Sabine Kühlich sorgte für einen gelungenen Auftakt beim "Jazz am Kamin" im "Hotel Friedrichs"

Das Duo „Radmacher & Geschwind“ präsentierte seinen ersten Gast – Publikum im „Hotel Friedrichs“ war begeistert vom virtuosen Können der drei Musiker – Die nächste Veranstaltung steht schon fest

Sabine Kühlich war der erste Gast in der neuen Reihe „Jazz am Kamin“, den sich Eckhard Radmacher (Piano) und Wilhelm Geschwind (Bass) ins „Hotel Friedrichs“ eingeladen haben. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Gemünd – „Geschickt – geschickt – geschickt – geschickt“ – mit diesem stetig repetierenden Wort sangen sich am Mittwochabend an die 40 Besucher bei der Auftaktveranstaltung „Jazz am Kamin“ im „Hotel Friedrichs“ in immer tiefere Bossa-Nova-Ekstase. Der „Sound“, der dabei entstand, erinnerte an ein überdimensionales „Chicken Shake“, und das Publikum mutierte unter Anleitung der Jazzsängerin Sabine Kühlich zum kollektiven Rhythmus-Ei.

Von Anfang an bezog Kühlich die Zuhörer mit ein, denn schließlich, so meinte sie, sollte das Publikum ja auch etwas tun für sein Geld. Und das ließ sich denn auch bereitwillig auf alles ein, was von ihm an komplexer Gesangs- und Rhythmusarbeit gefordert wurde, vor allem dann, wenn Sabine Kühlich ihre Stimme zum Instrument machte und die Zuhörer aufforderte, es ihr gleich zu tun. Egal, ob so etwas wie „de-edle-edle-wowa“ oder „oh-hadia-dio“ gefordert wurde, die Zuhörer verwehrten keinerlei musikalische Unterstützung.

Intime Atmosphäre herrschte beim Jazzkonzert im "Hotel Friedrichs". Die Zuhörer wurden immer wieder zum Mitsingen aufgefordert. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Gesang ist für die mit zahlreichen Preisen dotierte Dozentin des „Conservatorium van Maastricht“ mehr als nur „Singen“. Wie im Jazzgesang üblich gehört dazu vielmehr die ganze Bandbreite menschlicher Ausdrucksfähigkeit, vom Schreien, Summen, Plappern, Brabbeln, Schluchzen, Wimmern bis hin zur Imitation von diversen Blasinstrumenten. Kühlich beherrscht die ganze Bandbreite und versteht es meisterhaft, ihren Körper zum universalen Klangkörper werden zu lassen. Darüber hinaus spielt sie hervorragend Bossa-Nova-Saxophon.

Sabine Kühlich sang nicht nur hervorragend, sie spielte auch hervorragend Saxophon. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Digitales Kaminfeuer

Exzellente Begleitung fand die Vokalistin in ihren beiden Mitstreitern Eckhard Radmacher am Flügel und Wilhelm Geschwind am Piccolo-Double-Bass. Die beiden, die seit Studientagen schon zusammen musizieren und in der Klassik ebenso zu Hause sind wie im Jazz, hatten sich Sabine Kühlich als ersten Gast ihrer neuen Reihe „Jazz am Kamin“ in das „Hotel Friedrichs“ eingeladen. Als Kamin diente übrigens ein alter Fernseher, der im Non-Stopp-Verfahren ein brennendes Kaminfeuer zeigte. Während das Feuer nur Imitat blieb, ließen die Musiker jedoch an Originalität nichts zu wünschen übrig: Rhythmisch versiert, gefühlvoll in der Akzentuierung und mit atemberaubender Dynamik bearbeitete Radmacher seinen Flügel. „Es macht Spaß, sich mal so richtig austoben zu dürfen“, sagte er am Rande der Veranstaltung. Das Verrückte dabei: Einige Stücke hatte er am Nachmittag das erste Mal zu Gesicht bekommen. Ebenso ging es Wilhelm Geschwind, der auf seinem Bass brillierte und nebenher noch mit einer ausgeklügelten Schlag- und Zupftechnik sowie zwei Stompboxen unter seinen Füßen eine komplette Percussion-Abteilung ersetzte, so als ob er schon seit 20 Jahren zur Stammbesetzung von Sabine Kühlich gehörte.

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Neben einigen Standards präsentierte Sabine Kühlich auch eigene Kompositionen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Neben Standards wie „Caravan“ (Duke Ellington), „Honeysuckle Rose“ (Fats Waller) oder „Angel Eyes“ (Matt Dennis) präsentiert Kühlich auch viele eigene Kompositionen wie etwa „Bossa Fatal“, in der sie die Überlegung anstellt, ob sie eine in Freundschaft umgewandelte alte Liebe vielleicht doch wieder vermittels eines Briefs neu beleben lassen soll, was sich allerdings als „fatal“ erweisen könne. Neben deutschen Texten stellte Kühlich auch eigene Kompositionen in Englisch „Beautiful Love“ oder Französisch „Peut-être“ vor und unterhielt das Publikum auch schon mal zum reinen Amüsement im sächsischen Dialekt, da sie 1973 in Gera das Licht der Welt erblickte.

Alles in allem waren die Zuschauer ganz aus dem Häuschen und zeigten sich begeistert von der Vitalität, der Präsenz, der Improvisationsfähigkeit und vor allem vom virtuosen Können der drei Musiker, die ihren Spaß an der Musik 1:1 auf das Publikum übertrugen. Erst nach mehreren Zugaben und lang anhaltendem Applaus ließ man das Trio von der Bühne.

Der Initiator der neuen Jazz-Reihe, Hotelinhaber Dr. Michael Winter, konnte bereits den nächsten Termin für „Jazz am Kamin“ ankündigen. Für Mittwoch, 2. November, 19 Uhr, haben sich „Radmacher & Geschwind“ die Kabarettistin Ruth Schiffer eingeladen. Sie wird dann einige ihrer ungewöhnlichen und teilweise auch recht schrägen Jazzsongs vorstellen.

Eifeler Presse Agentur/epa

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