Konzert für Kaffeemaschine, Häcksler und zwei Regionalbahnen

Neue Musik: Komponist Rochus Aust lädt zu einer Uraufführung mit dem „1. Deutschen Stromorchester“ in den Schevener „Licht- und Klangbahnhof“ ein

Rochuzs Aust
Der Licht- und Klangkünstler Rochus Aust präsentiert im Schevener Bahnhof gemeinsam mit dem "1. Deutschen Stromorchester" sein neuestes Werk. Bild: Guido Schiefer

Kall-Scheven – Eine Uraufführung der besonderen Art kann man am Freitagabend, 26. August, 21 Uhr, in Europas erstem „Licht- und Klangbahnhof“ in Kall-Scheven, Schmiedegasse 35, erleben. Der Künstler Rochus Aust, der den Bahnhof 2009 gekauft hat, präsentiert dann die „Sinfonie mit der Sinfonie-mit-dem-Paukenschlag“. Aufgeführt wird diese vom 1. Deutschen Stromorchester. Auch zwei Solisten sind mit von der Partie: die Regionalbahn 11443 und die 11448.

Der Komponist Rochus Aust selbst spielt bei diesem ungewöhnlichen Konzert die Instrumente Bohrer, Säge und Laubsauger. Fosco Perinti ist am Wasserkocher, an der Kaffeemaschine und am Toaster zu vernehmen. Florian Zwissler zeigt sich als Virtuoser an Plattenspieler, Radio und Häcksler. Für die eher kräftigen Zwischentöne ist Heinz Friedl an Staubsauger, Schleifer und Mixer verantwortlich. Markus Aust schließlich lässt eine Mahlmaschine und mehrere Föne erklingen und kümmert sich um Elektrik und Klangregie. Gefördert wird das Projekt von der Kunststiftung NRW.

Das Stromorchester, so Rochus Aust, ist die konsequente Weiterentwicklung des klassischen Sinfonie-Orchesters auf elektronischer Basis. „Wie vielfältig dabei die sonst als monoton oder gar störend angesehenen Geräte klingen können, beweist das 1. Deutsche Stromorchester eindrucksvoll: Von heftigen Klangmassiven im Tutti bis hin zu filigranen Miniaturen der Solo-Passagen reicht das Spektrum des ungewöhnlichen Klangkörpers“, heißt es auf der Website des Künstlers. Dass das höchst professionelle und ernsthafte Musizieren auf Dosenöffnern und Wasserkochern dabei auch witzig und unterhaltsam sein kann, bezeichnet Aust als „Selbstverständlichkeit“.

Jubilierendes Qietschen

Lassen Sie sich also überraschen vom leisen Vibrato des Ventilators, vom munter gurgelnden Wasserkocher, einer schneidigen Stichsäge, dem pulsierenden Rhythmusfeld einer Kaffeemaschine, von einem mit viel Luft geblasenen Fön-Solo oder dem jubilierenden Chorus-Quietschen einer einfahrenden Regionalbahn.

Mit Joseph Haydn, dem eigentlichen Komponisten der „Sinfonie mit dem Paukenschlag“, will Aust nicht nur einen Meister dieses Genres ehren, sondern vor allem einen Komponisten, dem „Neues noch bis ins hohe Alter ein wichtiger Motor“ gewesen sei. „Und dieser Motor – da ist sich das Elektro-Ensemble einig – wäre bestimmt elektrifiziert gewesen, wäre Haydn nur etwas später geboren worden.

Wer einen flotten Haydn-Remix erwartet, wird allerdings enttäuscht. Denn im Zentrum der Uraufführung steht das Überraschungsmoment in Klang und Besetzung. Aust: „Selbstverständlich werden auch Strukturen und Zitate verarbeitet, weitergedacht und in die neue Art des Musizierens eingebettet. Viel wichtiger aber als die konkrete Komposition Haydns ist der Transfer seiner geistigen Haltung, Neues zu schaffen, spannend zu bleiben und dabei brillant Spaß zu vermitteln und zu haben.“

Rochus Aust stammt aus Recklinghausen, studierte an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen und am Royal College of Music in London. Er hat als Trompeter, Komponist und Bildender Künstler bereits  internationale Wettbewerbe gewonnen.

Eifeler Presse Agentur/epa

Kommentar verfassen