„Klimaschutz muss zum kulturellen Impuls werden“

Vertreter aus dem Kreis Euskirchen sowie den Gemeinden Kall, Dahlem und Hellenthal trafen sich zur Klimaschutzkonferenz in Euskirchen

Landrat Günter Rosenke wies vor allem auf die wirtschaftlichen Chancen der Energiewende hin. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Landrat Günter Rosenke wies vor allem auf die wirtschaftlichen Chancen der Energiewende hin. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Kreis Euskirchen/Kall/Dahlem/Hellenthal – Gemeinsam mit dem Kreis Euskirchen haben die Gemeinden Kall, Dahlem und Hellenthal ein Klimaschutzkonzept in Auftrag gegeben. Welche Projekte und Maßnahmen konkret im Kreis Euskirchen und welche in den Kommunen Dahlem, Hellenthal und Kall sinnvoll und umsetzbar sind, das wird im Rahmen der Erstellung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes erarbeitet. Jetzt trafen sich die Akteure zur ersten Klimaschutzkonferenz im S-Forum der Kreissparkasse Euskirchen, wo sie vom Vorstandsvorsitzenden Udo Becker begrüßt wurden.

„Der Klimawandel ist nicht nur eine Umweltfrage, sondern er ist eine allumfassende Bedrohung. Der Erderwärmung muss die gleiche Aufmerksamkeit entgegen gebracht werden wie Kriegen, Armut und der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen.“ – Mit diesem Zitat des  ehemaligen UN-Genreralsekretärs Kofi Annan begrüßte Landrat Günter Rosenke die Teilnehmer.

Im Klima-Café trafen sich die Akteure des Kreises Euskirchen sowie der Kommunen Kall, Dahlem und Hellenthal, um gemeinsam nach weiteren Klimaschutzmöglichkeiten zu fahnden. Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Im Klima-Café trafen sich die Akteure des Kreises Euskirchen sowie der Kommunen Kall, Dahlem und Hellenthal, um gemeinsam nach weiteren Klimaschutzmöglichkeiten zu fahnden. Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Er konfrontierte das Plenum zunächst mit einer ganzen Reihe von ernst zu nehmenden Fakten. So sei die Emission von Treibhausgasen  weltweit in 2010 rasanter gestiegen als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre, der November 2011 in Deutschland sei wahrscheinlich der wärmste November seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, die Pegel der Flüsse seien so niedrig wie sonst im Hochsommer und „Herbstregen kennen die meisten von uns nur noch vom Hörensagen.“

Die Worst-Case-Szenarien von vor zehn Jahren näherten sich heute schon der Realität. Schwellenländer wie China und Indien hätten zusammen über 50 Prozent der globalen CO2-Zunahme verursacht. „Weiterhin führen aber die USA beim Pro-Kopf-Verbrauch von CO2- Emissionen die traurige Liste an“, so Rosenke. Übrigens dicht gefolgt von Australien, Kanada, Saudi Arabien und Deutschland.

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An Thementischen wurden von den Teilnehmern Vorschläge zur CO2-Reduzierung erarbeitet. Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
An Thementischen wurden von den Teilnehmern Vorschläge zur CO2-Reduzierung erarbeitet. Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Der Klimawandel sei daher eine globale Angelegenheit. In Deutschland habe man die Zeichen der Zeit erkannt und nehme eine Vorreiterrolle bei der Bekämpfung des Klimawandels ein. Dennoch gelte es in erster Linie, den Bürger von der Notwendigkeit des Handelns zu überzeugen, vor allem angesichts der Tatsache, dass anderen Ländern der Klimaschutz immer noch gleichgültig sei. So sei ja mittlerweile bekannt, dass die massenweisen Waldrodungen in den südamerikanischen Urwäldern die CO2-Einsparungen in den europäischen Staaten fast neutralisierten.

„Und wenn die Ökonomen sich weitgehend einig sind und behaupten: Deutsche Klimapolitik ist teuer und fast nutzlos, dann müssten wir eigentlich augenblicklich resignieren.“ Der Landrat setzte dem jedoch entgegen, dass der Kreis Euskirchen mit seinen eigenen Ressourcen ein Motor gegen den Klimawandel in seinem kleinen und bescheidenen Kosmos sein könne.

Wirtschaftliche Chancen

Andreas Hübner von der Ingenieurgesellschaft Gertec hielt ein Impulsreferat. Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Andreas Hübner von der Ingenieurgesellschaft Gertec hielt ein Impulsreferat. Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Die Energiewende biete vor allem wirtschaftliche Chancen für die Region. „Durch eine Beteiligung von Bürgern und Kommunen an Anlagen erneuerbarer Energien bleibt der Gewinn aus der Energieerzeugung hier bei uns in der Region“, so der Landrat.

