„Kall hat noch große wirtschaftliche Potenziale“

Alfred Schmidt ist seit einem Jahr Erster Beigeordneter der Gemeinde Kall. Er möchte gemeinsam mit Bürgermeister Herbert Radermacher vor allem die regionale Energiewende vorantreiben sowie die Nahversorgung der Höhengebiete.

Seit einem Jahr im Amt der Ersten Beigeordneten: Alfred Schmidt sieht in der Energiewende eine große Chance für die Gemeinde Kall. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Seit einem Jahr im Amt des Ersten Beigeordneten: Alfred Schmidt sieht in der Energiewende eine große Chance für die Gemeinde Kall. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Kall – Vor einem Jahr wurde Alfred Schmidt einstimmig ins Amt des Ersten Beigeordneten der Gemeinde Kall gewählt. Seinen Entschluss, in der Eifel einen beruflichen Neustart zu wagen, hat er noch nicht bereut. „Es war die richtige Entscheidung“, sagt er, denn in Kall könne er anders als in der Gemeinde Anröchte seine langjährige Fort- und Weiterbildung endlich auch an den Mann bringen. Die neue Position und die Rahmenbedingungen machten da einiges möglich. Als Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters und in seiner Zuständigkeit für zwei von drei Fachbereichen wartet jeden Tag eine große Vielfalt von Aufgaben auf ihn. „Das macht das Arbeitsumfeld sehr interessant“, so Schmidt. „Zum einen bin ich als Fachbereichsleiter zusammen mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für alles zuständig, was mit den Themen Bauen, Bauplanung, Wohnen, Liegenschaften, Wirtschaftsförderung und Tourismus zu tun hat. Zum anderen kümmere ich mich um die Bereiche Soziales, Jugend, Sicherheit und Ordnung und auch um die Feuerwehr.“ Als Beigeordneter nutze er darüber hinaus die Chance, beim Auffinden der bestmöglichen Entscheidung behilflich zu sein, indem er vor allem Strukturen darstelle und Probleme so transparent mache, dass aufgrund einer klaren Sachlage solide Entscheidungen getroffen werden können.

Auch wenn Schmidt Westfale ist, so kommt er mit seinen Eifeler Kollegen doch gut klar. Auch mit den Politikern, egal welcher politischen Zugehörigkeit, gibt es keine Schwierigkeiten. Nur um Karneval falle seine Herkunft auf. „Da kann ich den Kaller Frohnaturen noch lange nicht das Wasser reichen“, scherzt er. Besonders viel Spaß aber mache ihm die gemeinsame Arbeit mit dem Bürgermeister. „Vor allem seine Prinzipien und seine besonnene Art, auch emotionale politische Debatten immer wieder auf eine sachliche Ebene zurückzuholen, wirken sich positiv auf viele Entscheidungen aus“, verrät Schmidt.

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Als Wirtschaftsförderer ist ihm besonders wichtig, nicht nur nach und nach viele Unternehmer der Gemeinde kennenzulernen, sondern diesen auch untereinander zu einer guten Kommunikation zu verhelfen. Hier will er in Kürze ein Unternehmer-Netzwerk schaffen, welches vor allem dem einzelnen Firmeninhaber einen Vorteil bringen soll.

Wirtschaftlich gesehen könne die Gemeinde im Kernort dank der hervorragenden Infrastruktur und der guten verkehrlichen Anbindung einiges bieten. „Die Gespräche, die wir aktuell mit externen Investoren führen, sind verheißungsvoll“, berichtet er. Eine weitere Aufgabe für die nächste Zeit werde es sein, gemeinsam mit der Stadt Schleiden das interkommunale Gewerbegebiet an der Wallenthaler Höhe zu entwickeln. Hier böten sich bei der Vermarktung der Flächen sehr viele Chancen, wenn man ganzheitlich an die Sache herangehe.

