Im Portrait: Dr. Michael Winter

Wie kommt ein Doktor der Physik an ein Hotel und betreibt es fortan nicht nur als Vier-Sterne-Beherbergungsbetrieb, sondern auch gleich als Kunst- und Kulturtempel? Das fragten wir Dr. Michael Winter, Jahrgang 1970, seit dem 10. Januar 2009 Inhaber des „Hotel Friedrichs“ in Schleiden-Gemünd.

Ein Doktor der Physik als Hotelier: Michael Winter ist Inhaber des "Hotel Friedrichs" aus Begeisterung. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Ein Doktor der Physik als Hotelier: Michael Winter ist Inhaber des "Hotel Friedrichs". Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

„Einer meiner Lehrer hat mich für die Physik begeistert“, berichtet Michael Winter, der sein Abitur am Michael-Gymnasium in Bad Münstereifel ablegte. Aus diesem Grund habe er auch Physik studiert. Eine weitere Leidenschaft hat ihn aber sein Leben lang begleitet: Die Liebe zur Musik. Auch heute noch spielt er E-Gitarre in der Kölner Formation „substanz.“, wann immer es seine Zeit erlaubt.

Nachdem Winter sein Studium und seine Promotion hinter sich gebracht hatte, stand er vor der Entscheidung, Professor zu werden. „Aber ich kam dann irgendwann zu dem Schluss, dass das eigentlich nicht mein Ding ist.“  Denn so sehr ihn die Wissenschaft auch interessierte, die Aussicht, einen Großteil seines Lebens in einem Labor und mit toten Dingen zu verbringen, schreckte Michael Winter ab: „Ich wollte mehr mit Menschen zu tun haben.“ Und der Physiker hatte ein weiteres Ziel: Er wollte sich irgendwann selbständig machen, um völlig eigenverantwortlich Neues auf die Beine zu stellen.

Für seine Gäste steht Dr. Michael Winter auch hinter der Theke und am Zapfhahn. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Für seine Gäste steht Dr. Michael Winter auch hinter der Theke und am Zapfhahn. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Über einen Bekannten kam er dann zur Informations-Technologie und reiste als IT-Berater durch die Republik. „Das war eine sehr interessante Zeit, in der ich einiges gelernt habe. Ich war viel in Hotels und hatte immer meine Freude, wenn Service und Gastronomie auf hohem Niveau geboten wurden.“ Eines Tages im Urlaub war er wieder in einem Quartier, in dem er sich einfach sehr wohlfühlte, und fragte seine Frau: „Warum machen wir nicht auch ein Hotel auf?“ Wichtig war ihm, dass es neben Übernachtungsmöglichkeiten in angenehmem Ambiente auch eine gute Küche und viel Kultur und Musik geben sollte.

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Ein Hotel mit langer Tradition

Der Ort, an dem er ein solches Hotel zu führen gedachte, stand von Anfang an fest: „Ich liebe die Eifel und bin von dem großen Potenzial hier überzeugt. Wir haben nicht nur eine großartige Landschaft, auch das kulinarische Angebot kann sich durchaus sehen lassen. Es gibt zum Beispiel fantastische Käsereien – und auch kulturell ist die Eifel ein Schmuckstück, hier leben und arbeiten mittlerweile zahlreiche renommierte Künstler.“ Ganz Wissenschaftler, ging Winter systematisch an die Sache heran, informierte sich, nahm an Existenzgründerseminaren teil und knüpfte viele Kontakte.

Das "Hotel Friedrichs" liegt direkt am ZUsammenfluss von Urft und Olef. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Das "Hotel Friedrichs" liegt direkt am Zusammenfluss von Urft und Olef. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Michael Winter: „Von der IHK sind wir dann auf das ‚Hotel Friedrichs‘ aufmerksam gemacht worden, deren damalige Betreiber einen Nachfolger suchten. Wir haben es uns angeschaut und alles passte irgendwie, denn ich wollte schon immer in einem Gebäude wohnen, das etwas zu erzählen hat.“ Das Hotel kann denn auch auf eine lange Geschichte zurückblicken. Dort am Zusammenfluss von Urft und Olef entstand nicht nur der Name „Gemünd“, den der Nationalparkort noch heute mit Stolz trägt, sondern anno 1811 auch ein erster Beherbergungsbetrieb.

Das "Vorläufer-Hotel" Bungart wurde im zweiten Weltkrieg zerstört, das heutige Hotel Friedrichs ist aber stark angelehnt an das historische Gebäude wieder aufgebaut worden. Bild: Kreisarchiv
Das "Vorläufer-Hotel" Bungart wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, das heutige "Hotel Friedrichs" ist aber stark angelehnt an das historische Gebäude. Bild: Kreisarchiv Euskirchen

Auch wenn das damalige Gebäude mehrfach durch Kriegswirren und Brände in Schutt und Asche gelegt wurde und das heutige Hotel erst 1947 wieder aufgebaut wurde, fühlt sich Dr. Winter der Tradition des Hauses und des Ortes verpflichtet. Dabei verzichtet er allerdings nicht auf ein zeitgemäßes Ambiente. Denn so wie das Hotel zu allen Zeiten immer im Wandel war, so muss es sich auch heute den modernen Herausforderungen stellen, will es auf Dauer nicht ein rein museales Dasein fristen. Als Winter das „Hotel Friedrichs“ im Januar 2009 offiziell übernahm, hatte er feste Vorstellungen: Er wollte nicht nur das Gebäude übernehmen, sondern auch das Team. Das ursprüngliche Eifel-Flair sollte darüber hinaus erhalten werden, allerdings mit einigen Modernisierungen. Zudem sollte es regelmäßig Veranstaltungen geben und das Hotel somit zu einem kulturellen und kommunikativen Zentrum der Nordeifel werden.

