KEV-Trafostation in Bouderath wird 15. Artenschutzturm der Stiftung „Pro Artenvielfalt“

Regionaler Energieversorger bietet 50 Tierarten ein neues Zuhause – Abrisskosten werden in den Artenschutz investiert

Helmut Klaßen (v.l.), Kerstin Zimmermann und Rainer Karls wollen mit der ehemaligen Trafostation rund 50 Tierarten ein neues Zuhause bieten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Helmut Klaßen (v.l.), Kerstin Zimmermann und Rainer Karls wollen mit der ehemaligen Trafostation rund 50 Tierarten ein neues Zuhause bieten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Nettersheim-Bouderath – Die Trafostation in Bouderath ist seit einiger Zeit stillgelegt. Benötigt wird sie nicht mehr, und eigentlich könnte man sie abreißen. Doch statt eines Abrisses hat die Kreis-Energie-Versorgung Schleiden (KEV), angeregt durch einen Kontakt zur „Stiftung Pro Artenvielfalt“ aus Bielefeld, eine viel bessere Idee für das Gebäude. KEV-Geschäftsführer Helmut Klaßen berichtete, dass man die Trafostation gern zum First-Class-Hotel für bedrohte „Gebäude bewohnende Tierarten“ umbauen lassen möchte. „Dafür haben wir die Station samt Grundstück jetzt für einen symbolischen Euro an die ‚Stiftung Pro Artenvielfalt‘ verkauft“, sagte er. Darüber hinaus beteiligten sich die KEV und der Kreis Euskirchen an den Umbaumaßnahmen zum Artenschutzturm; 6000 Euro stiftete die KEV für den Umbau in Bouderath, das ist die Summe, die der Abriss gekostet hätte.

Roland Tischbier, Vorstandsvorsitzender der  „Stiftung Pro Artenvielfalt“, berichtet, dass die umfangreichen Umbauarbeiten für den Bouderather Turm im zeitigen Frühjahr 2012 beginnen sollen: „Derzeit kontaktieren wir Handwerksbetriebe im Kreis Euskirchen zwecks Abgabe von Kostenvoranschlägen“.

„In Bouderath wollen wir auch dem Vogel des Jahres 2012, der immer stärker bedrohten Dohle, neue Nistplatzmöglichkeiten schaffen“, so Tischbier. Die Investition für den Artenschutzturm würde insgesamt gut 18.500 Euro betragen. Neben den projektbezogenen Förderzuschüssen des Kreises Euskirchen und der KEV gebe es die großzügige Spende eines außerordentlich engagierten Spenders aus Bielefeld.

So ähjnlich wie hier im ostthüringischen Untitz könnte der KEV-Turm in Bouderath einmal aussehen. Bild: Stiftung-Pro-Artenvielfalt
So ähnlich wie hier im ostthüringischen Untitz könnte der KEV-Turm in Bouderath einmal aussehen. Bild: Stiftung-Pro-Artenvielfalt

Warum solche Artenschutztürme wichtig sind, erklärte Tischbier so: „Im Vertrauen auf uns Menschen sind mit der Besiedelung Mitteleuropas viele wildlebende Tierarten in die Dörfer, Städte und Häuser gefolgt. Sie haben unsere Wohn-, Wirtschafts- und Kulturgebäude als Biotope (Ersatzfelsen) angenommen und über Jahrhunderte friedlich und meist gern gesehen mit uns unter einem Dach gelebt.“ Doch aus Unwissen, Gedankenlosigkeit und leider oft auch aus falsch verstandenem Ordnungssinn sei in den letzten Jahrzehnten immer mehr Lebensraum für „Gebäude bewohnende Tierarten“ zerstört worden. „Auch Hausumbauten, Dachsanierungen und die neuerdings gesetzlich geforderten  Wärmedämm-Maßnahmen zur Energieeinsparung vernichten jedes Jahr zigtausende Nistplätze, Brutstätten und Tagesverstecke“, so Tischbier.

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Unter „Gebäude bewohnende Tierarten“ verstehe man Höhlen-, Halbhöhlen- und Nischenbrüter und -nutzer. Als Ergebnis dieser Entwicklung gerieten immer mehr dieser Tierarten auf die „Roten Listen Deutschland“, die „Sterbelisten der Artenvielfalt“.

Künstlerische Bemalung

„Derzeit stehen schon Haussperling, Feldsperling, Mauersegler, Mehlschwalbe und auch die Rauchschwalbe auf der aktuellen Vorwarnliste bedrohter Vogelarten in Deutschland“, berichtet Tischbier weiter. Alle 22 heimischen Fledermausarten (Säugetiere) seien in der „Roten Liste Deutschland“ als „bedroht bis stark bedroht“ eingestuft worden. Viele von ihnen seien Gebäudebewohner und –nutzer, die ohne warme und zugluftfreie Sommerquartiere im Dachstuhl und ohne zugluft- und frostfreie Winterquartiere in Höhlen, Bergwerksstollen und in Kellerbereichen von Wirtschaftsgebäuden keine Überlebenschance hätten.

Von den 527 in Deutschland vorkommenden Wildbienenarten stünden inzwischen schon 284 Arten (52 Prozent) auf der Roten Liste. Bis zu 100 Solitärbienenarten nutzten Gebäudeteile wie Holz, Mauerwerk und Zementfugen als Nistplätze.

Nach dem Umbau zum Artenschutzturm stehen in dem Gebäude Bruthöhlen, Brutplätze, Nischen, Tagesverstecke sowie Sommer- und Winterquartiere für gut 50 Tierarten zur Verfügung. Darüber hinaus bekommen alle Artenschutztürme eine künstlerische Bemalung, „die ein hohes Maß an Faszination, Identifikation und optischer Wissensvermittlung über Tierarten für die Menschen in der Region schafft“, so Tischbier. Die Artenschutztürme würden dadurch zu „echten Landmarks“ schwärmt der Vorstandsvorsitzende aus Bielefeld. Besonders Kindergärten und Grundschulen nutzten schon heute die Türme für gestalterische Arbeitsthemen, für umweltpädagogische Projekte und als Beobachtungsobjekte für Wildtiere im unmittelbaren Wohn- und Gebäudeumfeld.

Helmut Klaßen freut sich, dass die KEV auf diese Weise dem Artensterben entgegenwirken kann: „Der Artenschutzturm ist neben anderen Umweltschutz-Projekten eine weitere gute Gelegenheit für uns, etwas für die Natur zu tun.“

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Eifeler Presse Agentur/epa

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