KEV investiert 1,1 Millionen Euro in den Vogelschutz

Eulenschützer Stefan Brücher und Mitarbeiter der KEV trafen sich im Rinnener Steinbruch – WDR filmte Vogelschutzmaßnahmen an einem Strommast

In einer aufwändigen Aktion hat die KEV jetzt die Vogelschutzsicherungen an einem Strommast in Rinnen auf den neusten Stand gebracht. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
In einer aufwändigen Aktion hat die KEV jetzt die Vogelschutz-sicherungen an einem Strommast in Rinnen auf den neusten Stand gebracht. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Kall – Neu ist das Thema Vogelschutz für die Kreis-Energie-Versorgung Schleiden GmbH (KEV) keineswegs. Lange bevor das Bundesnaturschutzgesetz aus dem Jahre 2002 im Paragrafen 53 den Vogelschutz reglementiert hat, machte der regionale Energieversorger bereits seit Ende der 1970er Jahre auf eigene Faust Strommasten für Großvögel sicherer. Bereits im Jahre 1979 sind die ersten Vogelschutzhauben im Versorgungsgebiet montiert worden. Vor dem Bundesnaturschutzgesetz regelte dann eine Bestimmung vom Verband Deutscher Elektrotechniker (VDE) seit 1985 den Vogelschutz beim Bau von Freileitungen über 1000 Volt. „Bei Freileitungssanierungen wurden Masten, die für die Vögel gefährlich waren, mit »Vogelschutztechnik« ausgestattet“, berichtete KEV-Geschäftsführer Helmut Klaßen jetzt im Rinnener Steinbruch. Dort hatten er und sein Kollege Rainer Karls sich mit Eulenschützer Stefan Brücher, dem Vorsitzenden der „Europäischen Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen“ getroffen, um gemeinsam einem Filmteam vom WDR zu erklären, welche Vogelschutzmaßnahmen die KEV gerade umsetzt.

Peter Josef Müller (v.l.) und Stefan Brücher von der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen, Rainer Karls, technischer Leiter und Prokurist der KEV, und Helmut Klaßen, Geschäftsführer KEV, sahen sich die KEV-Maßnahmen zum Eulenschutz genau an. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Peter Josef Müller (v.l.) und Stefan Brücher von der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen, Rainer Karls, technischer Leiter und Prokurist der KEV, und Helmut Klaßen, Geschäftsführer KEV, sahen sich die KEV-Maßnahmen zum Eulenschutz genau an. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Dass diese Maßnahmen dringend notwendig sind, erklärte Stefan Brücher vor Ort so: „Eulen und Uhus setzen sich gern auf tote Bäume, und Strommasten sind für sie ein willkommener Ersatz für Bäume.“ Viele Strommasten seien leitfähig, und wenn der Vogel oben auf der Traverse sitze, habe er mit den Füßen Erdkontakt, komme er dann aber mit Schnabel oder Flügel an ein stromführendes Teil, dann bekomme der Vogel einen elektrischen Schlag, der zumeist tödlich ausgehe. Erst vor drei Wochen war genau dieser Unfall einem Uhu zugestoßen, der just an dem jetzt umgebauten Strommast ums Leben kam. Ironie des Schicksals war es allerdings, dass ausgerechnet dieser Mast bereits im Frühjahr hätte umgebaut werden sollen. Damals jedoch hatte das Filmteam aus Termingründen kurzfristig wieder abgesagt und den Drehtermin auf den Herbst verschoben.

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Rainer Karls, Prokurist der KEV, zeigte einige der Isoliermaterialien nach den jüngsten Vogelschutzvorschriften. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Rainer Karls, Prokurist der KEV, zeigte einige der Isoliermaterialien nach den jüngsten Vogelschutz-vorschriften. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

 

„Wir bedauern den Tod dieses Vogels wirklich sehr“, so Helmut Klaßen, „vor allem deshalb, weil wir schon seit vielen Jahren gemeinsam mit den Vogelschützern Schutzmaßnahmen umsetzen.“ Durch die enge Zusammenarbeit mit der Gesellschaft zur Wiedereinbürgerung des Uhu (AZWU) mit dem damaligen Vorsitzenden Wilhelm Bergerhausen, der inzwischen verstorben ist, gelang es so, die Population des Uhu im Versorgungsgebiet zu stabilisieren. Nachfolger der AZWU ist die „Europäische Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen“, deren Vorsitzender heute Stefan Brücher ist.

Ohne diese Maßnahmen, so pflichtete auch Brücher bei, sei die Wiedereinbürgerung des Uhus in der Eifel nicht möglich gewesen. Die Zahl der Jung-Uhus in der Eifel schätzte er pro Jahr auf 200 Exemplare. Davon würden geschätzte 50 Tiere an Strommasten und weitere 50 Tiere im Straßenverkehr getötet. Während man aufgrund der Vogelschutzmaßnahmen an Mittelspannungsmasten einen langsamen Rückgang der Unfälle verzeichne, nehme die Unfallzahl im Straßenverkehr leider in gleicher Weise wieder zu. Stark bedroht seien die Tiere auch in Regionen, wo Hochspannungsleitungen der Bahn vorhanden seien. Die Bahn allerdings sei anders als die regionalen Energieversorger im Altbestand ihrer Anlagen vom nachträglichen Vogelschutz befreit.

