„Hinter jeder Eiche eine Leiche“

Krimilesung von Jacques Berndorf mit Drei-Gänge-Menü im „Hotel Friedrichs“ begeisterte Zuhörer  

Jacques Berndorf (l.) begeisterte die Zuhörer im „Hotel Friedrichs“ mit seiner Lesung aus „Die Eifel-Connection“. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Gemünd – „Ich verstecke ja in der Eifel hinter jeder dicken Eiche eine Leiche“, bekannte der Eifelkrimiautor Jacques Berndorf am Donnerstagabend im voll besetzten Bistro des Gemünder „Hotel Friedrichs. Berndorf schlug mit seiner rauchigen Stimme die etwa 60 Gäste des Krimidinners mit seinem neusten Werk „Die Eifel-Connection“ in den Bann.

 

Zwischendurch erzählte Jacques Berndorf von seinem Leben als Kriegsberichterstatter. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Mit chirurgenhaften Blick fürs Detail sezierte er die Machenschaften reicher Geschäftsleute in der Eifel, ließ die Zuhörer sinnlich teilhaben an den absonderlichen Gerüchen eines Sessels oder schilderte vergebliche Versuche, einen Aids-Kranken ins Krankenhaus zu bringen.

Aber nicht nur den Protagonisten seiner Eifelkrimis, den Journalisten Siggi Baumeister, der als Ich-Erzähler durch die spannenden Geschichten führt, ließ Berndorf zu Wort kommen. Auch Michael Preute, wie Berndorf mit bürgerlichem Namen heißt, zeigte sich selbst ebenso ungeschönt wie sympathisch im „Hotel Friedrichs“: „Ich war mein Leben lang Berichterstatter  in Kriegs- und Krisengebieten. Irgendwann war ich bei zwei Flaschen Whiskey am Tag.“ Den „Suff“ hat Michael Preute schon lange aufgegeben, nicht aber seinen journalistischen Ehrgeiz für Genauigkeit bei der Recherche.

Zahlreiche Zuhörer baten den bekannten Krimiautor, seine Werke zu signieren. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Denn auf eine Zuschauerfrage berichtete er, dass er die Bücher zwar in acht Wochen runterschreiben könne. „Aber ich brauche sechs Monate für die Recherche. Ich fahre an keiner Kreuzung, die in meinen Bücher vorkommt, vorbei, ohne ein Foto davon zu machen – damit später alles stimmt.“ Auch mit der Polizei, besonders mit einem Leiter der Sonderkommissionen für Mord, habe er engen Kontakt. Berndorf: „Denn ich will euch den Tatort so präsentieren, wie er wirklich ist. Außerdem kriege ich sonst von dem Leiter der Mordkommission einen auf den Deckel, wenn ich Mist geschrieben habe“, sagte er schelmisch schmunzelnd.

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Dr. Michael Winter (v.l.), Inhaber des "Hotel Friedrich", und Jacques Berndorf. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Zwischen den Lesungen bekamen die Gäste im mit blutroten Rosen und schummrigen Kerzenlicht arrangierten Saal ein Drei-Gänge-Krimimenü aufgetischt. In den Lesepausen unterhielt sich der Krimiautor mit dem Publikum oder griff zur Feder: Denn viele Zuhörer hatten den Büchertisch der Gemünder Buchhandlung Wachtel geplündert und ließen sich die ergatterten Berndorf- KBV-Krimis signieren.

Jacques Berndorf vom dem Krimi-Regal in der Whisky-Lounge: Das Regal mit Büchern bekannter Eifel-Krimi-Autoren bekam das Hotel als Standort der "Criminale 2010 Nordeifel" geschenkt. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Dann ließ der 1936 geborene Autor wieder seinen Protagonisten Siggi Baumeister zu Wort kommen, der „seit 1989 immer noch 48 Jahre alt ist“, und berichtete von einem besonderen Raub: „Denn der Vulkaneifel werden die Berge geklaut“. Für Lava und Basalt tragen die Baufahrzeuge jahrmillionenalte Teile der Landschaft ab. „Das sieht man von den Bundesstraßen aus nicht, aber was man sieht, wenn man da von hinten ranfährt, ist eine Sauerei“, so Berndorf.

Er erklärte dem Publikum, dass das wirklich so in seiner Heimat Vulkaneifel sei: „Dabei kriegen die Gemeinden nur zwischen sechzig und bei besonders hoher Qualität 100 Cent pro abgebauter Tonne Boden. Die Berge aber wachsen nicht nach, die sind für immer weg.“

Über dreieinhalb Stunden genossen die Gäste die eindringlichen Lesungen im Wechsel mit kulinarischen Genüssen.

Auch Jacques Berndorf hatte deutlich Geschmack an der Veranstaltung gefunden, wie er nicht nur durch eine zusätzliche Leserunde bewies, sondern auch mit einem Lob an den Inhaber des Hotels, Dr. Michael Winter: „Dem müssen wir auch Dank sagen, der hat gut gekocht heute Abend.“ Was die Gäste durch lautstarken Beifall bestätigten.

Eifeler Presse Agentur/epa

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