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Dr. Michael Winter (3.v.l.), hier mit Jazz-Sängerin Sabine Kühlich, veranstaltet regelmäßig hochkarätige Konzerte im "Hotel Friedrichs". Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Dr. Michael Winter (3.v.l.), hier mit Jazz-Sängerin Sabine Kühlich, veranstaltet regelmäßig hochkarätige Konzerte im "Hotel Friedrichs". Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Dieses Konzept beeindruckte auch die Industrie- und Handelskammer Aachen: Beim Gründungswettbewerb „AC²“ räumte Michael Winter den ersten Preis ab. Und Winter hat gehalten, was er in seiner Planung versprochen hat. Das zeigt sich unter anderem in der Auszeichnung mit vier Sternen – als einziges Hotel am Orte. 23 Zimmer von der „Standard Class“ bis zur 40-Quadratmeter-Suite sind ebenso gemütlich wie klassisch-elegant und mit viel Komfort eingerichtet.

Michael Winter mit Jacques Berndorf, "Vater" des Eifelkrimis. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Michael Winter mit Jacques Berndorf, "Vater" des Eifelkrimis. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Kultureller Standort

Regelmäßig finden hochkarätige Veranstaltungen im Bereich Jazz und Klassik statt. Jazzgrößen wie Sabine Kühlich, Frank Haunschild, Dagmar Bunde oder Ralph Herrnkind geben sich hier die Klinke in die Hand. Außerdem finden sich gern Krimi-Autoren wie Jacques Berndorf oder Ralf Kramp zu Lesungen ein. Während der „Criminale 2010“ war das Hotel geradezu eine Hochburg deutscher Krimischriftsteller. Die ersten „Genießer-Wochen“ im Schleidener Tal, eine kulinarische Kulturoffensive der Touristik Schleidener Tal, feierte erst kürzlich die Auftaktveranstaltung mit über 100 Gästen im „Hotel Friedrichs“.

Dr. Michael Winter am Empfang des "Hotel Friedrichs". Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Dr. Michael Winter am Empfang des "Hotel Friedrichs". Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Für die kulinarischen Genüsse gibt es dort überhaupt viel Raum: Restaurant und Bistrobereich, eine Whiskey-Lounge, Sonnenterasse direkt am Fluss und ein Biergarten locken zum Verweilen. Im Spa- und Wellnessbereich auf über 140 Quadratmeter kann man Finnische Sauna, Bio-Dampfsauna und Solarium oder verschiedene Beauty- und Wellness-Behandlungen genießen.

Zudem stehen Tagungsräume mit entsprechender Technik wie Video-Beamer und weiteren Präsentationsmaterialien wie Flipchart oder auch Overhead-Projektor zur Verfügung. Im gesamten Haus kann man sich zudem per W-LAN in das Internet einbinden.

Auch die Klassik-Pianistin Maria Heister gibt Konzerte im "Hotel Friedrichs". Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Auch die Klassik-Pianistin Maria Heister gibt Konzerte im "Hotel Friedrichs". Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Das Hotel zu leiten ist schon ein echter Full-Time-Job“, gesteht Michael Winter. Neben der gesamten Verwaltung und dem Kontakt zu den Gästen lässt es sich der Doktor der Physik aber auch nicht nehmen, kräftig im Service mit anzupacken. Da findet man ihn, wenn der Andrang groß ist, auch schon mal am Zapfhahn. „Am liebsten würde ich auch in der Küche mitmischen, aber für das Niveau unseres Hauses bin ich einfach nicht gut genug“, erzählt er lachend. Sein Leben als Hotelier sei durchaus herausfordert, aber auch sehr interessant: „Ich lerne immer wieder sehr interessante Menschen kennen, kein Tag ist wie der andere. Es ist ganz anders als alles, was ich vorher gemacht habe.“

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Besonderen Wert legt Winter auch auf Umweltbewusstsein. So war ihm für das Hotel in direkter Nationalpark-Nähe ökologisch korrektes Heizen wichtig: Also hat Winter ein Block-Heizkraftwerk einbauen lassen. Gäste können sich auch Elektro-Fahrräder ausleihen. „Die werden auch immer mehr von jungen Leuten benutzt, damit bringt das Radfahren in den Bergen richtig Spaß“, schwärmt Michael Winter. Denn getreten werden muss zwar trotzdem, der Elektromotor unterstützt dabei aber kräftig – eine tolle Sache, gerade, wenn es bergauf geht.

Volles Haus im "Hotel Friedrichs" bei der Auftaktveranstaltung der "Geniesser-Wochen" im Schleidener Tal. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Volles Haus im "Hotel Friedrichs" bei der Auftaktveranstaltung der "Geniesser-Wochen" im Schleidener Tal. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Für Gäste, die ausgedehnte Wandertouren lieben, schwingt sich Michael Winter auch selbst hinter das Steuer des Hotel-Kleinbusses, um die Wanderer an bestimmten Punkten abzuholen oder sie zu den Ausgangspunkten ihres Fußmarsches zu bringen. „Guter Service ist mir sehr wichtig. Ich habe so viel Zeit in Hotels verbracht, da weiß ich genau, wodurch ein Gast sich wohlfühlen kann.“

Zur Seite steht Michael Winter seine Frau Rahel. Momentan hat sie allerdings einen anderen Full-Time-Job übernommen: Rahel und Michael Winter haben im Frühjahr eine Tochter bekommen, um die sich die Mutter jetzt erst einmal ausschließlich kümmern möchte, bevor sie wieder mit ins Hotelgeschehen einsteigt.

https://www.hotel-friedrichs.de/

Eifeler Presse Agentur/epa

 

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