Als einer der führenden Eulenexperten gehörte Stefan Brücher auch mit zu dem Gremium, das in 2010 in Berlin neue Vorschriften für Vogelschutz an Mittelspannungsfreileitungen erlassen hat, die seit August diesen Jahres gelten. Mit den neuen Vorschriften sind die Anforderungen deutlich gestiegen. So wurden die Mindestabstände zu spannungsführenden Teilen vergrößert, was dazu führt, dass die bislang eingesetzten Isolatoren durch längere Isolatoren ausgewechselt werden müssen. Allein die KEV wird demzufolge 7.000 Isolatoren zusätzlich austauschen. Die Crux an der Sache erklärt Helmut Klaßen so: „Da wir in Deutschland nicht der einzige Energieversorger mit Freileitungen im Mittelspannungsbereich sind, kommt es derzeit bei den Isolatoren zu einem Engpass auf dem Markt.“ Dennoch sei die KEV bemüht, in Zusammenarbeit mit den Vogelschutzgesellschaften, die Gefahren an den besonders gefährdeten Stellen vorzeitig zu beseitigen und noch vor Ende 2012 die neuen Richtlinien umzusetzen.

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Die neu angebrachten Isolatoren (oben rechts) sind mit 600 Millimetern wesentlich länger als die bisherigen und sollen so große Vögel besser vor Stromschlägen schützen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Die neu angebrachten Isolatoren (oben rechts) sind mit 600 Millimetern wesentlich länger als die bisherigen und sollen so große Vögel besser vor Stromschlägen schützen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

„Bevor die neuen Richtlinien erlassen wurden, hatten wir bereits gut 80 Prozent der angeordneten Vogelschutzmaßnahmen realisiert, jetzt fallen wir durch die neuen, erweiterten Rahmenbedingungen wieder auf 30 Prozent zurück“, so Klaßen. Für die neuen Maßnahmen wird die KEV 1,1 Millionen Euro in die Hand nehmen. Denn die Umrüstung ist äußerst aufwendig, wie man im Rinnener Steinbruch erleben konnte, wo die KEV-Monteure dem Filmteam eine solche Maßnahme vorführten. Dieser Mast war jedoch recht gut zu erreichen. „Weitaus mehr Probleme haben wir natürlich, wenn wir mitten im Wald arbeiten müssen, wo wir mit unseren Fahrzeugen nicht so leicht hingelangen“, berichtete Rainer Karls, technischer Leiter und Prokurist der KEV.

Der fertige Mast – längere Isolatoren und Isolierungen an stromführenden Teilen in Mastnähe. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Der fertige Mast – längere Isolatoren und Isolierungen an stromführenden Teilen in Mastnähe. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Sowohl den Eulenschützern als auch der KEV ist allerdings klar, dass selbst, wenn alle Vogelschutzmaßnahmen umgesetzt sind – also die Isolierung von Sitzgelegenheiten, das Anbringen von Abdeckhauben, die Verlängerung der Abspannisolatoren und die Isolierung spannungsführender Teile – die Unfallgefährdung der Vögel dennoch nicht endgültig beseitigt ist. „Es gibt immer noch Situationen, die wir nicht beeinflussen können“, so Brücher. So könne es beispielsweise geschehen, dass ein Uhu mit einem großen Beutetier auf dem Strommast lande und dieses dann den Kontakt zu einem stromführenden Teil auslöse.

Die KEV, so wurde im Gespräch mit dem Filmteam rund um Filmautorin Christiane von Schwind deutlich, engagiert sich auch außerhalb der durch Gesetz festgelegten Vogelschutzmaßnahmen für die Erhaltung der heimischen Flora und Fauna und damit für einen artenreichen Tierbestand. So wurde erst kürzlich die Patenschaft für das Heidemoor bei Rinnen übernommen. „Der Stiftung Artenvielfalt Bielefeld – Die Tierpaten –  haben wir darüber hinaus die ehemalige Turmstation in Bouderath übereignet“, berichtete Klaßen. Dieser werde von der Stiftung zu einem Artenschutzturm und damit zu einer Rettungsstationen für die ihn bewohnenden Tiere: Durch die Umbauten werden für bis zu 50 zumeist gefährdete Tierarten abgestimmte Brutplätze, Tagesverstecke sowie Sommer- und Winterquartiere geschaffen. Als Hilfe für die Maßnahme hat die KEV der Stiftung Artenvielfalt 6000 Euro gespendet.

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