„Kreis Euskirchen ist ein Erfolgsmodell“

Landrat Günter Rosenke lud an die 400 Gäste zum traditionellen Neujahrsempfang in das Kreishaus ein und bot einen informativen und zugleich auch unterhaltsamen Rückblick auf 40 Jahre Kreisgeschichte –  Nachrichtenvideo dazu hier klicken 

An die 400 Gäste konnte Landrat Günter Rosenke im Euskirchener Kreishaus zum Neujahrsempfang begrüßen. Bild: Tameer Gunnar Eden
An die 400 Gäste konnte Landrat Günter Rosenke im Euskirchener Kreishaus zum Neujahrsempfang begrüßen. Bild: Tameer Gunnar Eden

Euskirchen – Wenn Landrat Günter Rosenke Anfang des Jahres zum Neujahrsempfang einlädt, dann kommen sie alle: Aus dem Flachland und aus den Bergen, aus den Eifeler Wäldern und den Städten, aus den fernen Grenzbezirken und der unmittelbaren Nachbarschaft eilen die Vertreter aus Politik, Kirche, Wirtschaft, Vereinen, Sozialverbänden, Behörden, Institutionen, Militär und Presse herbei, um sich traditionell gegenseitig ein gutes neues Jahr zu wünschen. In diesem Jahr stand zudem ein ganz besonderer Geburtstag an, denn der Kreis Euskirchen feiert 2012 sein 40-jähriges Bestehen.

In einer zugleich unterhaltsamen wie ebenso informativen Ansprache ließ der Landrat 40 Jahre Kreisgeschichte Revue passieren und erinnerte dabei vor allem an zahlreiche Kreisbürger, die am Aufbau des Kreises Euskirchen wesentlich mitgewirkt hatten. Viele davon, wie beispielsweise Alt-Landrat Josef Linden, Oberkreisdirektor a.D. Dr. Karl-Heinz Decker oder den langjährigen Kreisdirektor Fritz Schumacher konnte man am Donnerstagabend in den dichtgefüllten Reihen im großen Saal des Kreishauses erblicken.

Der Landrat (rechts) und seine Frau Karin ließen es sich nicht nehmen, jeden der knapp 400 Gäste persönlich zu begrüßen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Für den Landrat, der gemeinsam mit seiner Frau Karin jeden Gast persönlich begrüßte, war es bereits der 18. Neujahrsempfang. Rosenke hat damit selbst knapp die Hälfte der 40-jährigen Kreisgeschichte maßgeblich mitgestaltet. In seiner Ansprache betonte er, dass der Kreis Euskirchen heute „aus einem bunten Gemisch von Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, Nationen, Sprachen und Religionen“ besteht. Seit Ende der 80er Jahre seien zahlreiche Aussiedler im Kreis Euskirchen ansässig geworden. Dies habe dazu geführt, dass die Kreisbevölkerung mittlerweile aus Staatsangehörigen von 136 Staaten bestehe. Jährlich würden im Durchschnitt 250 Einbürgerungsanträge gestellt. „Diese Tatsache beweist: Die Menschen jedweder Herkunft, Religion oder Staatsangehörigkeit können sich hier bei uns auch ‚einfach wohlfühlen‘“, so Rosenke.

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Informativ und unterhaltsam zog der Landrat eine Bilanz des Kreises Euskirchen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Informativ und unterhaltsam zog der Landrat eine Bilanz des Kreises Euskirchen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Der Landrat machte klar, dass dieser Zuzug wichtig sei, vor allem, wenn man die demografische Entwicklung und den Fachkräftemangel berücksichtige, der sich insbesondere in ländlichen Regionen bemerkbar mache und in Zukunft noch deutlicher bemerkbarer machen werde. Rosenke: „Wir müssen es hinbekommen, dass es auch weiterhin Menschen außerhalb unserer Region und außerhalb unseres Landes in unseren Kreis zieht. Hierzu bedarf es neben wirtschaftlichen und logistischen Anreizen auch einer entschiedenen Position gegen rechtsradikale Tendenzen im Kreis.“

In seinem Rückblick erinnerte der Landrat an die ersten Kreistagswahlen am 23. April 1972, als Rudi Blaß zum ersten Landrat des Kreises Euskirchen gewählt wurde. Namen wie Peter Milz, Werner Schumacher, Alois Sommer, Dieter Mahlberg, Eduard Göring, Peter Schüller und Karl-Heinz Braun stünden stellvertretend für alle Abgeordneten der ersten Stunde.