Dorfentwicklung vorantreiben

In Sachen Wohnbebauung sieht Schmidt für die Zukunft trotz des demografischen Wandels gute Chancen für hochwertige Neubauten. Schmidt: „Flächen für diese Ansprüche sind bereits entwickelt und werden zurzeit vermarktet.“ Vorangetrieben werden müsse allerdings auch die Dorfentwicklung, damit die Nahversorgung in den Höhendörfern gesichert bleibe. Auch hier gelte es, zukunftsfähige Konzepte zusammen mit allen Beteiligten, insbesondere den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern zu entwickeln. Besonders wichtig sei es, sich jetzt schon dem demografischen Wandel zu stellen. Schmidt: „Ein Teilaspekt ist dabei eine gute Abstimmung zwischen dem Bau von Seniorenwohnungen und der mobilitätssichernden Umfeldgestaltung. Wir müssen dabei auch im Alltag genau hinschauen. Manchmal reicht es ja schon aus, ein paar Ruhebänke aufzustellen, um den älteren Mitbürgern zu ermöglichen, noch alleine einzukaufen.“ Weiterhin müsse alles daran gesetzt werden, den Bestand an Ärzten zu halten oder besser noch aufzustocken. Das neue Ortszentrum Kall sei auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung, selbst wenn einige ansässige Unternehmen vielleicht  ihren Standort ins neue Ortszentrum verlagern sollten. So entstünde in den dann frei gewordenen Geschäftsräumen doch auch wieder Platz für Neues.

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Alfred Schmidt (v.l.), Erster Bigeordneter der Gemeinde Kall, Tobias Feld, Energieberater Kalls, sowie Michael Petereit und Heike Alfeis nahmen die Solaranlage auf der Schule in Sistig gemeinsam in Betrieb. Bild: Tameer Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Alfred Schmidt (v.l.), Erster Bigeordneter der Gemeinde Kall, Tobias Feld, Energieberater Kalls, sowie Michael Petereit und Heike Alfeis nahmen die Solaranlage auf der Schule in Sistig gemeinsam in Betrieb. Bild: Tameer Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Besonders am Herzen liegt Schmidt das Thema „Erneuerbare Energien“. „Wir haben hier glücklicherweise in der Verwaltung einen eigenen Energieberater, der zum einen das energetische Einsparpotenzial der kommunalen Liegenschaften ermittelt, der aber sein Wissen auch kostenlos an die Bürgerinnen und Bürger weitergibt.“ Darüber hinaus verfüge die Gemeinde Kall über ein  „Energieteam“, das allein auf bürgerschaftlichem Engagement fuße. Hier gebe es auch bereits konkrete Projekte. So zum  Beispiel die energetische Sanierung des Hallenbads. Möglich wäre es dort, eine Hackschnitzelanlage zu betreiben, die gleichzeitig das nahe Feuerwehrgerätehaus mit versorgt. „Ich glaube, dass solche Verbundlösungen immer wichtiger werden, weil sich solche Projekte nur so auf Dauer rechnen“, so der Erste Beigeordnete.

Energiewende als Chance

Darüber hinaus bedeute die Energiewende eine große Chance für die Kommune. Zum einen lasse sich durch die Bürgerbeteiligung an verschiedenen Projekten, wie beispielsweise einem Bürger-Windpark, die regionale Wertschöpfung deutlich steigern, zum anderen habe man mit der Energie Nordeifel einen kompetenten Partner direkt vor der Haustür, mit dem man gemeinsam an einer lokalen Lösung der Energieprobleme arbeiten könne. „Die Arbeit mit den Leuten hier vor Ort bringt enorme Vorteile. Wir haben kurze Kommunikationswege zu unserem Energieversorger, stehen in permanentem Kontakt mit ihm und sichern natürlich so auch die Arbeitsplätze vor Ort und sorgen für Ausbildungsplätze, denn es sind ja fast ausschließlich Eifeler, die bei der „ene“ bzw. bei der KEV arbeiten. Da wäre es von uns doch sehr dumm, lieber auf einen großen überregionalen Versorger zu setzen“, so Schmidt.

Doch nicht nur beruflich, auch menschlich ist Alfred Schmidt nach einem Jahr in der Eifel angekommen. Wenn er Zeit und Lust hat, macht er sich gern auf den Weg durch die Natur. „Ich liebe vor allem die Stellen, wo man weit ins Land hineinschauen kann. So beispielsweise oben vom Bereich der Keldenicher Kirche aus in Richtung Euskirchener Land, schön ist auch der Blick über die hügelige Landschaft in Richtung Kloster Steinfeld“, sagt Schmidt und verrät, dass es immer wahrscheinlicher werde, dass er schon bald mit der ganzen Familie dauerhaft nach Kall ziehe. Dazu müssten allerdings erst noch ein paar Modalitäten geklärt werden.

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