Weil die Männchen zu schwach sind, spielen nur die Damen Fußball

Flohzirkus aus dem 19. Jahrhundert kommt zum 18. „Jahrmarkt anno dazumal“ nach Kommern

Attraktion auf dem "Jahrmarkt anno dazumal": Hinter diesen Türen spielen die Flöhe Fußball. Bild: Uli Benz

Mechernich-Kommern – „Fifine“ bekommt auf dem „Jahrmarkt anno dazumal“ im LVR-Freilichtmuseum Kommern ernstzunehmende Konkurrenz. Die imaginäre Flohdame, die Künstler „Gilbert“ seit Jahren auf dem Museumsrummel mit Salto mortale ins Wasserbecken springen lässt, wird in diesem Jahr von leibhaftigen Kolleginnen besucht: Europas ältester noch existierender Floh-Zirkus wird mit seinen Hundeflohdamen auf dem Jahrmarkt zugegen sein.

Hinter der hölzernen Schaubudenfassade, die von 1948 stammt, lässt sie der Zirkusprinzipal Robert Birk in einem alten Schaustellerwagen Kutschen ziehen oder im „Damenfußball“ Tore schießen. Dass nur Flohweibchen in Birks Manege dürfen, hat mit ihrer Eignung zu tun: Flohmännchen sind für die Darbietungen zu klein und zu schwach.

„Seit rund sieben Jahren lässt Robert Birk seine Flöhe springen und ziehen – aber nur auf wenigen Jahrmärkten im süddeutschen Raum. Auf dem Münchner Oktoberfest war der Flohzirkus auch schon vor Birks Zeiten zu sehen, 1948 hatte er dort zum ersten Mal unter der Leitung der Familie Mathes gastiert“, berichtet der stellvertretende Museumsleiter Dr. Michael H. Faber.

Dieser Floh spielt Karussell. Bild: Uli Benz

Die wiederum habe den Zirkus damals gerade vom hochbetagten Roloff Otava übernommen, weil dessen Augen bei der Vorführung der Flöhe einfach nicht mehr mitmachen wollten. Ottava, Betreiber eines größeren Wanderzirkus, hatte den Flohzirkus im 19. Jahrhundert gegründet. Er war wohl der erste unter seinen Kollegen, der kleine Wagen aus Kupferblech anfertigte, um sie von seinen Flöhen ziehen zu lassen. Der Gründer des Flohzirkus soll auch Lehrer vieler anderer Flohdompteure gewesen sein. Unter dem Namen Rolof gastierte er mit seinem Zirkus in vielen Ländern Europas, bereiste auch Marokko, Indien und Argentinien und soll sogar Sondervorstellungen vor Sultanen, Königen und Papst Leo XIII. gegeben haben.

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„Dass der älteste Flohzirkus Europas im Restaurierungszustand 1948 nunmehr für den Jahrmarkt im LVR-Freilichtmuseum Kommern gewonnen werden konnte, ist eine kleine Sensation“, freut sich Faber. Auf dem Jahrmarkt werde er in Nachbarschaft weiterer Schaustellergeschäfte aus demselben Zeitraum stehen: einer Geisterbahn und einer Bratwurstbude von 1949 sowie eines der schönsten historischen Kinder-Autokarussells Deutschlands aus dem Jahr 1951.

Der 18. „Jahrmarkt anno dazumal“ beginnt am Karsamstag, 7. April, dauert bis einschließlich Sonntag, 15. April und ist täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet (Museumsöffnung um 9 Uhr).

Für Erwachsene gilt der normale Museumseintrittspreis von 5,50 Euro. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Die Parkgebühr beträgt 2,50 Euro. Wer in originaler Kleidung der Kaiserzeit (um 1900) kommt, erhält freien Eintritt. Voraussetzung ist allerdings die rechtzeitige Zusendung eines Bewerbungsfotos mit der Kleidung an kommern@lvr.de.

Das gesamte Jahrmarktprogramm sowie Informationen zur Anreise mit dem ÖPNV finden sich unter www.kommern.lvr.de.

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