Talsperren-System kann auch „Doppeltrockenjahr“ überstehen

Wasserverband Eifel-Rur (WVER) legte bei Verbandsversammlung Berichte über Aktivitäten des abgelaufenen Jahres vor – Wasserknappheit ist für die Wasserwirtschaft noch kein Problem

Nur wenig Wasser floss in den letzten Monaten über die Zuflüsse, wie hier am Urftsee, in das Talsperren-System. Dennoch, so der WVER, sei die Trinkwasserversorgung nicht in Frage gestellt. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Nur wenig Wasser floss in den letzten Monaten über die Zuflüsse, wie hier am Urftsee, in das Talsperren-System. Dennoch, so der WVER, sei die Trinkwasserversorgung nicht in Frage gestellt. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Eifel – „Das Wasserwirtschaftsjahr von Anfang November 2010 bis Ende Oktober 2011 zeigte sich in seinem Niederschlagsverhalten teilweise deutlich abweichend von den langjährigen Mittelwerten. So gelangten durch Regenfälle und die Schneeschmelze von November 2010 bis Januar 2011 überdurchschnittliche Wassermengen in die Talsperren“, heißt es in einer Pressemitteilung des WVER. Besonders im Januar sei mehr als doppelt so viel Wasser zugeflossen als im langjährigen Mittel.

Die Monate Februar bis Mai seien dann besonders niederschlagsarm ausgefallen, was sich auch in deutlich geringeren Zuflüssen in die Stauseen bemerkbar gemacht habe.

Der WVER: „Selbst im relativ feuchten Sommer stiegen die Zuflüsse kaum, da dann der Niederschlag von der Vegetation verdunstet wird und nicht in die Seen gelangt. Nach dem Sommer waren wiederum überdurchschnittlich trockene Monate September und Oktober zu verzeichnen.“  Aber auch der November 2011 und damit der Beginn des wasserwirtschaftlichen Folgejahres habe sich durch übergroße Trockenheit ausgezeichnet.  Dies habe zu einem deutlichen Zuflussdefizit in die Stauanlagen geführt, die jedoch trotzdem zu jedem Zeitpunkt ihre wasserwirtschaftlichen Aufgaben in Bezug auf Mindestabgaben an den Unterlauf bzw. die Trinkwasserversorgung hätten erfüllen können.

Bereits im Spätsommer ragten die Hänge des Rursees immer weiter aus dem Wasser heraus. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Bereits im Spätsommer ragten die Hänge des Rursees immer weiter aus dem Wasser heraus. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Der WVER zeigte sich bei seiner Verbandsversammlung zuversichtlich: „Trotz des optisch geringen Füllstandes der Stauanlagen kann aber auch im kommenden Jahr die wasserwirtschaftliche Aufgabenerfüllung gewährleistet werden, selbst wenn ein erneutes Jahr mit geringen Zuflüssen erfolgen sollte. Das Talsperrensystem ist darauf ausgelegt, ein Doppeltrockenjahr zu überstehen.“

Zahlreiche Tätigkeiten des WVER waren im Berichtszeitraum ausgeführt worden. Dazu gehörte beispielsweise eine Entkrautungsaktion im Eiserbachsee der Rurtalsperre Schwammenauel. An der Oleftalsperre wurde zudem der Ablaufpegel erneuert. Und im Obersee der Rurtalsperre bei Rurberg eine neue Steganlage eingebracht.

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
Verrückte Bootsleute gesucht

Die Talsperren dienen auch der Energiegewinnung, indem das Wasser nicht einfach durch die Grundablässe abgelassen, sondern dabei über Turbinen geführt wird. Lediglich an der Wehebachtalsperre fehlte diese Möglichkeit noch. Die Abgabe von bis zu maximal 200 Litern in der Sekunde machte eine wirtschaftliche Energiegewinnung in der Vergangenheit dort nicht möglich. Dank verbesserter Technik konnte dort nun eine Miniturbine eingesetzt werden, die umgerechnet Strom für bis zu 100 Haushalte liefern kann.

