Bevölkerung soll für die Geschichte der Kaller Juden sensibilisiert werden

Benefizkonzert mit Rolly Brings und Pia Fridhill bei der „Energie Nordeifel“ – In Kall soll an 23 jüdische Bürger erinnert werden, die während der NS-Zeit deportiert wurden – Schüler des Hermann-Josef-Kolleg Steinfeld und des Berufskolleg Eifel leisteten im Vorfeld wichtige Recherchearbeit

Die Akteure vom Arbeitskreis „Stolpersteine“ laden für Freitag, 1. Juni, zu einem Open-Air-Benefizabend auf dem Gelände der Energie Nordeifel ein. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Die Akteure vom Arbeitskreis „Stolpersteine“ laden für Freitag, 1. Juni, zu einem Open-Air-Benefizabend auf dem Gelände der Energie Nordeifel ein. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Kall – Mit zahlreichen Stolpersteinen soll in der Gemeinde Kall an jüdische Mitbürger erinnert werden, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt beziehungsweise ermordet wurden. Bislang konnten bereits 23 Menschen ermittelt werden, die in Kall ansässig waren und während der NS-Zeit deportiert wurden.

Der Pastoralreferent für das Netzwerk Kirche im Nationalpark Eifel, Georg Toporowsky, erinnerte sich während einer Pressekonferenz im Kulturraum der Energie Nordeifel („ene“) jetzt an die Anfänge zu dieser Idee: „Mit der kirchlichen Veranstaltung ‚Weg der Erinnerung‘ haben wir im November 2010 erstmals an die jüdischen Bewohner in Kall erinnert“, berichtete er. Man habe sogar eine Überlebende zu dieser Veranstaltung einladen können. Einige Politiker hätten daraufhin mehr über die Geschichte der jüdischen Mitbewohner wissen wollen. Gemeinsam habe man daraufhin einen Arbeitskreis gegründet, um dieses düstre Kapitel der Kaller Geschichte aufzuarbeiten.

Die beiden Schülerinnen Charlotte Breidenich und Carolin Sons (v.l.) vom Hermann-Josef-Kolleg Steinfeld berichteten von den Ergebnissen der Recherchen ihres Geschichtskursus. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Die beiden Schülerinnen Charlotte Breidenich und Carolin Sons (v.l.) vom Hermann-Josef-Kolleg Steinfeld berichteten von den Ergebnissen der Recherchen ihres Geschichtskursus. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Elvira Scheuer und Ekkehard Fiebrich betonten, dass ihre Parteizugehörigkeit bei diesem Projekt keinerlei Rolle spiele. „Der Vorschlag, Stolpersteine zu verlegen, ist von Rat und Verwaltung einstimmig beschlossen worden. Anders als in anderen Kommunen gab es darüber auch keinerlei kontroverse politische Diskussionen“, so Fiebrich.

Der Erste Beigeordnete der Gemeinde Kall, Alfred Schmidt, konnte dies nur bestätigen. „Es muss uns allen wichtig sein, die Geschehnisse der Vergangenheit nicht zu vergessen, und wir müssen sie aufarbeiten, um uns auch in Zukunft an sie zu erinnern“, sagte er. Sowohl die Politik als auch die Verwaltung hätten sich zu diesem Thema eindeutig positioniert. So sei Kall auch dem „Eifeler Bündnis gegen Rechtsextremismus“ beigetreten. Die Mitarbeit im Arbeitskreis „Stolpersteine“ sei daher keineswegs nur eine „lästige Pflicht“.

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Wichtige Erinnerungsarbeit leisteten vor allem die Schülerinnen und Schüler des Zusatzkursus Geschichte am Hermann-Josef-Kolleg in Steinfeld. Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Nicole Dingmann hatten die 31 Schüler der Jahrgangsstufe 12 in mehreren Gruppen der Geschichte der Familie Nolting aus Kall mit ihren fünf Kindern nachgespürt. Dazu wurden Recherchen in den USA, in Schweden und in Köln angestellt. „Wir stießen schließlich auf eine Überlebende in Schweden“, berichteten die beiden Schülerinnen Charlotte Breidenich und Carolin Sons. Während eine Gruppe der Schüler sich um den Familienstammbaum der Noltings gekümmert habe, hätten sich andere Gruppen unter anderem mit dem Holocaust allgemein sowie mit der NS-Zeit in Kall beschäftigt. Die Schülerinnen und Schüler stifteten darüber hinaus selber einen Stolperstein, der gemeinsam mit den anderen Steinen Anfang September im Kernort von Kall verlegt werden soll.

Auch Schüler des Berufskollegs Eifel, dessen Schulgebäude direkt an den jüdischen Friedhof der Gemeinde grenzt, nahmen sich der Schicksale einiger Kaller Juden an.

„Die Stolpersteinaktion soll keine einmalige Sache werden“, berichtete Elvira Scheuer. „Wir  haben vielmehr vor, auch eine Broschüre über unsere Arbeitsergebnisse drucken zu lassen und weitere Recherchen anzustellen.“

Da der Arbeitskreis für all diese Dinge auch auf finanzielle Mittel angewiesen ist, wird es am Freitag, 1. Juni, ein Benefizkonzert geben. An diesem Tag werden zunächst ab 18 Uhr in einer Halle der Energie Nordeifel die Rechercheergebnisse der Schülerinnen und Schüler zu sehen sein. Danach werden diese noch bis Ende Juni in der VR-Bank und im Kaller Rathaus gezeigt. Ab 20 Uhr dann laden Rolly Brings und Pia Fridhill mit ihren jeweiligen Bands zu einem Open-Air-Konzert im Innenhof der „ene“ ein. Der Eintritt ist frei, es wird allerdings um eine Spende für die Stolperstein-Aktion gebeten. „Die Energie Nordeifel stellt für diesen Tag nicht nur eine Halle zur Verfügung, sondern auch eine Bühne, damit die Musiker eine würdige Plattform haben“, berichtete Sarah Kaspar von der „ene“. Rolly Brings stellt an diesem Abend Ausschnitte aus seinem unterhaltsamen Programm „Adam und Eva“ vor, und Pia Fridhill wird mit ihren Musikern eigene und schwedische Songs zum Besten geben. Für das Konzert wird um Anmeldung unter 02441/82-333 gebeten.

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Einig sind sich die Akteure darin, dass die Verlegung von Stolpersteinen, die auf die individuellen Lebensgeschichten der Juden vor Ort verweisen, wesentlich betroffener machen, als ein allgemeines Denkmal für die Opfer des nationalsozialistischen Terrors.

Eifeler Presse Agentur/epa

Ein Gedanke zu „Bevölkerung soll für die Geschichte der Kaller Juden sensibilisiert werden“

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