Windkraft beinhaltet die größte regionale Wertschöpfung

Bürgermeister Pracht: „Nicht nur Grundstücke zur Verfügung stellen, sondern unternehmerischen Geist in der Eifel entwickeln“ – Ohne das Knowhow der regionalen Energieversorger ist Grünstrom-Autarkie unmöglich

Dieter Hinze (mit Mikrofon), Geschäftsführer der „ene“, lud die Kommunen ein, durch die Beteiligungsgesellschaft KEVER wirtschaftlich von der Energiewende zu profitieren. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Dieter Hinze (mit Mikrofon), Geschäftsführer der „ene“, lud die Kommunen ein, durch die Beteiligungsgesellschaft KEVER wirtschaftlich von der Energiewende zu profitieren. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Nettersheim –  Gut 180 interessierte Zuhörer überwiegend aus Rat und Verwaltung sowie aus Verbänden, Vereinen und Institutionen des Kreises Euskirchen waren am Mittwochabend in das Naturschutzzentrum Nettersheim gekommen, um sich auf Einladung der Bezirksregierung Köln und des Kreises bei einem Wirtschaftsforum über Chancen der Windenergie zu informieren.

Regierungspräsidentin Gisela Walsken, die die Moderation übernahm, machte in ihrer Ansprache deutlich, dass die Windenergie für die strukturschwache Region der Eifel besonders lohnenswert sei, da die Eifel zu den windreichsten Regionen in NRW zähle.

Etwa 180 Zuschauer interessierten sich für die Zukunft der Eifel in Bezug auf Windenergie. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Etwa 180 Zuschauer interessierten sich für die Zukunft der Eifel in Bezug auf Windenergie. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Welche bedeutende Rolle die Windenergie im Kreis Euskirchen schon heute spielt, darüber informierte Landrat Günter Rosenke mit beeindruckenden Zahlen: „130,66 GWh Strom wurden allein 2009 aus Windenergieanlagen erzeugt. Dies sind gut 13 Prozent des Gesamtstromverbrauches im Kreis Euskirchen und knapp 70 Prozent des gesamten aus erneuerbaren Energien erzeugten Stroms“, so der Landrat.

Insgesamt seien 2009 im Kreis 98 Windenergieanlagen mit einer Leistung von insgesamt knapp 94 MW installiert gewesen. Beantragt sei darüber hinaus die Installation von weiteren Anlagen mit einer Leistung von insgesamt knapp 7 MW.

Chancen für die Kommunen, Beteiligung der Bürger, so umriss Landrat Günter Rosenke Möglichkeiten der Windkraft in der Eifel. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Chancen für die Kommunen, Beteiligung der Bürger, so umriss Landrat Günter Rosenke Möglichkeiten der Windkraft in der Eifel. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

„Mehr und mehr Windparks werden geplant, das Repowering älterer Parks, bzw. die Planung hierfür, läuft intensiv, die Kommunen sehen Chancen, durch den Ausbau erneuerbarer Energien zusätzliche Einnahmen zu erzielen“, so Günter Rosenke.

Besonders die Beteiligung der Bürger an den Gewinnen der Windenergieanlagen könne sich positiv auf deren Akzeptanz auswirken.

Wilfried Pracht, Bürgermeister der Gemeinde Nettersheim, kritisierte, dass derzeit vor allem Investoren von außerhalb auf die Kommunen zukämen, um in Windkraft zu investieren und mahnte: „Die Wertschöpfung sollten wir in der Region halten.“ Man solle vor Ort nicht nur die Grundstücke zur Verfügung stellen, „sondern auch den unternehmerischen Geist in der Eifel entwickeln“. Dann sei man auf dem richtigen Weg. Wenn die Energieversorger der Region an diesem Prozess beteiligt würden und mitwirkten, dann gäbe es auch für die Kommunen ganz andere Renditemöglichkeiten. Darüber hinaus ermunterte er alle Bürger, sich in die Diskussionen rund um Windkraft mit einzubringen und auch bei der Planung mit den Naturschützern vor Ort intensiv zusammenzuarbeiten, damit man von Anfang an gute Ergebnisse erziele.

