„Zwentibolds Erben“ kamen mit Zylinder und „Bibi“

Dauerausstellung mit Bildern von Friedrich Schulte, die Ansichten der Stadt Bad Münstereifel und Porträts um 1900 zeigt, wird zwei Jahre zu sehen sein

Die Damen des Vereins "Zwentibolds Erben" hatten sich eigens für die Ausstellungseröffnung fein herausgeputzt. Bild: Peter Schallenberg/Zwentibiolds Erben
Die Damen des Vereins "Zwentibolds Erben" hatten sich eigens für die Ausstellungseröffnung fein herausgeputzt. Bild: Peter Schallenberg/Zwentibiolds Erben

Bad Münstereifel – Friedrich Schulte wäre sicher begeistert: Weit über hundert seiner Fotos aus dem Münstereifel um 1900 sind seit der Eröffnung der Ausstellung „DAMALS vor 100 Jahren“ im Seniorenhaus-Marienheim in Bad Münstereifel zu bewundern. Von seinem Nachlass aus über 400 Glasnegativplatten und Positiven wählten Wolfram Erber und Norbert Schroeteler die schönsten und interessantesten aus, die sie innerhalb von zwei Jahren digital aufbereitet haben. Dazu verfassten sie informative Texte. Der Kultur- und Geschichtsverein Zwentibolds Erben e.V. präsentiert nun die wertvollen Dokumente der Vergangenheit im Marienheim in einer Dauerausstellung für zwei Jahre.

„Zur Eröffnung der Ausstellung waren nicht nur zahlreiche Senioren, sondern auch ca. 15 Mitglieder von Zwentibolds Erben in zeitgenössischer Ausstattung der Jahrhundertwende erschienen“, berichtet Peter Schallenberg, Pressesprecher von „Zwentibolds Erben“. Gehrock, wallende Kleider der Damen aus guter Gesellschaft, groß dimensionierte Hüte, Gehstock und Zylinder oder „Bibi“ seien nicht zu übersehen gewesen. Wolfram Erber, Vorsitzender des Vereins, habe sich im Rahmen einer „virtuellen Stadtbegehung“ mit projizierten historischen Fotos als kundiger Stadtführer erwiesen. Mit launigen Kommentaren ging es vom alten Krankenhaus aus – dem heutigen Seniorenhaus-Marienheim – kurzweilig durch die Stadt: „Der Schreiner in der Langenhecke könnte mal wieder die Gasse kehren! Eben erst wurde das Vieh dort zum Schlachthof getrieben – und wie sieht es jetzt wieder aus!“.

So sah das Münstereifeler Rathaus um 1900 aus. Repro: Peter Schallenberg/Zwentibold Erben
So sah das Münstereifeler Rathaus um 1900 aus. Repro: Peter Schallenberg/ Zwentibold Erben

Bernd Bünger, mit unvergesslicher Bart-„Frisur“, hielt die Laudatio und dankte Norbert Schroeteler und Wolfram Erber für ihr besonderes Engagement bei dieser Ausstellung.
Die Leiterin des Seniorenhauses, Beate Hörter, freute sich über die herrlichen Fotos in ihren Räumen und hob das besondere Interesse der Bewohner hervor. Sie fand, dass „es keinen besseren Platz für diese Aufnahmen geben könne.“ Bürgermeister Alexander Büttner  lobte das Engagement von „Zwentibolds Erben“ und begrüßte die Zusammenarbeit des jungen Vereins mit anderen Vereinen der Stadt.

Der Buchdrucker und Verleger Schulte 1867 in Westfalen geboren, kam nach einer vierjährigen Ausbildung als Buchdrucker und achtjähriger Tätigkeit als Gehilfe im Buchdruckgewerbe nach Münstereifel und wurde 1893 Herausgeber und Verleger der „Münstereifeler Zeitung“. Im Zuge des anwachsenden Fremdenverkehrs begann er die Stadt und seine Umgebung mit großen Plattenkameras zu fotografieren. Er baute seinen Verlag zum Postkartenverlag aus, um Lichtbilder auch als Postkarten zu verkaufen.

Aus Schultes Nachlass von über 400 Glasnegativplatten und Positiven wählten Wolfram Erber und Norbert Schroeteler die schönsten und interessantesten aus. Bild: Peter Schalölenberg/Zwentibold Erben
Aus Schultes Nachlass von über 400 Glasnegativplatten und Positiven wählten Wolfram Erber und Norbert Schroeteler die schönsten und interessantesten aus. Bild: Peter Schalölenberg/Zwentibold Erben

Neben der Stadt, ihren Gebäuden und Straßen, sind als Fotomotive auch die Münstereifeler Städter und die Familie Schulte in ihrem bürgerlichen Umfeld zu sehen. Da gerade das „Jahr der Stadtmauer“ in Bad Münstereifel ausgerufen wurde, sind die Bilder der Tore und der Befestigung von besonderem Interesse. Mit dieser Ausstellung wird nun erstmalig das Werk Friedrich Schultes umfassend gewürdigt.
Interessenten können Abzüge von den hervorragenden Lichtbildern käuflich erwerben, ebenso gibt es eine informative Broschüre, die das Wesentliche der Ausstellung zusammenfasst.
Die Ausstellung im Marienheim, Langenhecke 24, kann täglich von 11 bis 18 Uhr  besucht werden. Der Eintritt ist frei, Spenden, auch für den geplanten Historienweg „Münstereifel um 1900“ in der Kernstadt mit 21 Fototafeln von Schulte, sind erwünscht.

So sah der Mann hinter der Kamera aus: Der Verleger und Fotograf Friedrich Schulte. Bild: Peter Schallenberg/Zwentibolds Erben
So sah der Mann hinter der Kamera aus: Der Verleger und Fotograf Friedrich Schulte. Bild: Peter Schallenberg/ Zwentibolds Erben

Der Bad Münstereifeler Kultur- und Geschichtsverein Zwentibolds Erben ist gut zwei Jahre alt und hat ca. 60 Mitglieder. Für seine vielen Aktivitäten, z. B. den Tag der Führungen: „Erlebnis Mittelalter“ am Pfingstsonntag oder den beliebten Hauskonzerten, sucht er noch Mitstreiter.

Weitere Informationen unter www.zwentiboldserben.jimdo.com oder bei Peter Schallenberg unter 02253/8229.

(Quelle: Zwentibolds Erben)

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