Eifeler gründeten Bündnis gegen Rechts

Initiative möchte etwas gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt unternehmen – Rund 200 Interessierte bei der Gründungsveranstaltung

Rund 200 Interessierte kamen zur Gründungsversammlung des Bündnisses gegen Rechts. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Rund 200 Interessierte kamen zur Gründungsversammlung des Bündnisses gegen Rechts. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Schleiden – Für ein friedliches Miteinander und Toleranz setzt sich das „Eifeler Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt“ ein. Die Initiative hat sich am Donnerstagabend, 22. November, im Pädagogischem Zentrum des Clara-Fey-Gymnasiums in Schleiden gegründet. Rund 200 Interessierte waren der Einladung zur Gründungsversammlung gefolgt, von Schülern bis zu Senioren waren alle Altersgruppen vertreten. Aufgerufen zur Bündnisgründung hatten auf Initiative des ökumenischen „Netzwerk Kirche im Nationalpark Eifel“ Vertreter der evangelischen wie katholischen Kirche sowie der DGB (Deutsche Gewerkschaftsbund) Region NRW.

Andrea Kett, Geschäftsführerin  des „Ökumenischen Netzwerks Kirche im Nationalpark Eifel“, machte bei der Gründungsversammlung auf die besondere Organisationsform aufmerksam: „Wir sind ausdrücklich eine Initiative und wollten keinen Verein oder ähnliches mit einer komplizierten Rechtsform gründen.“ Peter Schongen, Referent im Büro der Regionaldekane Düren/Eifel, sagte, dass der Gründungszeitpunkt nichts mit den aktuellen Ereignissen um den Rechtsterrorismus zu tun habe, sondern die Idee zu dem Bündnis beim „Zug der Erinnerung“ entstand.

Die Veranstaltung wurde von Christoph Ude (v.l.), Pfarrer der Trinitatisgemeinde Schleidener Tal, Ralf Woelk, Vorsitzender der DGB Region NRW Süd-West, Peter Schongen, Referent im Büro der Regionaldekane Düren/Eifel, und Andrea Kett, Geschäftsführerin „Ökumenisches Netzwerk Kirche im Nationalpark Eifel“, geleitet. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Die Veranstaltung wurde von Christoph Ude (v.l.), Pfarrer der Trinitatisgemeinde Schleidener Tal, Ralf Woelk, Vorsitzender der DGB Region NRW Süd-West, Peter Schongen, Referent im Büro der Regionaldekane Düren/Eifel, und Andrea Kett, Geschäftsführerin „Ökumenisches Netzwerk Kirche im Nationalpark Eifel“, geleitet. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Denn im Rahmen der Dokumentations- und Aufklärungskampagne „Zug der Erinnerung“, eine rollende Ausstellung, die die Deportation und Ermordung von Kindern in Konzentrations- und Vernichtungslager in der Nazi-Zeit zum Thema hat, sei es in Herhahn zu rechts motivierten Schmierereien gekommen. Da sei klar geworden, dass man etwas unternehmen müsse – zumal die Parolen auch bei manchen Mitbürgern Ängste ausgelöst hätten.

Christoph Ude, Pfarrer der evangelischen Trinitatis-Kirchengemeinde Schleidener Tal, wies auf bedenkliche Machenschaften der Neo-Nazi-Szene hin: „Da bieten rechte Gruppen beispielsweise Hausaufgabenbetreuung an, um bereits die Jüngsten zu rekrutieren.“

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Ralf Woelk, Vorsitzender des DGB Region NRW Süd-West, sagte, dass spätestens seit der Wiedervereinigung die nachhaltige Verfolgung von Migranten und Zerstörung von etwa jüdischen Friedhöfen und Parteibüros zunehme. Auf seine Bemerkung, dass es ihn ärgere, wenn Gegendemonstranten rechter Aktionen gleich als Linksextremisten tituliert würden, brandete im Podium spontaner Applaus auf.

Bernward Micken, stellvertretender Schulleiter des Clara-Fey, moderierte die Veranstaltung und machte auf die hohe Zahl rechts motivierter Straftaten aufmerksam.