Für die Schifffahrt wurde es im Herbst immer enger; die Landzungen wurden zunehmend breiter. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Für die Schifffahrt wurde es im Herbst immer enger; die Landzungen wurden zunehmend breiter. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Das Thema Energie wurde auch durch die Absicht des Unternehmens Trianel zum Bau eines Pumpspeicherkraftwerks in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Dazu soll auf dem Gebiet der Gemeinde Simmerath ein Gegensee angelegt werden, der dann im Verbund mit dem Hauptsee der Rurtalsperre als Pumpeicher dienen könnte.

„Der WVER als Besitzer des Rursees muss dabei die Standsicherheit und die ungestörte Erfüllung der bisherigen wasserwirtschaftlichen Aufgaben und Nutzungen der Stauanlage sicherstellen“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Der WVER befasste sich auch im Berichtsjahr in Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung Köln an der Umsetzung der europäischen Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie. Diese sieht unter anderem bis 2013 die Erstellung von Hochwassergefahrenkarten vor. Bis 2015 sollen daraus entsprechende Hochwasserrisikomanagementpläne entwickelt werden. Im Verbandsgebiet des WVER sind dazu 33 Gewässer zu betrachten. Der WVER, so heißt es in der Pressemitteilung, verbessert auch konkret den Hochwasserschutz in seinem Verbandsgebiet.

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie sieht vor, das – unter Einbeziehung möglicher Verlängerungszeiträume – bis zum Jahre 2027 ein „guter Zustand“ der Gewässer erreicht werden soll. Dabei liegt das Hauptaugenmerk dank eines funktionierenden Gewässerschutzes und des Betriebs von leistungsstarken Kläranlagen weniger auf der biologischen und chemischen Güte der Gewässer, sondern vielmehr auf der Gewässerstruktur, die vor allen Dingen durch Begradigungsmaßnahmen in der Vergangenheit in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
Verrückte Bootsleute gesucht
Das Wasser zog sich immer weiter zurück, hier und da wurden mittlerweile die Grundmauern einstiger Bauernhöfe freigelegt, die dem Stausee einst weichen mussten. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Das Wasser zog sich immer weiter zurück, hier und da wurden mittlerweile die Grundmauern einstiger Bauernhöfe freigelegt, die dem Stausee einst weichen mussten. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Im Berichtsjahr wurde mit der Erstellung der Umsetzungsfahrpläne für notwendige Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur begonnen. Dazu wurden in regionalen Kooperationen insgesamt 13 Planungsbereiche im Einzugsgebiet der Rur festgelegt, in denen insgesamt 26 Workshops durchgeführt wurden und werden. Dieser Arbeitsschritt soll im April 2012 abgeschlossen sein.

Eine konkrete Maßnahme, die in diesem Zusammenhang im Berichtsjahr geplant wurde, ist die Renaturierung eines Wurmabschnitts in Übach-Palenberg. Dort soll es zu einer Laufstreckenverlängerung von 30 % kommen. 50.000 Kubikmeter Retentionsraum im Rahmen des vorausschauenden Hochwasserschutzes werden zudem geschaffen. Die Kosten von 1,6 Millionen Euro werden mit 80 % durch das Land NRW bezuschusst.

Mit der Errichtung von drei Faultürmen und einem Blockheizkraftwerk, die im Jahre 2010 offiziell in Betrieb genommen wurden, kann der WVER den Energie- und Wärmebedarf der Kläranlage Düren zum großen Teil selbst decken und sich damit vom Zukauf externer Energie unabhängig machen.

Der Wasserverband Eifel-Rur reinigte in allen seinen Anlagen im Jahr 2010 129,76 Mio. Kubikmeter Abwasser. In den letzten Jahren hat sich eine Menge von ca. 130 Mio. Kubikmeter als Durchschnitt stabilisiert. Lediglich die Jahre 2007 und 2008 fielen als nassere Jahre mit über 140 Mio. Kubikmeter gereinigten Abwassers aus dem Rahmen.

