Usutu-Virus: Amselbestand ging bundesweit um ein Drittel zurück

NABU hat Wintervogel-Zählung ausgewertet: Spatz ist häufigster Wintervogel  2012 – Allein im Kreis Euskirchen wurden von 210 Vogelfreunden in 154 Gärten 5948 Vögel aus 54 verschiedenen Vogelarten gezählt und gemeldet

Günter Lessenich vom NABU im Kreis Euskirchen gab jetzt die Ergebnisse der Vogelzählung bekannt. Bild: Günter Lessenich/NABU
Günter Lessenich vom NABU im Kreis Euskirchen gab jetzt die Ergebnisse der Vogelzählung bekannt. Bild: Günter Lessenich/NABU

Berlin-Euskirchen – Trotz Regens und teils stürmischem Wetter beteiligten sich erneut zahlreiche Vogelfreunde an Deutschlands größter Vogelzählung „Stunde der Wintervögel“. Nach der Auswertung von rund 40.000 Einsendungen mit mehr als 1,6 Millionen Vogelbeobachtungen legten der Naturschutzbund NABU und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) die Ergebnisse ihrer Mitmach-Aktion vor. Die Verbände hatten vom 6. bis 8. Januar dazu aufgerufen, alle Vögel zu melden, die sich innerhalb von einer Stunde in Gärten oder an Futterstellen blicken ließen.

Die bundesweite Zählung zeigt im zweiten Jahr der Aktion interessante Unterschiede zum vergangenen Jahr. So verlor die Kohlmeise ihren Spitzenplatz als häufigster Wintervogel unserer Städte und Dörfer an den Haussperling. Fast 250.000 wurden gemeldet.  Auf den Plätzen drei und vier folgen Blaumeise und Feldsperling.

Der Haussperling ist der häufigste Wintervogel 2012. Bild: C. König/NABU

Nach  Amseln hielten viele Vogelfreunde diesmal vergeblich Ausschau. Bundesweit ging deren Zahl um etwa ein Drittel zurück. Die Wintervogelzählung lässt damit Rückschlüsse auf das „Amselsterben“ im vorigen Sommer zu. Dabei wurden besonders im Südwesten Deutschlands auffallend viele tote Amseln gefunden und auch solche mit zerrupftem Kopfgefieder. Tropenmediziner hatten bei ihnen eine Infektion mit dem zuvor bei uns unbekannten Usutu-Virus nachgewiesen. Die Zählung im Januar zeigt nun einen deutlich reduzierten Winterbestand von Südwestdeutschland Richtung Nordosten. Mit 54 Prozent haben Amseln gegenüber dem Vorjahr am stärksten in Rheinland-Pfalz abgenommen, gefolgt von Hessen mit minus 43 Prozent und Baden-Württemberg mit minus 40 Prozent. Traurige Spitzenreiter sind in Hessen der Landkreis Bergstraße mit einem Verlust von 65 Prozent und Groß-Gerau von 55 Prozent, in Baden-Württemberg im Rhein-Neckar-Kreis büßte der Bestand 66 Prozent ein und in Heidelberg 70 Prozent.

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„Die Meldungen der Vogelfreunde sind ausgesprochen hilfreich und zeigen wie wertvoll diese Form von „Citizen Science“ für die Forschung sein kann“, betont NABU-Vogelschutzexperte Markus Nipkow. Die Viruskrankheit sei aber nicht die einzige Ursache für den Amselrückgang: „Das Frühjahr 2011 war in vielen Regionen extrem niederschlagsarm. Knochentrockener Boden erschwerte es den Amseln, an Regenwürmer heranzukommen. Der dadurch geringe Bruterfolg spiegelt sich nun ebenfalls im Winterbestand wieder“, so Nipkow.

Neben den hier heimischen Vögeln ließen sich auch typische Wintergäste aus dem Norden beobachten. Hier führen Bergfinken, Wacholderdrosseln und Erlenzeisige die Liste an. Die größten Schwärme an Bergfinken versammelten sich amnördlichen Rand der Schwäbischen Alb. Dort gelang die Beobachtung von mindestens hunderttausend dieser „Invasionsvögel“. In manchen Wintern entfliehen sie in Massen ihren nordischen Brutgebieten und durchstreifen dann in großen Schwärmen die milderen Regionen in Mittel- und Südeuropa. Hier fressen sie am liebsten Bucheckern, die sie auf dem Waldboden finden. Solange der Schnee ausbleibt, herrschen dann ideale Bedingungen für das Finkenvolk.Deutschlandweit wurden bei der Aktion „Stunde der Wintervögel“ insgesamt 1.649.781 Vögel aus mehr als 145 verschiedenen Arten von 57267 Vogelfreunden aus 39544 Gärten gemeldet.

Ergebnisse aus dem Kreis Euskirchen

Rechtzeitig zum Beginn der „Stunde der Wintervögel“ war wenigstens Sturmtief „Andrea“ das über weite Teile Deutschlands gefegt war,  die Puste ausgegangen, so  Günter Lessenich vom Naturschutzbund (NABU)  Euskirchen. Meisen, Spatzen und Rotkehlchen konnten sich wieder aus der Deckung wagen. Im Vorfeld der Aktion hatten zahlreiche Vogelfreunde beklagt, es kämen in diesem Winter kaum Vögel an die Futterstellen im Garten. Doch der erste Tag der Zähl-Aktion im Kreis relativiert diese Beobachtung: Mit 74 Vögeln gegenüber 89 Vögeln  im Vorjahr wurde ein leichter Rückgang verzeichnet. Das Jahr 2012 begann mit ungewöhnlich frühlingshaften Temperaturen. „Über zehn Grad sind im Januar nicht gerade die Regel“, so Günter Lessenich. Solange Vögel noch in Wald, Feld und Gärten noch genügend zu fressen finden, kämen sie weniger an die Futterstellen, so Lessenich weiter.

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Das wirkt sich auch auf die Vogelzählung aus. Es wurden daher von 210 Vogelfreunden in 154 Gärten aus 54 verschiedene Vogelarten 5948 Vögel gezählt und gemeldet. Im Vergleich nahmen im vorigen Jahr  239 Vogelfreunde in  156 Gärten teil. Es wurden 65 Vogelarten gesichtet, und 7564 gezählt. Die Zählergebnisse aller Vogelarten im Kreis Euskirchen können Sie auf der NABU Euskirchen Internetseite  www.nabu-euskirchen.de  nachlesen.

„Zu den Besonderheiten des Winters zählen seit einiger Zeit auch Zugvögel, die unsere Breiten im Winter normalerweise verlassen, wie Mönchsgrasmücke und  Hausrotschwanz“, berichtet Lessenich.  Trotz der milden Temperaturen habe sich der Überwinterungstrend dieser Arten diesmal nicht fortgesetzt. Lessenich: „Wie bereits im letzten Winter ist kein nennenswerter Einflug nordischer Gäste zu verzeichnen. Seidenschwänze kommen nur in wenigen Exemplaren vor und die Bergfinkenschwärme sind vergleichsweise klein.“

Vom 11. bis 13. Mai folgt die Schwesteraktion „Stunde der Gartenvögel“, bei der die Brutvögel des Landes im Mittelpunkt des Interesses stehen.

(Quelle: NABU)

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