Im Portrait: Markus Mertgens

Markus Mertgens ist Geschäftsführer der neugegründeten Beteiligungsgesellschaft „KEVER“, in der Eifeler Bürger, Kommunen, Institutionen und Unternehmen wirtschaftlich von der Energiewende profitieren und gleichzeitig einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten können

Der Dreiborner Markus Mertgens ist Geschäftsführer von KEVER. Die Beteiligungs-gesellschaft ermöglicht Bürgern, Kommunen und Investoren eine Beteiligung an Erneuerbare-Energien-Projekten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Der Dreiborner Markus Mertgens ist Geschäftsführer von KEVER. Die Beteiligungs-gesellschaft ermöglicht Bürgern, Kommunen und Investoren eine Beteiligung an Erneuerbare-Energien-Projekten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Eifel – Kaum ein anderes Thema bestimmt das Leben des 43-jährigen Markus Mertgens aus Dreiborn so sehr wie das Thema Energie. Und das nicht erst, seitdem die Bundesregierung die Energiewende eingeleitet hat. „Ich habe mich schon vor meinem Versorgungstechnik-Studium sehr intensiv für sämtliche Fragen rund um die Energieerzeugung und die Energieversorgung interessiert“, erzählt er.

Nach seiner Schulzeit in Schleiden und seinem Studium arbeitete er zwölf Jahre lang bei der Regionalgas Euskirchen. Er absolvierte ein Zusatzstudium zum Wirtschaftsingenieur und wechselte 2006 zur Energie Nordeifel („ene“). In diese Zeit fielen weitere Fortbildungen wie die zum Europäischen Energiemanager und zum Energiewirtschaftsmanager. Heute ist Markus Mertgens Prokurist und technischer Leiter bei der „ene“.

„Mir haben vor allem die Zukunftsvisionen der Energie Nordeifel gefallen“, erklärt er selbst seinen Schritt vom Gas-  ins Stromgeschäft. Vor allem das postulierte Ziel, die Eifel bis 2030 autark mit Grünstrom versorgen zu wollen, reize ihn derzeit. Denn in den Erneuerbaren Energien sieht er eine Riesenchance für die Eifel: „Noch haben wir es ja quasi selbst in der Hand, ob wir uns Windkraftanlagen von Unternehmen vor die Nase setzen lassen, die mit der Eifel nichts zu tun haben und die hier nur ihren Profit schöpfen wollen, oder ob wir die regenerative Energieversorgung selbst organisieren.“

Bei der Einweihung des ersten KEVER-Projektes, einem der größten Solarkraftwerke Nordrhein-Westfalens, erläuterte Markus Mertgens die verschiedenen Möglichkeiten für einen grünen Energiemix aus der Region. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Bei der Einweihung des ersten KEVER-Projektes, einem der größten Solarkraftwerke Nordrhein-Westfalens, erläuterte Markus Mertgens die verschiedenen Möglichkeiten für einen grünen Energiemix aus der Region. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Als daher die Idee geboren wurde, eine eigene regionale Beteiligungsgesellschaft zu gründen, die mit Eifeler Beteiligung regenerative Projekte planen und umsetzen soll, war Mertgens sogleich mit von der Partie. „Die Energie Nordeifel war schon lange vor Fukushima auf dem richtigen Weg und hat wie 2010 mit dem Sun Park Herhahn geschehen bereits vorher in regenerative Energieprojekte investiert“, erinnert Mertgens. Wenn Eifeler für Eifeler planen und bauen, dann bedeute dies aber vor allem, dass die Werte, die man hier schöpfe, auch vor Ort wieder verteilt werden.

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Wenn man die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes Anteil bei den erneuerbaren Energien nehmen lasse, dann ändere sich auch etwas in ihren Köpfen. „Wenn ich weiß, dass die Windräder, die sich am Ortsausgang drehen, für meinen Energiebedarf da sind und mir sogar noch Gewinn verschaffen, dann habe ich natürlich einen ganz anderen Bezug zu ihnen, als wenn sie einem Investor aus dem Ausland gehören und das Kapital aus der Region abfließt“, so Mertgens.
Um die Energiewende gelingen zu lassen, müsse man neben der regenerativen Energieerzeugung selbstverständlich auch Energie effizienter einsetzen. Auch auf diesem Feld hat sich der Schleidener bereits bewährt. So war er mit dabei, als bei der Energie Nordeifel das Energieeffizienz-Produkt „Effektron“ aufgelegt wurde.