Dass die rechte Szene auch im Kreis Euskirchen aktiv ist, berichtete Michael Klarmann, freier Journalist aus Aachen und Kenner der rechten Szene in der Region. In seinem Referat zeigte er nicht nur konkrete Fälle auf, sondern beleuchtete auch die Organisationsstrukturen und das Aussehen von Neo-Nazis in der heutigen Zeit: „Die Glatzen mit Springerstiefeln, schwarzer Bomberjacke und hochgekrempelten Jeans gibt es zwar immer noch, aber manche sind auf den ersten Blick nicht mehr so einfach erkennbar und sehen sogar eher aus wie jemand aus der linken autonomen Szene oder wie Punker.“

Hohe Toleranz

Für bedenklich hält Klarmann auch Jugendgruppen, die eigentlich nicht rechtsextrem seien, aber eine gewisse Rechtsaffinität besitzen würden. „Wenn da von einzelnen rechte Parolen kommen oder der Hitlergruß kommen, gibt es da keinen Protest.“ Schnell könne da eine rechte Gesinnung entstehen, verstärkt durch den Erlebnischarakter mancher Gruppen oder Veranstaltungen. Zu den Gruppen, die im dabei aufgefallen seien, gehöre in der Eifel auch die ein oder andere Mai-Gesellschaft.

Im Organisationsteam des Bündnisses sind Ata Seker (v.l), André Kaudel, Ralf Woelk, Peter Schongen, Christoph Ude, Rolf Schneider und Pierre Mosbeux sowie Valerie Vivienne Nitsche (fehlt auf dem Bild). Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Im Organisationsteam des Bündnisses sind Ata Seker (v.l), André Kaudel, Ralf Woelk, Peter Schongen, Christoph Ude, Rolf Schneider und Pierre Mosbeux sowie Valerie Vivienne Nitsche (fehlt auf dem Bild). Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Der Journalist warnte auch vor der Toleranz rechter Gesinnung, die durch alle Altersgruppen in der Bevölkerung vorhanden sein könnten – und zwar in deutlichem Maße: „Die Zahlen variieren da je nach Erhebung zwischen zwölf und 40 Prozent, die rechtes Gedankengut tolerieren.“ So sei die rechte Szene bei manchen gesellschaftsfähig, eine Frau aus der Führungsebene der Neonazis im Kreis Euskirchen habe beispielsweise einen guten bürgerlichen Beruf.

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Aus dem Podium meldete sich unter anderem Hans-Peter Bruckhoff, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Aachen, zu Wort. Er erinnerte, dass man nicht nur gegen Rechts vorgehen müsse, sondern auch im Sozialen tätig werden müsse: „Wenn wir diesen Sumpf nicht austrocknen, werden die Neonazis die finden, die wir allein gelassen haben!“

Bündnis gegen Rechts: André Kaudel (v.l), Pierre Mosbeux, Ata Seker, Christoph Ude, Peter Schongen, Valerie Vivienne Nitsche und Ralf Woelk. Ebenfalls im Orgateam ist Rolf Schneider (fehlt auf dem Bild). Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Bündnis gegen Rechts: André Kaudel (v.l), Pierre Mosbeux, Ata Seker, Christoph Ude, Peter Schongen, Valerie Vivienne Nitsche und Ralf Woelk. Ebenfalls im Orgateam ist Rolf Schneider (fehlt auf dem Bild). Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Das neue Organisationsteam, bestehend aus Peter Schongen, Referent im Büro der Regionaldekane Düren/Eifel (kath.), Christoph Ude, Pfarrer der Trinitatisgemeinde Schleidener Tal (ev.), Ralf Woelk, Vorsitzender der DGB Region NRW Süd-West, Rolf Schneider, Leiter des Regionalen Caritasverbands Eifel, Pierre Mosbeux, art Eifel, Ata Seker, Integrationsbeauftragter des Kreises Euskirchen und stellvertretender Fraktionsvorsitzender SPD Schleiden, André Kaudel, stellvertretender Schriftführer SPD Ortsverein Euskirchen, und Valerie Vivienne Nitsche, Grüne Kreis Euskirchen, wollen im Januar wieder tagen. Das Spektrum möglicher Themen und Aktivitäten, die sich möglichst in der Gründung von Arbeitskreisen niederschlagen sollen, reicht von Bildung, Aufklärung und Prävention über Aktionen und Veranstaltungen bis zu Schule, Jugend, Sport, Kultur und Integration.

Eifeler Presse Agentur/epa

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