Arme und Beine des kleinen Andres waren von Geburt an verkrüppelt

Schwerbehinderter Junge aus Ecuador wird mit Unterstützung der Hilfsgruppe Eifel in Deutschland therapiert – Jetzt konnte das knapp sechs Jahre alte Kind erstmals auf eigenen Beinen stehen

Der kleine Andres mit seiner Mutter bei einem Besuch der Hilfsgruppe Eifel. Rechts im Bild der pensionierte Chirurg Ludwig Holtstege und Christel Wenzel  aus Disternich. Bild: Reiner Züll/Hilfsgruppe Eifel
Der kleine Andres mit seiner Mutter bei einem Besuch der Hilfsgruppe Eifel. Rechts im Bild der pensionierte Chirurg Ludwig Holtstege und Christel Wenzel aus Disternich. Bild: Züll/Hilfsgruppe Eifel

Kall/Traunstein – Auf eine solche Nachricht, die die Hilfsgruppe Eifel kürzlich aus dem Chiemgau erreichte, hatten der Vorsitzende Willi Greuel und dessen Mitstreiter lange gewartet. „Es ist geschafft, er kann gehen“,  meldete sich der pensionierte Chirurg Ludwig Holstiege aus Bremen bei Willi Greuel und berichtete von einem kleinen aber wichtigen Heilerfolg bei dem jetzt fünfeinhalb Jahre alten, schwerstbehinderten  Andres aus Ecuador. Seit  Mai vergangenen Jahres  wird der kleine Junge, dessen Arme und Beine von Geburt an verkrüppelt sind,  mit Unterstützung  der Hilfsgruppe Eifel in Deutschland therapiert. Nach mehreren Operationen im Aachener Franziskus-Hospital und in der Kinderorthopädischen Klinik in Aschau (Chiemgau) macht der kleine tapfere Junge erfreuliche Fortschritte, wie Ludwig Holstiege jetzt nach einem Besuch der Klinik in Aschau mitteilte.

Über den  Bremer  Mediziner und  die in Disternich wohnende Christel Wenzel  hatte der Hilferuf den Kaller Förderkreis im Frühjahr vergangenen Jahres erreicht.  Die beiden, die deutschlandweit auf Spendensuche waren,  suchten eine Organisation, die bereit war, die Finanzierung der  rund 100 000 Euro teuren Therapierung des behinderten Jungen abzusichern.

Andres bei seinen Übungen in der Klinik in Aschau. Bild: Privat/Hilfsgruppe
Andres bei seinen Übungen in der Klinik in Aschau. Bild: Privat/Hilfsgruppe Eifel

Das tat die Hilfsgruppe spontan, so dass eine konzertierte Aktion anlaufen konnte. In dem Aachener Chirurgen Dr. Michael Becker, der einer der wenigen Spezialisten für die Verpflanzung von Sehnen, Muskeln und Nervensträngen ist, wurde ein Mitstreiter gefunden. Der Chirurg gab die  Zusage, den kleinen Jungen kostenlos zu operieren, so dass nur Krankenhauskosten anfallen würden.

Sofort setzten Christel Wenzel und Ludwig Holstiege alle Hebel in Bewegung, Andres und dessen 27-jährige Mutter Paola zur Behandlung nach Deutschland zu holen. Fünf Monate lang wurde  der Fünfjährige im Franziskushospital  therapiert und mehrfach operiert. Dem Kleinen wurden Muskeln aus den verkrüppelten Beinen entnommen und in die Bizeps der Arme verpflanzt.

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Als  Andres und Mutter Paola im November vergangenen Jahres nach fünfmonatigem Aufenthalt in Aachen zurück nach Ecuador flogen, konnte der Junge  seine Arme  bereits bwegen.

Andres bei seinen ersten Gehversuchen in Aschau. Bild: Privat/Hilfsgruppe Eifel

Im Juni  kamen Mutter und Kind wieder nach Deutschland. Doch in der Aachener Klinik waren die Spezialisten irgendwann mit ihrem „Latein am Ende“, so Willi Greuel.  Der kleine Patient wurde deshalb in  der Kinderorthopädische Klinik in Aschau  aufgenommen, wo die Ärzte seit August in mehreren Operationen versuchen, die verkrüppelten Beine und Füße des Jungen zu richten. In Aschau soll Andres auch laufen lernen.

Nach einer Gelenklösung  im linken Knie mittels Operation hat sich nun ein erster Erfolg eingestellt.   Ludwig Holstige: „Es ist zwar noch nicht so wie wir uns das vorstellen, aber er steht auf eigenen Beinen“.  Spezialschuhe sowie Schienen am rechten Unterschenkel sowie am linken Oberschenkel  geben dem Jungen  Sicherheit. „Einige Meter kann er  ohne weiteren Hilfen selbst gehen“, so Holstiege. Mit einem Kinderrollator schaffe er sogar schon 20 Meter. Jeden Tag gehe es besser, wobei es trotzdem Probleme gebe, weil er schnell hinfalle, sobald er das Gleichgewicht verliere.

Mutter Paola freut sich über die Fortschritte, die ihr kleiner Sohn macht. Bild: Reiner Züll/Hilfsgruppe Eifel

Tägliche Physiotherapie

Eine tägliche Physiotherapie soll Andres‘ Beweglichkeit stabilisieren, für Arme und Hände gibt es jeden Tag eine halbe Stunde Ergotherapie. Die Therapeuten bezeichnen Andres als besonders schwierigen Fall, dennoch mache der Junge jeden Tag einen kleinen Fortschritt. Holstiege: „Es geht langsam voran, aber es geht voran“.

Am 30. November fliegen Mutter und Kind zurück nach Ecuador, wo sie sehnsüchtig vom  Vater und einem Geschwisterkind erwartet werden. Im nächsten Jahr kommt der Junge wieder zur Weiterbehandlung nach Deutschland. Bis dahin will die Hilfsgruppe weiter Spenden sammeln. Willi Greuel: „Wir stehen dazu, die Therapiekosten von 100 000 Euro abzusichern“.

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www.kinderkrebshilfe-eifel.de

(epa)

(Quelle: Hilfsgruppe Eifel)

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