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
E-Mobilisten können jetzt am Gemünder „Eifel-Chalet“ Grünstrom tanken
Gastgeber Wilfried Pracht (l.), Bürgermeister der Gemeinde Nettersheim, plädierte für maximale Wertschöpfung für die Region und nicht für auswärtige Investoren. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse
Gastgeber Wilfried Pracht (l.), Bürgermeister der Gemeinde Nettersheim, plädierte für maximale Wertschöpfung für die Region und nicht für auswärtige Investoren. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse

„Die maximale Wertschöpfung besteht darin, dass wir die Geschäfte selbst in die Hand nehmen, dazu sind wir in der Lage, weil wir mit unseren regionalen Energieversorgern strategische Partner an der Hand haben. Wenn Städte, Gemeinden und auch der Kreis sich gemeinsam mit den Energieversorgern auf den Weg machen, dann reden wir nicht nur über Pachteinnahmen, dann reden wir über das ganze Geschäft, und das muss unser Auftrag und unsere Aufgabe auch im Sinne des Klimaschutzes sein“, so Prachts eindeutiges Plädoyer.

Wie die kommunale Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien aussieht, darüber referierte Jan Dobertin von der Landesarbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energien NRW. Der Experte verwies besonders auf drei Bestandteile: Erstens die kommunalen Steuereinnahmen resultierend aus Gewerbe- und Einkommensteuer, zweitens die Gewinne „nach Steuern“ und drittens die Nettoeinkommen von Beschäftigten.

Für die regionale Wertschöpfung plädiert auch Jan Dobertin. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse
Für die regionale Wertschöpfung plädiert auch Jan Dobertin. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse

„Der wesentliche Wertschöpfungseffekt wird jedoch generiert durch den Betrieb einer Anlage während ihrer 20-jährigen Laufzeit und macht gut Zweidrittel der gesamten Wertschöpfung aus“, so Dobertin. Allein 2010 hätten die kommunalen Wertschöpfungseffekte bei Erneuerbaren Energien bei gut 9,2 Milliarden Euro gelegen. Besonders Wertschöpfungspotenzial besitze dabei die Windenergie aufgrund des „effizienten Verhältnisses von installierter Leistung und Fläche“. Wichtig sei es vor allem, die Bürger aus der Region an den Projekten aus Erneuerbaren Energien partizipieren zu lassen, „damit die Investition aus der Region kommt und die Wertschöpfungseffekte auch in der Region verbleiben“, so Dobertin. Darüber hinaus sei es wichtig, dass der Sitz der Betreibergesellschaft vollständig am Standort sei.

Auch Dobertin ließ deutliche Zahlen sprechen: Bei einer Investitionssumme von 3,8 Millionen Euro in eine Windkraftanklage, flössen 10 Prozent (380.000 Euro) ins lokale Handwerk, jährliche Instandsetzungsleistungen machten noch einmal 66.000 Euro aus, und die Gewerbesteuer läge 20 Jahre lang bei 5000 bis 10.000 Euro pro Jahr und Megawatt installierter Leistung. Eventuelle Pachteinnahmen schlügen noch einmal mit 8500 Euro pro Jahr und Megawatt zu Buche.

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
Herausforderung Digitalisierung im Groß- und Einzelhandel
Steht für Grünstromversorgung durch den regionalen Energieversorger: Dieter Hinze, Geschäftsführer der Energie Nordeifel. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Steht für Grünstromversorgung durch den regionalen Energieversorger: Dieter Hinze, Geschäftsführer der Energie Nordeifel. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Dieter Hinze, Geschäftsführer der Energie Nordeifel („ene“), warf ein, dass auch Energie aus Windkraft nicht das Ende des technischen Fortschritts bedeute. Es könne durchaus möglich sein, dass man die Windkrafträder in 50 Jahren komplett abreiße, weil man bis dahin ganz andere Technologien zur Energieerzeugung besitze. Wenn man in Zukunft aber einmal zur technologischen Weltspitze gehören möchte, dann sollte man jetzt die Chance nutzen und sich dementsprechend aufstellen. „Denn wenn wir jetzt den Zug verpassen, werden wir zu einem Schwellen- und Entwicklungsland in Europa und in völlige Bedeutungslosigkeit versinken“, so Dieter Hinze.

Wichtiger jedoch als die Investition in Erneuerbare Energien sei zunächst einmal die Vermeidung von Energieerzeugung. Die „ene“ schlage daher nicht nur den Weg ein, die Region bis 2030 mit Grünstrom versorgen zu wollen, sondern seit 2009 kümmere man sich auch um Energieeffizienz und berate Unternehmen, wie diese Strom einsparen könnten.

