Warnung vor erhöhten Hanta-Virus-Infektionen in diesem Jahr

Nach dem Mastjahr 2011 vermehrt sich die Rötelmaus rasant, sie gilt als Überträger des Virus – Grippeähnliche Symptome mit Fieber und Kopfschmerzen

Nachdem Buchen und Eichen im letzten Jahr wieder besonders viele Früchte trugen (Vollmast) steigen die Rötelmauszahlen und damit die mögliche Hantavirius-Infektion beim Menschen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Nachdem Buchen und Eichen im letzten Jahr wieder besonders viele Früchte trugen (Vollmast) steigen die Rötelmauszahlen und damit möglicherweise die Hantavirius-Infektion beim Menschen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Kreis Euskirchen – Nachdem erst kürzlich das Schmallenberg-Virus im Kreis Euskirchen auftauchte und der NABU Kreisverband ein Amselsterben aufgrund des Usutu-Virus beklagte, sehen Wissenschaftler und Forstbehörden jetzt Anzeichen für ein möglicherweise vermehrtes Auftreten von Hantavirus-Infektionen in diesem Jahr. Darauf weist jetzt eine gemeinsame Mitteilung des Julius-Kühn-Instituts, des Robert-Koch-Instituts und des Friedrich-Löffler-Instituts sowie des Nationalen Konsiliarlaboratoriums für Hantaviren an der Charité hin.

„Diese vor allem von Rötelmäusen übertragene Infektionskrankheit verläuft meistens mild mit grippeähnlichen Symptomen, in Einzelfällen kann es allerdings zu schweren Verlaufsformen mit Nierenfunktionsstörungen kommen, die durch Dialyse behandelt werden müssen“, heißt es in der Pressemitteilung. Buchen und Eichen vor allem in Baden-Württemberg, Hessen, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Thüringen trugen laut den Forstbehörden im letzten Jahr besonders viele Früchte („Vollmast“), was zu steigenden Rötelmauszahlen führen könnte.

Das Friedrich-Loeffler-Institut und das Julius Kühn-Institut stellten in einer Studie in Baden-Württemberg im Herbst des vergangenen Jahres zudem eine hohe Rötelmausdichte fest, die in diesem Jahr zu einer massenhaften Vermehrung führen könnte. Das Robert Koch-Institut verzeichnet in den letzten Monaten auch einen Anstieg der nach Infektionsschutzgesetz an die Gesundheitsämter gemeldeten Hantavirus-Infektionen beim Menschen.

„In den meisten Jahren folgt auf einen Erkrankungsgipfel im Sommer ein Rückgang der Infektionen, der jedoch im vergangenen Herbst und Winter ausblieb. Vor dem Hantavirus-Ausbruchsjahr 2010 war zum Jahreswechsel 2009/2010 ein ähnliches Phänomen beobachtet worden“, heißt es weiter. Betroffen seien insbesondere wieder Regionen mit bekannten Hantavirus-Endemiegebieten (z.B. die Schwäbische Alb, der Bayerische Wald, der Raum Osnabrück, das Münsterland).

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Hantavirusinfektionen, so die Pressemitteilung weiter, seien in Deutschland seit Mitte der 1980er Jahre bekannt. Seit Einführung der Meldepflicht für humane Hantavirusinfektionen im Jahr 2001 seien durchschnittlich etwa 500 Fälle pro Jahr gemeldet worden. Europaweit erhobene Daten zeigten, dass in periodischen Abständen von 2 bis 3 Jahren mit einer deutlich erhöhten Anzahl von Infektionen zu rechnen sei.

„In Deutschland wurden in den Jahren 2007 und 2010 mit 1688 und 2017 Fällen solche Zunahmen der Infektionen beobachtet. Diese Ausbrüche wurden vor allem durch ein Puumalavirus genanntes Hantavirus hervorgerufen, das von der Rötelmaus auf den Menschen übertragen wird“, heißt es auf der Homepage des Friedrich-Löffler-Instituts.  Die Ursachen für die starken Schwankungen der gemeldeten Fälle seien unklar. Wahrscheinlich sei ein Zusammenhang mit der Populationsgröße der Rötelmäuse und deren Durchseuchung mit Hantaviren gegeben.

Starke Fruchtbildung (Mast) bei Buchen und anderen relevanten Baumarten spiele für die Populationsdynamik der Nagetiere eine zentrale Rolle. Ein durch die Buchenmast erhöhtes Nahrungsangebot verbessere die Überlebenswahrscheinlichkeit von Rötelmäusen im Winterhalbjahr. In extremen Fällen könne es sogar zu einer Vermehrung im Winter mit entsprechend großen Nagetierpopulationen zu Beginn des folgenden Jahres kommen.

„Diese Ausgangspopulationen können sich dann ab Frühjahr weiter fortpflanzen und bei entsprechender Durchseuchung mit Hantaviren den Ausgangspunkt für Humaninfektionen darstellen“, so die Pressemitteilung.

Krankheitsverlauf

Die Hantavirus-Erkrankung beim Menschen beginne mit abrupt ansteigendem Fieber, Kopfschmerz und Schmerzen im Bereich des Rückens und Bauches. Oft träten auch Sehstörungen auf. Bei schweren Verläufen komme es an den Folgetagen häufig zu Blutdruckabfall und Störungen der Funktion innerer Organe, insbesondere der Nieren. Bei der ärztlichen Blutuntersuchung fielen eine Verminderung der Blutplättchen (Thrombozyten) und eine Erhöhung des Serumkreatinins auf, im Urin ließen sich oft Eiweiß und rote Blutkörperchen nachweisen. Nach Überstehen der klinisch kritischen Phase heile die Krankheit in der Regel folgenlos aus.

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„Eine spezifische Diagnostik erfolgt durch Nachweis von Antikörpern gegen das Hantavirus im Blut. Von besonderer Bedeutung für die Erforschung der Infektion ist die Analyse des genetischen Materials des Virus, das im Blut des Patienten nur in den ersten 1 bis 3 Krankheitswochen vorkommt. Behandelnde Ärzte und Diagnostiklabore werden gebeten, dazu mit dem Nationalen Konsiliarlaboratorium für Hantaviren an der Charité Kontakt aufzunehmen“, so die Pressemiteilung abschließend.

Weitere Hinweise und Tipps zur Prävention enthält das Merkblatt „Informationen zur Vermeidung von Hantavirus-Infektionen“, welches auf der Homepage von Charité, FLI, JKI und RKI erhältlich ist. Darin erfährt man, dass die Viren von infizierten Nagern über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden werden. Der Mensch infiziert sich über den Kontakt mit Ausscheidungen von infizierten Nagern oder wenn kontaminierter Staub aufgewirbelt und die Erreger eingeatmet werden. Die Viren sind in der Umwelt relativ stabil. Daher ist zur Ansteckung kein direkter Kontakt mit den Nagern notwendig. Eine Infektion durch Bisse von infizierten Nagern ist ebenfalls möglich.

Das Merkblatt kann man auch hier herunterladen.

www.fli.bund.de

www.rki.de

www.jki.bund.de

www.charite.de

(Quelle: Friedrich-Löffler-Institut)

 

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