„Zurück zum vergessenen Murmelspiel“

Der Künstler Merlin Flu präsentiert Bilder, Gedichte und Meditationen

Der Künstler Merlin Flu hat ein neues Buch mit Bildern und Lyrik veröffentlicht. Archivbild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Der Künstler Merlin Flu, hier mit seiner Frau Christine, hat ein neues Buch mit Bildern und Lyrik veröffentlicht. Archivbild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Schleiden – Hartmut Schirrmacher alias Merlin Flu hat einen neuen Band mit Gedanken und Gedichten vorgelegt. Das Besondere daran: Der Künstler hat das Bändlein reich illustriert mit seinen Aquarellen, Acrylgemälden und seinen berühmten Kaffeegemälden, bei denen Kaffeesatz auf eine Leinwand aufgetragen und anschließend mit dem Bunsenbrenner bearbeitet wird. Allein die Illustrationen sind die 11,90 Euro für das Buch bereits wert. Zu den Bildern gesellen sich mystische Botschaften, Visionen von Hoffnung, Liebe und Glauben, von Leiden, Ohnmacht und Glück, die ähnlich wie seine Bilder aus dem Moment entstanden sind, gewissermaßen als spontane Eingebung.

Die erweiterte Neuauflage des Bandes „Kunstgedichte“ aus dem Jahr 2000 mit Tagebuch-Auszügen und neuen Gedichten, so Merlin Flu selbst über sein neues Werk,  will dem Leser authentische Einblicke in die Gedankenwelt eines Surrealisten vermitteln.

Die Kunstgedichte von Merlin Flu sind ab sofort erhältlich.
Die Kunstgedichte von Merlin Flu sind ab sofort erhältlich.

Der 1948 in Binzen in Süddeutschland geborene Hartmut Schirrmacher zeigt sich auch zwölf Jahre nach dem Erscheinen seiner ersten Kunstgedichte noch immer als Lebenskünstler voller überbordender Kreativität. Trotz seiner Erkrankung an Multipler Sklerose lässt er sich als Künstler nicht unterkriegen, verfolgt nach wie vor die Ziele seiner Jugend und gründet sein künstlerisches Selbstverständnis ganz und gar auf Intuition und Spiritualität.

Das ist bei seinen Texten nicht viel anders als bei seinen Bildern. Auch hier fließen ihm Visionen und Emotionen quasi wie von selbst in die Feder, sind seine Gedanken im Kopf bereits fertig, bevor er sie aufs Papier schreibt. Seine Sprache ist stark bildgebunden. Man spürt deutlich, dass hier ein Maler denkt.

Während seine Bilder den Betrachter mit Phantasiewelten voller erotischer Frauengestalten und Fabelwesen verzaubern, kommen seine Texte zuweilen apokalyptisch daher, spenden aber auch immer wieder Trost inmitten grauer Wirklichkeit.

Nicht nur in seinen Gemälden, auch in seinen Objekten hat sich Merlin Flu eine ganz eigene und unverwechselbare Kunstsprache geschaffen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Nicht nur in seinen Gemälden, auch in seinen Objekten hat sich Merlin Flu eine ganz eigene und unverwechselbare Kunstsprache geschaffen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Manchmal auch tauchen ganz unvermittelt Botschaften an den Leser auf, die ein Stück weit das Selbstverständnis des Künstlers reflektieren. Da heißt es beispielsweise mitten in einem Gedicht: „Hallo ihr sterblichen Zeitwesen -/Dort zwischen den grauen Schluchten.//Ich bin da und zeige euch den Weg/Zurück zum vergessenen Murmelspiel.“

Diese Verse dürften die Intention des Künstlers am deutlichsten widerspiegeln, nämlich den Betrachter seiner Bilder und den Leser seiner Texte zurückzutragen in jedes Phantasiereich, aus dem sie als Kinder vertrieben wurden. Für Merlin Flu scheint dieses Phantasiereich der erste und letzte Zufluchtsort des Lebens zu sein, an dem Geborgenheit und Freiheit gleichermaßen herrschen und sich gegenseitig bereichern.

Eifeler Presse Agentur/epa

Merlin Flu: Kunstgedichte II. Mit zahlreichen Abbildungen. Books on Demand: Norderstedt, 2012, 64 Seiten. ISBN 9783844817164. 64.

 

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