Blick über die Landesgrenze: So baut man im rheinlandpfälzischen Arzfeld einen Solarpark

Nachrichtenvideo dazu hier klicken – Während Politiker und Verwaltung noch verhandelten, errichtete die Euskirchener Firma „F&S solar concept“ bereits auf eigene Kappe den gewünschten Solarpark – Kommune und Kirchengemeinde sind die Nutznießer des grünen Stroms, der 420 Haushalte versorgt

Uwe Czypiorski, Jörg Frühauf und Hildegard Schwarz (2.,3. u. 4.v.l) von der Firma „F&S solar concept“ freuten sich mit Honoratioren der VG Arzfeld, allen voran Andreas Kruppert (4.v.r), über die Auszeichnung zur „Energiekommune“. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Arzfeld (Rheinland-Pfalz) – Wenn man den Solarpark Arzfeld aus der Luft betrachtet, dann könnte man denken, die Planer hätten bei der Errichtung der Solarmodule nach Feng Shui gearbeitet und inmitten des Parks dem Glücksdrachen eine Landebahn freigehalten. Die Wahrheit ist aber banaler und entpuppt sich weit mehr als ein Sinnbild des derzeitigen gesellschaftlichen Zustands nach dem verkündeten Atomausstieg.

Denn während Bürger und Wirtschaft willens sind, die Energiewende so rasch wie möglich zu realisieren, reagieren Politik und Verwaltung noch immer träge und schleppend. Da es sich nämlich beim Solarparkgelände um eine Gewerbefläche handelte, ist im Bebauungsplan eine Erschließungsstraße vorgesehen. Diese durfte folglich nicht von Solarmodulen überbaut werden. Eine Änderung des Bebauungsplans hätte viel Geld gekostet und überdies sehr lange gedauert, solange aber wollte und konnte niemand warten.

Hildegard Schwarz und Jörg Frühauf überreichten dem Handarbeitskreis der katholischen Pfarrgemeinde Arzfeld einen Scheck in Höhe von 1000 Euro für die Kinderkrebshilfe. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

In der Verbandsgemeinde Arzfeld (VG) geht man nämlich einen Weg, der deutschlandweit Vorbildcharakter hat. Die VG mit ihren 43 Ortsgemeinden erzeugt heute bereits dreimal so viel an erneuerbaren Energien wie vor Ort überhaupt gebraucht werden. Stolz konnte der VG-Bürgermeister Andreas Kruppert anlässlich der Einweihung des neuen Solarparks denn auch eine Urkunde der Agentur für Erneuerbare Energien präsentieren, mit der seine VG als „Energiekommune im Oktober 2011“ ausgezeichnet wurde und in der ihre Arbeit als beispielhaft für andere Kommunen in Deutschland gelobt wird.

Dabei gestaltete sich die Finanzierung des Solarparks Arzfeld zunächst recht schwierig. „Ein Stiftungsmodell, um die rund drei Millionen Euro aufzubringen, schied aus, weil die Kommunalaufsicht Bedenken gegen die Bürgschaft der Gemeinde äußerte“, berichtete Alfons Kockelmann, Ortsbürgermeister von Arzfeld. Vor mehr als einem halben Jahr gründete sich aber in der VG Arzfeld die „Islek Energie Anstalt öffentlichen Rechts“ (AöR). Über die AöR wurden zunächst einige kleinere Solaranlagen vorwiegend auf kommunalen Dächern realisiert. Die AöR schien geeignet, sich auch des Arzfelder Großprojekts anzunehmen. Im Mai 2011 wurde die Gemeinde daher Mitglied bei Islek Energie. Doch die Verhandlungen zogen sich hin, und im Gemeinderat kamen bezüglich des Solarparks die ersten Zweifel auf.

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Der Technische Geschäftsführer von F&S, Uwe Czypiorski (3.v.l), erklärte Interessierten, wie der Solarpark funktioniert. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Doch dann kamen Sie im Juni zu uns“, sagte Kockelmann zu Jörg Frühauf, der neben Georg Schmiedel als Geschäftsführer bei „F&S solar concept“ verantwortlich zeichnet. „Sie müssen so gut gewesen sein, dass Sie alle überzeugt haben.“ Andreas Kruppert pflichtete Kockelmann bei: „Wir hatten damals das Gefühl, einen Partner gefunden zu haben, mit dem man vertrauensvoll zusammenarbeiten kann.“ Der VG-Bürgermeister bedankte sich in seiner Ansprache ausdrücklich bei „F&S“ und sagte: „Sie haben ein tolles Team und sehr gute Mitarbeiter!“ Grund für diese Begeisterung war, dass Frühauf damals im Rat vorgeschlagen hatte, die Anlage einfach schon mal in Angriff zu nehmen, am 2. August mit den Bauarbeiten zu beginnen und den Solarpark so noch vor dem 1. Oktober ans Netz gehen zu lassen. Denn damals galt noch als sicher, dass bis zu diesem Termin die Einspeisevergütung abgesenkt werden würde. Frühauf und Schmiedel vertrauten darauf, dass die Arzfelder schon noch ein Finanzierungsmodell auf die Beine stellen würden. Und so war es auch, die AöR kaufte den fertigen Solarpark, nachdem dieser gerade einmal vier Tage am Netz war. Den  notwendigen Kredit liefert die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Einnahmen aus dem Solarpark kommen einzig und allein der Ortsgemeinde Arzfeld zugute. Über einen Zeitraum von 20 Jahren sollen nach den Berechnungen rund 800 000 Euro für die Kommune herausspringen.