Gewürdigt wurden auch die Vorgänger im Amt. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Gewürdigt wurden auch die "Männer der ersten Stunde" im Kreis Euskirchen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Wie sich allein die finanzielle Situation des Kreises Euskirchen in 40 Jahren verändert hat, machte Rosenke an einem kleinen Beispiel deutlich: Die Jahresrechnung 1972 wies ein Ausgabevolumen in einer Höhe von 67,6 Millionen DM, d.h. grob 34 Millionen Euro aus. Heute liegen die Ausgaben bei ca. 235 Millionen und haben sich damit versechsfacht. Hauptgrund für die drastisch gestiegenen Ausgaben liegen vor allem im Sozialbereich. „Diese machen aktuell 75 Prozent des Zuschussbedarfs des Kreishaushaltes aus“, so der Landrat. Dennoch betonte Günter Rosenke ausdrücklich, dass das Schaffen von Plätzen für Kinder in Kindergärten und die Fürsorge für Alte und Schwache „soziale Errungenschaften unserer Gesellschaft sind, die für klare Werte stehen.“

Rosenke wies darauf hin, dass im Kreis Euskirchen Menschen zahlreicher Nationen leben. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Rosenke wies darauf hin, dass im Kreis Euskirchen Menschen zahlreicher Nationen leben. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Die heutige Nummer eins bei den vielfältigen politischen Themen sei derzeit der Bereich Bildung. Der Landrat erinnerte daran, dass bereits im Jahre 1977 die Schule für behinderten Kinder, Sankt Nikolaus in Kall, in die Trägerschaft des Kreises überging und 1979 das Thomas-Esser-Berufskolleg an seiner jetzigen Stelle auf der Kommerner Straße in Euskirchen einquartiert wurde. Bezüglich der anvisierten Gesamtschule einiger Kommunen sagte der Landrat, dass man vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung nicht um eine kreisweite Schulentwicklungsplanung herum komme.

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Der Landrat zeichnete auch die Entwicklung der Gefahrenabwehr im Kreis nach und ließ eindrückliche Zahlen sprechen: „1978 kam es 4.300 Mal zu einem Rettungsdiensteinsatz im Kreisgebiet. Die Feuerwehr musste 350 Mal eingesetzt werden. Im Jahre 2010, 32 Jahre später, stehen 12.500 Rettungsdiensteinsätze, 5300 Notarzteinsätze und 7500 Krankentransporte zu Buche. Ganz zu schweigen von 1.400 Feuerwehreinsätzen im Kreisgebiet.“ Die Zahl der Kreisbediensteten bei der Gefahrenabwehr stieg denn auch von 24 im Jahre 1978 auf heute 100 hauptamtliche Einsatzkräfte sowie 4.500 nebenamtlich Tätige.

Landrat Günter Rosenke blickte während seiner Neujahrsansprache auf 40 Jahre Kreisgeschichte zurück. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Landrat Günter Rosenke blickte während seiner Neujahrsansprache auf 40 Jahre Kreisgeschichte zurück. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Ebenfalls Thema war die Kreismülldeponie, die sich im Laufe der Jahre zu einem hochmodernen, den Anforderungen der Zeit entsprechenden Abfallwirtschaftszentrum der Region entwickelt hat und die heute im Zuge der Diskussion um Regenerative Energie eine ganz neue Bedeutung erhält. Denn im Dezember 2011 beschloss der Kreistag den Bau einer Photovoltaikanlage auf dem ehemaligen Grubengelände. „Seit Mitte 2005 ist zwar bereits Schluss mit Lieferungen auf das Gelände, dafür erhalten wir bald Lieferungen von dem Gelände in den Kreis – und zwar sauberen Strom“, so Rosenke. Durch diese Maßnahme könne der  Kreis seinem eigenen Klimaschutzstreben gerecht werden und darüber hinaus noch Gewinne generieren.

Weiteres Thema war die Konversion Vogelsangs. Spontanen Applaus gab es, als in diesem Zusammenhang der ehemalige belgische Kommandant von Camp Vogelsang, Victor Neels, begrüßt wurde, der entscheidend zu einem positiven Verhältnis zwischen Eifeler Bevölkerung und belgischem Militär beigetragen hatte. Der Landrat dankte darüber hinaus seinem Allgemeinen Vertreter Manfred Poth als Aufsichtsratsvorsitzenden von „Vogelsang ip“ sowie dem gesamten Vogelsang-Team und bescheinigte diesem, hervorragend gearbeitet zu haben. „Die jetzt schon steigenden Besucherzahlen sowohl in Vogelsang als auch im Nationalpark sprechen hier eine deutliche Sprache“, so Rosenke.
Für die Zukunft mahnte der Landrat, dass in einer zusammenwachsenden Welt und einem zusammenwachsenden Europa „Kirchturmdenken“ keinen Platz mehr habe. „Als ländliche Region haben wir nur eine Chance, wenn wir uns zusammenschließen und uns als einheitliche Region vermarkten“, so Rosenke.

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Für seine Neujahrsansprache erhielt der Landrat von seinen Gästen großen Applaus. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
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Den Kreis Euskirchen nannte der Landrat abschließend ein „Erfolgsmodell“. Gerade in ländlich strukturierten Regionen wie dem Euskirchener Land mit den verhältnismäßig kleinen Städten und den unzähligen Dörfern sei eine Instanz wie der Kreis aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten alternativlos.

„Ich bin überzeugt, dass auch beim 50. Geburtstag des Kreises meine Nachfolger genau diese Aussage wieder treffen werden“, so der Landrat abschließend, der für seine Ansprache großen Applaus erhielt.
Anschließend wurden die Gäste von den Eifeler Landfrauen verköstigt, die ein Buffet mit „Eifeler Köstlichkeiten“ hergerichtet hatten. Für die musikalische Umrahmung des Abends sorgte die Band „Snowbird“.

Nachrichtenvideo dazu hier klicken 

Eifeler Presse Agentur/epa

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