Die erst kürzlich gegründete Beteiligungsgesellschaft „KEVER“ unter dem Dach der Energie Nordeifel („ene“) macht es beispielsweise möglich, dass Bürger und Kommunen sich direkt an der Wertschöpfung aus Erneuerbaren Energien beteiligen können.

In eine ähnliche Richtung zielte auch das Impulsreferat von Andreas Hübner von der Ingenieurgesellschaft Gertec, die das Klimaschutzkonzept erarbeitet. Was wir derzeit bräuchten, seien nicht nur ausgefeilte technische Lösungen, die die Energiewende ermöglichten, sondern vor allem eine kulturelle Veränderung, ein Umdenken in den Köpfen der Menschen. Wenn die Bürger die Energiewende wirklich wollten, weil sie die Schönheit der Erde erhalten möchten, dann sei diese auch innerhalb weniger Jahre möglich.

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Die Subventionierung von Photovoltaik-Anlagen nannte Hübner das Beste, „was wir bundespolitisch in den letzten 20 Jahren gemacht haben, denn dies hat zu einer enorm großen Sensibilität in Bezug auf die Wahrnehmung der Klimakatastrophe beim Bürger geführt“.

Für sein Impulsreferat erntete Andreas Hübner von allen Beteiligten Applaus. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Für sein Impulsreferat erntete Andreas Hübner von allen Beteiligten Applaus. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Klimaschutz, so könne man heute bereits konstatieren, sei wirtschaftsfördernd, werterhaltend, imagebildend und kaufkraftstärkend. Allein an Heizkosten zahlten die Kreisbürger im Jahr 117 Millionen Euro. Dazu kämen noch einmal 67 Millionen Euro für Strom. Das seien zusammen gut 1000 Euro pro Einwohner im Jahr. Durch Energieeinsparung würde hier wieder enorme Kaufkraft frei. Auch die Wärmesanierung aller Wohngebäude vor dem Baujahr 1979 würde die Wirtschaft ankurbeln.„Mit den 790 Millionen Euro an Sanierungskosten könnten 6500 Handwerker im Kreis ein Jahr lang beschäftigt werden“, so Hübner.

Anschließend fahndeten die Teilnehmer in kleinen Gruppen nach Klimaschutzpotenzialen in den Kommunen. Großes Interesse bestand beim Themenbereich „Energieerzeugung und Regenerative Energien“: „Besonders wird ein stärkerer Einfluss der Kommunen gewünscht, vor allem durch Beteiligung der Kommunen an der Energieversorgung und Energieerzeugung“, berichtete Hübner im Anschluss an die Arbeitsgruppen. Auch das Vorantreiben der Windkraft halte man für wichtig, und zwar mit Bürgerbeteiligung: „Denn durch die Windkraft kann man mit relativ geringem Aufwand viel Strom erzeugen und somit auch finanziell stark profitieren.“

Die Teilnehmer an den Thementischen waren bunt zusammengewürfelt. So entstanden neue Perspektiven. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Die Teilnehmer an den Thementischen waren bunt zusammengewürfelt. So entstanden neue Perspektiven. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Um die Menschen zu einem veränderten Bewusstsein und Verhalten in Sachen Energie zu motivieren, sei darüber hinaus eine emotionale Verknüpfung zu alltäglichen Gegenständen des Lebens wichtig. Das wäre beispielsweise bei umweltfreundlicher Mobilität der Fall, etwa beim Elektrofahrrad, was auch immer mehr von jüngeren Menschen genutzt werde – auch mit Anhänger, um kleinere Kinder mitzunehmen oder einen größeren Einkauf leicht zu transportieren. Wichtig sei den Menschen beim Thema umweltfreundliche Mobilität, dass weiterhin die individuelle Mobilität sichergestellt sei.

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Gefragt worden sei auch nach einer neutralen Plattform, bei der sich Unternehmen über Möglichkeiten zum Energiesparen informieren könnten. „Auch die Frage, wie Betriebe ihre Mitarbeiter zu mehr Energieeffizienz motivieren können, tauchte auf“, so Hübner. Beim Themenbereich Gebäudesanierung wurde ebenfalls ein hoher Informationsbedarf aus möglichst neutraler Hand gewünscht.

Eifeler Presse Agentur/epa

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