollgras Heimat. Das Bild zeigt die Pflanze im Fruchtzustand. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Wir denken, dass unser Engagement in Sachen Naturschutz auch von unseren Kunden gewollt ist“, sagte Dieter Hinze. Eben weil man durch den Bau von Stromtrassen auch Natur zerstören müsse, sei es im Gegenzug nur richtig, dass man sich für den Erhalt von wertvoller Landschaft einsetze. Zudem will die Energie Nordeifel bis 2030 die Eifelregion mit reinem Ökostrom versorgen. Natur- und Umweltschutz sind somit im Unternehmensleitbild der „ene“ ebenso wie die regionale Wertschöpfung fest verankert.

„Ich freue mich vor allem, dass Ihr Energieunternehmen mehr tut, als es eigentlich tun müsste“, sagte Schumacher und wünschte sich, dass auch andere Unternehmen sich als Paten für die Landschaftspflege zur Verfügung stellen.

In der Tat hat das kleine Naturschutzgebiet bei Rinnen so allerhand zu bieten. Hier wächst nicht nur eine mindestens 250 Jahre alte Schwarzkiefer mit weit ausgreifenden Ästen, die an die Arme eines Kandelabers erinnern, hier gibt es auch eine der ganz wenigen Vorkommen von Preiselbeeren in der Eifel. „Neben dem Olefer Kirchwald, im Moorgebiet bei Dahlem und im Venn-Randgebiet ist dies die einzige Stelle, die ich kenne“, so Prof. Schumacher. Das Gebiet, auf dem die Preiselbeere wuchert, soll durch Ziegenbeweidung freigehalten werden, die mit den zum Teil darauf wachsenden harten Sträuchern besser zurechtkommen als Schafe.

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Mit der Biologischen Station, an deren Aufbau Prof. Schumacher als früherer Vorsitzender des Landschaftsbeirates ebenso maßgeblich beteiligt war wie an der Idee des Vertragsnaturschutzes, arbeiten gleich mehrere Landwirte zusammen, um das Gebiet als Naturschutzfläche zu erhalten. Dadurch, dass die Naturschutzarbeit in den landwirtschaftlichen Betrieb mit integriert werde, ergebe sich für viele Landwirte ein zusätzliches und sehr willkommenes zweites Betriebseinkommen, so Dieter Pasch.

Im Heidemoor wachsen seltene Gräser, man findet Orchideen wie das Gefleckte Knabenkraut, auch ein „bisschen Arnika“ hat Schumacher hier schon gesichtet sowie Glockenheide, Borstgras, Waldhyazinthe, Wollgras und eine besondere Art der Moorbeere, die verwandt ist mit der an der holländischen Küste vorkommenden Kranbeere.

Abschließend lud Professor Schumacher die Akteure noch zu einem kleinen Spaziergang in die nahe Sistiger/Krekeler Heide ein, damit sie ihr „blaues Wunder“ erleben konnten. Dort blüht nämlich zurzeit der Lungenenzian.

Eifeler Presse Agentur/epa

Ein Gedanke zu „Hilfe für das Heidemoor“

  1. Toll, das ist endlich mal ein guter Eintrag, mein Dank. Muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Generell finde ich diesen Blog leicht zugaenglich.

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