Grüner Energiemix

Ein erstes großes Projekt haben die „KEVER“ und ihr noch junger Geschäftsführer bereits vorzuweisen: Kürzlich wurde der „Sun Park Kalenberg“ eröffnet, die mit 3,8 MWp derzeit zweitgrößten Freiland-Photovoltaikanlage in Nordrhein-Westfalen. 15.708 Photovoltaikmodule liefern rund 3,6 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. Das entspricht dem Stromverbrauch von knapp 1000 Familien. Darüber hinaus werden so jährlich 2400 Tonnen Kohlendioxid eingespart, die bei konventioneller Stromerzeugung entstehen würden. Partner der KEVER war in diesem Fall die Stadt Mechernich. „Neben den Kommunen sind aber auch  Bürger, Institutionen und Unternehmen aufgerufen, sich aktiv an Projekten zu beteiligen. Und selbstverständlich setzen wir auf regionale Banken“, so Mertgens.

Beim Start des "Sunpark Kalenberg": Markus Mertgens (rechts). Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Beim Start des „Sunpark Kalenberg“: Markus Mertgens (rechts). Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Allein mit Photovoltaik, so ist sich Mertgens sicher, ist die Energiewende jedoch nicht zu machen. Derzeit steht die KEVER daher in intensiven Gesprächen mit gleich mehreren Städten und Gemeinden der Region, um gemeinsam mit einer breiten Bürger- und Kommunalbeteiligung auch in Windkraft zu investieren. „Windenergie hat einen geringen Flächenbedarf bei hoher Leistung, und nach der Bauphase kann das Areal wieder landwirtschaftlich genutzt werden. Auch hier kann man sich als Bürger oder Kommune beteiligen und von der Energiewende profitieren“, so Mertgens. Zu schaffen sei die Energiewende letztlich aber nur mit einem grünen Energiemix.

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Der „Fairwert“

Anstossen auf sonnige Zeiten beim ersten KEVER-Projekt. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Anstossen auf sonnige Zeiten beim ersten KEVER-Projekt. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Wichtig für das Selbstverständnis von „KEVER“ sei es, dass nicht nur diejenigen, die Anteile an der Beteiligungsgesellschaft erwerben, von den regenerativen Energieprojekten profitierten, sondern die ganze Region. Denn „KEVER“-Projekte schaffen Arbeit vor Ort für die Menschen, die hier leben, und bieten auch noch der kommenden Generation attraktive Ausbildungsplätze auf europäischem Spitzenniveau an. „Damit wirken wir auch ein Stück weit dem Demografiewandel entgegen“, so Mertgens. Bei einer Beteiligung von Kommunen kämen darüber hinaus die Einnahmen jedem Bürger zugute. „Wir haben dafür den Begriff ‚Fairwert‘ geprägt“, so Mertgens.

Denn Hauptziel der „KEVER“ sei es, kommunale, regionale und privatwirtschaftliche Interessen miteinander zu versöhnen. Das heißt: Es muss zum einen Akzeptanz für Erneuerbare Energien geschaffen und zum anderen müssen faire Verträge für Planung, Bau und Betrieb von Energiegewinnungsanlagen ausgehandelt werden. „Dabei sind vor allem die Belange der Bürger und der Natur zu berücksichtigen. Denn die Natur ist neben den Erneuerbaren die wohl wichtigste Ressource in der Eifel“, so Mertgens.

Markus Mertgens: „Hauptziel der „KEVER“ ist es, kommunale, regionale und privatwirtschaftliche Interessen miteinander zu versöhnen.“ Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Markus Mertgens: „Hauptziel der „KEVER“ ist es, kommunale, regionale und privatwirtschaftliche Interessen miteinander zu versöhnen.“ Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Er selbst gibt zu, dass die Windkraftanlagen bei Dreiborn, die er von seinem Haus aus sehen kann, ihn zunächst auch irritiert hätten. „Windkraftanlagen haben aber den Vorteil, dass man sie in kürzester Zeit vollständig zurückbauen kann“, gibt er zu bedenken. Realisiert werden könne eine reine Grünstromversorgung allerdings nur, wenn mit dem Ausbau der Erneuerbaren auch gleichzeitig Speichermöglichkeiten für Strom aus regenerativen Energien geschaffen werden. Aber auch hier, so Mertgens, tue sich derzeit sehr viel.

„Ich sehe gute Chancen darin, dass unsere Region nicht nur unabhängig von fossilen Energieträgern wird, sondern dass wir vielmehr auf Dauer auch unsere eigene Wirtschaftskraft vor Ort sichern, ja diese ausbauen und somit einen bedeutenden Beitrag zum Erhalt des Lebensstandards leisten“, zeigt sich Markus Mertgens zuversichtlich.

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www.kever-fairwert.de

Eifeler Presse Agentur/epa

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