Eine Versorgung mit Grünstrom, so ließ Hinze deutlich werden, ist ohne die regionalen Energieversorger wohl kaum zu machen. Denn dass Strom- und Gasgeschäft, so ließ er durchblicken, ist längst kein Großhandelsgeschäft mehr, sondern werde an der Börse geregelt und bedürfe einer Kompetenz, die derzeit nur die Versorger besäßen. Bei einem Wechsel von Grau- auf Grünstrom werde man ohne Experten erst recht nicht auskommen.

Die Moderation des Windenergie-Wirtschaftsforums übernahm Regierungspräsidentin Gisela Walsken. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Die Moderation des Windenergie-Wirtschaftsforums übernahm Regierungspräsidentin Gisela Walsken. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Die Energie Nordeifel wolle bei der Energiewende auf jeden Fall dabei sein und habe sich daher für eine kommunale Beteiligung geöffnet. „Die Beteiligung von Kommunen ist die beste Möglichkeit, die Wertschöpfung auch kommunal zu verteilen“, so Hinze. Bereits heute lasse die Energie Nordeifel einen Auftragswert von zehn Millionen Euro in der Region. Acht Kommunen hätten bereits ihr Interesse bekundet, sich an der „ene“ zu beteiligen. Dieter Hinze appellierte in diesem Zusammenhang an die Regierungspräsidentin Gisela Walsken, auch jenen Kommunen eine Teilhabe zu ermöglichen, die sich haushaltstechnisch derzeit nicht im grünen Bereich befänden.

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
ene-Unternehmensgruppe übernahm Patenschaft für hölzernen Doppelzweier

Mit der „KEVER“ habe man neuerdings eine Projekt-, Betriebs- und Beteiligungsgesellschaft geschaffen, die im Bereich der Erneuerbaren Energieprojekte Vorfinanzierung leiste und Bürgern, Kommunen und Unternehmen eine Teilhabe an diesen Projekten biete. Bereits jetzt könne man bis zu 38 Prozent Grünstrom liefern.

Dr. Rüdiger Böngeier von der enveco GmbH referierte über den Windmasterplan im Kreis Steinfurt. Dort könnte durch sinnvolle kreisweite Planung von neuen Anlagen die eingespeiste Strommenge verdoppelt werden, während sich durch Maßnahmen wie Repowering die Anlagenzahl von momentan 220 auf 160 reduzieren könnte.

Josef Tumbrinck, Vorsitzender NABU NRW, plädiert für Windkraft mit Augenmaß - nach sorgfältiger ökologischer Prüfung könnten auch Windräder im Wald sinnvoll sein. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Josef Tumbrinck, Vorsitzender NABU NRW, plädiert für Windkraft mit Augenmaß - nach sorgfältiger ökologischer Prüfung könnten auch Windräder im Wald sinnvoll sein. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Josef Tumbrinck, Vorsitzender des Naturschutzbunds (NABU) in Nordrhein-Westfalen, erklärte, dass der NABU die Energiewende mittrage und den Ausbau der erneuerbaren Energie positiv begleite ebenso wie den Ausbau von Speichertechnologien. „Wir verstehen uns als Naturschutzverband als Wächter, die aber neben dem berechtigten Ausbau der regenerativen Energien auch die Biodiversität im Auge haben“, so Tumbrinck. Auch Windkraftanlagen im Wald lehne man nicht grundsätzlich ab, da es in waldreichen Gebieten wie der Eifel unter Umständen Offenlandflächen gebe, deren Erhalt weitaus wünschenswerter sei als manche Waldfläche.

Grundsätzlich mahnte der Naturschützer jedoch eine saubere Planung an, die die Belange des Naturschutzes genauestens abwägen solle, ansonsten werde man es sich vorbehalten, solche Windkraftzonen über eine Verbandsklage auch weg zu klagen. „Das ist unser scharfes Schwert, aber gleichzeitig auch das letzte Mittel, das wir nur anwenden, wenn es wirklich nicht anders geht“, so Tumbrinck.

Eifeler Presse Agentur/epa

Sorry, there are no polls available at the moment.

Ein Gedanke zu „Windkraft beinhaltet die größte regionale Wertschöpfung“

Kommentar verfassen