Bei seiner diesjährigen Verbandsversammlung legten der Verbandsratsvorsitzende Paul Larue, Bürgermeister der Stadt Düren, und der Verbandsvorstand Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Firk den Verbandsdelegierten ihre Berichte über die Aktivitäten des abgelaufenen Jahres vor. Bild: WVER
Bei seiner diesjährigen Verbandsversammlung legten der Verbandsratsvorsitzende Paul Larue, Bürgermeister der Stadt Düren, und der Verbandsvorstand Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Firk den Verbandsdelegierten ihre Berichte über die Aktivitäten des abgelaufenen Jahres vor. Bild: WVER

Die Reinigungskosten für einen Kubikmeter Abwasser lagen im Verbandsschnitt im Jahr 2010 bei 0,73 Euro und damit einen Cent über dem Vorjahreswert. Dabei entfielen 45 % auf Investitionen und 55 % auf Löhne, Energie, Instandhaltungen, Kauf von Betriebsmitteln und Entsorgungskosten.

Das Wasser ist einer Reihe von Mikroverunreinigungen ausgesetzt, die aus Industrie- und Haushaltschemikalien, Waschmittelinhaltsstoffen, Körperpflegemitteln, Arzneimitteln, Röntgenkontrastmitteln, Hormonen Veterinärpharmaka, Futterzusatzstoffen, Korrosionsschutzmitteln, Bioziden, Herbiziden, Insektiziden und Fungiziden stammen. Neben punktförmigen, lokalisierbaren Eintragsquellen wie Kläranlagen, die Pharmaka, Hormone und Biozide eintragen, erfolgt die Gewässerverunreinigung auch aus diffusen Quellen wie Straßen, Bahntrassen, undichten Kanälen, Mischwasserüberläufen, der Tierhaltung und der Schifffahrt, aber auch durch die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln.

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
Verrückte Bootsleute gesucht

Das Umweltbundesamt fordert die Einführung einer 4. Reinigungsstufe auf Kläranlagen, um die dort anfallenden Mikroverunreinigungen herauszufiltern. Der dafür zu treibende technische Aufwand würde nach Schätzungen den Preis für einen gereinigten Kubikmeter Abwasser um ca. 10 – 20 Cent erhöhen. Eine Realisierung der 4. Reinigungsstufe brächte jährliche Mehrkosten für die Abwasserreinigung von ca. 15 bis 30 Prozent mit sich.

Der Wirtschaftsplan 2012 wird ein Volumen von 204.216.305 Euro umfassen. Dabei entfallen 139.414.645 Euro auf den Erfolgsplan und 64.801.660 Euro auf den Vermögensplan. Der WVER konnte im Berichtsjahr seinen Schuldenstand weiter von 499 auf 488 Mio. Euro abbauen. Einer Neukreditaufnahme von 22 Mio. Euro stand eine Tilgung von 33 Mio. Euro entgegen. Die Eigenkapitalquote liegt bei ca. 25 %.

Der Wasserverband Eifel-Rur ist ein Flächenverband, der für seine kommunalen, gewerblichen und industriellen Mitglieder wichtige Aufgaben der Wasserwirtschaft wie Abwasserreinigung, Hochwasserschutz, Fließgewässerunterhalt sowie den Betrieb von Talsperren verrichtet. Dazu verfügt er über 44 Kläranlagen und betreibt 727 damit in funktionalem Zusammenhang stehende Sonderbauwerke. Außerdem betreut er 1.900 Kilometer Fließgewässer und unterhält sechs Talsperren in der Nordeifel. Zur Sicherung des lokalen Hochwasserschutzes verfügt er über 50 Hochwasserrückhaltebecken. (epa)

Quelle: Wasserverband Eifel-Rur

 

Kommentar verfassen