Wanderer, Mountain-Bike-Fahrer und Ski-Langläufer können für die Tierwelt ein großer Störfaktor sein

Günter Lessenich vom NABU Kreisverband Euskirchen gibt Tipps, wie man sich bei Eis und Schnee gegenüber den Tieren richtig verhält

Eiszeit am Zülpicher See: Stockenten, Reiherenten und andere Wasservögel kuscheln jetzt gegen die Kälte. Bild: Günter Lessenich/NABU
Eiszeit am Zülpicher See: Stockenten, Reiherenten und andere Wasservögel kuscheln jetzt gegen die Kälte. Bild: Günter Lessenich/NABU

Kreis Euskirchen – Während sich die meisten Menschen gegen die derzeitige Kälte recht gut wappnen können, haben Tiere bei den andauernden Temperaturen im Minusbereich doch deutlich mehr Probleme, warm und vor allem am Leben zu bleiben. „Bei einigen häufigen Arten wirkt sich diese natürliche Auslese unterm Strich positiv aus, da die Populationen auf ein gesundes Maß schrumpfen. Diejenigen Arten allerdings, die besonders unter der Zerstörung ihres Lebensraumes zu leiden haben, können durch die Kälte an den Rand des Aussterbens gebracht werden“, weiß Günter Lessenich vom Naturschutzbund NABU Kreisverband Euskirchen.

Zusätzliche Beeinträchtigungen durch die Menschen, die oft unbeabsichtigt verursacht werden, sollten deshalb soweit wie möglich vermieden werden. Der Mechernicher hat daher ein paar Hinweise für die Bürger zusammengestellt, was in Feld und Flur derzeit unbedingt zu beachten ist.

„Für die Tiere des Feldes, wie Rebhuhn und Feldhase sind vor allem Wanderer, Mountain-Bike-Fahrer und Ski-Langläufer ein großer Störfaktor: Müssen sie nämlich mehrmals am Tag aus ihrer Deckung fliehen, dann verbrauchen sie ihre Energiereserven und können an Erschöpfung sterben“, so Lessenich. Deswegen seine Bitte, an Hecken, Böschungen, Wald- und Gewässerränder mindestens einen Abstand von 30 Metern zu wahren.

Rostgänse sind seit einigen Jahren nur in starken Wintern Wintergäste des Zülpicher Sees. Da die Tiere jetzt zum Teil wenig Nahrung finden und sehr schreckhaft sind, bittet Lessenich Jogger, Spaziergänger und Hundebesitzer, sich ruhig zu verhalten und einen Mindestabstand von ca. 20 Metern zum Ufer des Sees  und den Wegränder der angrenzenden Felder  einzuhalten. Ansonsten könnte es sein, dass die Vögel die Flucht ergreifen und damit rasch ihre gespeicherten Energiereserven aufzehren.

Auch Rostgänse halten sich derzeit am Zülicher See auf. Bild: Günter Lessenich/NABU
Auch Rostgänse halten sich derzeit am Zülicher See auf und brauchen ihre Ruhe. Bild: Günter Lessenich/NABU

Sofern die Seen zufrieren, sind besonders die Eisläufer zur Rücksichtnahme aufgerufen: „Auf naturnahen und flachgründigen Wasserflächen wird die unter dem Eis ruhende Tierwelt stark beunruhigt. Viele dieser Wassertiere vermögen nur durch ihren geringen Energie- und Sauerstoffbedarf die winterlichen Zeiten zu überstehen, denn in einem zugefrorenen See oder Teich ist neben Nahrung auch Sauerstoff Mangelware“, so der Naturexperte. Die gute Schallleitung von Wasser und Eis habe zur Folge, dass die Tiere durch die Erschütterung der kratzenden Geräusche der Schlittschuhkufen aufgeschreckt würden und so ihre raren Reserven verbrauchten. Die Folgen reichten bis hin zum Fischsterben, das dann allerdings erst nach dem Frost sichtbar werde. Lessenich bittet daher, kleine Teiche ganz und bei größeren Seen auf den Ufer- und Einlaufbereich zu verzichten.

„Nordischen Brutvogelarten wie die Schellenten nutzen den Zülpicher See und den einige Kilometer weiter entfernten Neffelsee als Überwinterungsgebiet. Schellenten sind kleine puppig wirkende Tauchenten mit großem Kopf. Die Verteilung von Schwarz und Weiß beim Männchen lässt keine Verwechslung mit bei uns gängigen Arten zu, zumal, wenn der weiße Wangenfleck sichtbar ist“, so Lessenich.

Die Besitzer von Scheunen und Schuppen in Schneelagen könnten darüber hinaus ganz unspektakulär etwas für Schleiereulen tun: Wenn der Schnee kommt, sind diese nämlich darauf angewiesen, ihre Nahrung dort zu finden. Deswegen sollte eine Luke oder ein Fenster offengelassen werden. Auch könnte im Giebel ein 12 x 20 Zentimeter großes „Eulenloch“ dauerhaft installiert werden.

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