Solaranlage wurde gesegnet

Zahlreiche Besucher wandten sich direkt an den F&S-Geschäftsführer Jörg Frühauf (rechts), um sich noch vor Ort über Photovoltaik zu informieren. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Doch nicht nur die Kommune, auch die Kirchengemeinde von Arzfeld profitiert vom Solarpark. Denn das rund vier Hektar große Gelände am Ortsrand gehört der Pfarre, und so bekommt diese folglich auch die Pachtgelder. „So bleibt auch dieses Geld in der Gemeinde“, freute sich Kockelmann. Allerdings nicht wegen des Geldes, sondern weil der Solarpark helfe, die Schöpfung zu bewahren, spendete Pfarrer Peter Maus der Anlage am Freitag seinen Segen. Fünf Damen der Handarbeitsgruppe der katholischen Frauengemeinschaft hatten es sich darüber hinaus nicht nehmen lassen, für die Gäste ein großes Büffet zu zaubern. Das gefiel den Mitarbeitern von „F&S“ wiederum so gut, dass Jörg Frühauf und Chefsekretärin Hildegard Schwarz den Damen noch vor Ort einen 1000-Euro-Scheck überreichten. Das Geld wird für die Kinderkrebshilfe eingesetzt, die von der Handarbeitsgruppe seit Jahren unterstützt wird.

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Arzfelds Verbandsbürgermeister Andreas Kruppert lobte die hervorragende Zusammenarbeit mit der Firma "F&S solar concept" aus Euskirchen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Zahlreiche Besucher aus Rat und Verwaltung, aber auch viele Bürger kamen bei herrlichstem Sonnenschein zur Solarpark-Einweihung nach Arzfeld. Sie wurden von den F&S-Fachleuten über das Gelände geführt und bekamen erläutert, wie eine Solaranlage funktioniert. Der Technische Geschäftsführer, Uwe Czypiorski, berichtete, dass „F&S“ bereits 3500 Einzelprojekte und 20 Großprojekte, darunter die drei größten Freilandanlagen in NRW, realisiert habe. Der Solarpark in Arzfeld leiste 1423 Kilowattpeak und könne somit 420 Haushalte mit grünem Strom versorgen. Er bestehe aus 6268 Modulen, die auf 538 Tischen zu je elf Modulen aufgebaut worden seien. Verbaut wurden 12.536 Meter Profilschienen, 3900 Sparren, ebenso viele Pfosten und 57.600 Schrauben. Dazu kämen noch mal 47.500 Meter Kabel, zwei CP-Stationen, ein Trafostation, eine Netzübergangsstation, neun Generatoranschlüsse und rund 800 Meter Zaun. „Insgesamt stecken also gut 326.529 Kilogramm Material in diesem Park, die auch nach Ablauf der Lebensdauer der Module durchaus noch einen hohen Wert haben dürften“, so Czypiorski.

Der Technische Geschäftsführer, Uwe Czypiorski, erklärte den Besuchern die Funktionsweise eines Sonnenkraftwerks. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Zur grundsätzlichen Stabilität der Solarmodule konnte Dr. Bernhard Alscher, Verbandsbürgermeister aus Birkenfeld, eigene Erfahrungen beisteuern. Gemeinsam mit „F&S“ hatte er im Sommer dieses Jahres Photovoltaikanlagen auf sämtliche kommunale Dächer installieren lassen. „Im August hatten wir in unserer Verbandsgemeinde einen fürchterlichen Hagelsturm, der verheerend war und zahlreiche Autos demoliert hat, aber unseren Photovoltaikmodulen hat das alles rein gar nichts ausgemacht“, berichtete er.

F&S-Geschäftsführer Jörg Frühauf hielt ein flammendes Plädoyer für die Photovoltaik. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Jörg Frühauf erklärte den Gästen, dass „F&S“ von der Fertigung der Module bis zu ihrem Aufbau nichts dem Zufall überlasse. Jeder einzelne Schritt werde vorher genauestens berechnet, man arbeite sogar mit Nivelliergeräten und achte peinlichst darauf, dass die Module exakt in einem 25 Gradwinkel ausgerichtet seien. „Wir schöpfen hier aus einer langen Erfahrung“, sagte er und fügte hinzu: „Wir sind heute diejenigen, die diese Technik anderen beibringen.“

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Wie perfekt der Solarpark funktioniert, konnten die Besucher noch vor Ort erleben, als es plötzlich eine Fehlermeldung im System gab. In einem der Module war eine Abschattung aufgetreten. Der Grund war aber schnell gefunden: Zwei der begeisterten Besucher standen im Gespräch vertieft so dicht vor den Modulen, dass sie lange Schatten auf dieselben warfen.

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Eifeler Presse Agentur/epa

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