Bürger sagen dem geplanten Dorf-Zentrum ihre Unterstützung zu

Fragebögen zum Nahversorgungsbedarf im Kaller Höhengebiet wurden ausgewertet – Bürgermeister Radermacher: „Politik und Verwaltung stehen einmütig hinter dem Projekt“

Heinz Frey, Markus Auel, Karl Vermöhlen, Bürgermeister Herbert Radermacher, Hans Dieter Schäfer und Alexander Sobotta (v.l.) zeigten sich überzeugt, dass eine Nahversorgung in Kooperation mit den Bürgern möglich ist. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Heinz Frey, Markus Auel, Karl Vermöhlen, Bürgermeister Herbert Radermacher, Hans Dieter Schäfer und Alexander Sobotta (v.l.) zeigten sich überzeugt, dass eine Nahversorgung in Kooperation mit den Bürgern möglich ist. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Kall-Sistig – „Die Nahversorgung im Kaller Höhengebiet ist ohne bürgerschaftliches Engagement in Zukunft nicht aufrechtzuerhalten.“ Zu diesem deutlichen Urteil kam Heinz Frey vom mehrfach ausgezeichneten „DORV-Zentrum“ aus Jülich-Barmen, nachdem er jetzt die Fragebögen ausgewertet hatte, mit denen in den vergangenen Monaten der Nahversorgungsbedarf der Menschen in Sistig und den Kaller Höhengebieten abgefragt worden war.

Das Projekt wurde gemeinsam mit Alexander Sobotta, Regionalmanager der LEADER-Region-Eifel, auf den Weg gebracht und von der EU gefördert. Vor allem die beiden Ortsvorsteher Karl Vermöhlen und Hans Dieter Schäfer hatten sich für die Fragebogenaktion stark gemacht. Ihr Engagement zahlte sich aus, denn mit einer Rücklaufquote von 36 Prozent in Sistig und 17 Prozent in den Höhengebieten liegt man deutlich über der Durchschnittsquote von zwei bis drei Prozent, die bereits ausreicht, um aus einer Umfrage klare Tendenzen erkennen zu lassen.

Bürgermeister Herbert Radermacher gab zu bedenken, dass viele Bürger bei der Umfrage nicht mitgemacht hätten, weil sie die schleichende Gefahr einer wegbrechenden Nahversorgung noch gar nicht sähen. „Hier in Sistig beispielsweise sind wir eigentlich noch sehr gut aufgestellt, aber das kann morgen schon zu Ende sein“, so der Bürgermeister. Es sei weitaus schwieriger, eine einmal zusammengebrochene Nahversorgung wieder aufzubauen, als die Gegebenheiten jetzt anzunehmen und aus den momentanen Erkenntnissen heraus klare positive Signale an den örtlichen Mittelstand zu senden. „Wir haben es jetzt selbst in der Hand“, so Radermacher, der betonte, dass Politik und Verwaltung einmütig hinter dem Projekt einer ortsnahen Versorgung stünden und auch bereit seien, dafür finanzielle Mittel frei zu machen.

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Bürgermeister Herbert Radermacher appellierte an alle Bürger, sich aktiv für die Nahversorgung einzusetzen, bevor es zu spät sei. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Bürgermeister Herbert Radermacher appellierte an alle Bürger, sich aktiv für die Nahversorgung einzusetzen, bevor es zu spät sei. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Dass der Leidensdruck im Kaller Höhengebiet derzeit noch nicht allzu hoch ist, erkannte man auch an der Zuschauerzahl. Gut 40 Menschen waren in die Bürgerhalle nach Sistig gekommen. „In anderen Orten, wo die Nahversorgung schon fast komplett zusammengebrochen ist, sind es auch schon mal 200“, sagte Frey.

Die sehr umfangreichen Umfrage-Ergebnisse ermöglichen es nun, den Nahversorgungsbedarf der Kaller Höhengebiete festzuschreiben und daraufhin ein Nahversorgungskonzept zu erstellen. Klar wurde bei den Umfragen, dass ein solches Konzept von der Bevölkerung nicht nur mehrheitlich als eine „tolle Idee“ bewertet wurde, sondern dass man dem anvisierten neuen Dorf-Zentrum auch eine deutliche Unterstützung zusagte.

Die Umfrageergebnisse zeigten im Einzelnen, dass nur 5,9 Prozent der Haushalte in den Höhengebieten derzeit über kein Auto verfügen. Im Zuge des demografischen Wandels und der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft dürfte diese Zahl in den nächsten Jahren aber wohl deutlich steigen. Wichtig für die Nahversorgung sind den Bürgern sowohl in Sistig als auch in den Höhengebieten vor allem Ortsnähe, eine große Angebotspalette und regionale Produkte. Dabei ist man auch bereit, für die Produkte etwas tiefer in die Tasche zu greifen als beim entfernten Discounter, der nur mit dem Wagen zu erreichen ist. Wert legen die Bürger auf Frischwaren, auf Käse, Brötchen (auch am Sonntag), Fleisch vom Metzger und ein jahreszeitlich abgestimmtes Angebot an Obst und Gemüse. Die Bürger wünschen sich darüber hinaus eine kleine Poststelle sowie ein Bürgerbüro (ein „Laptop-Beamter“ würde ausreichen) mit geregelten Sprechzeiten. Bei den Dienstleistungen steht ein Geldautomat an oberster Stelle, gefolgt von einem Frisörsalon und einem Café.

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Heinz Frey vom „DORFV-Zentrum“ stellte die Ergebnisse der großen Umfrage in den Kaller Höhengebieten der Öffentlichkeit vor. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Heinz Frey vom „DORFV-Zentrum“ stellte die Ergebnisse der großen Umfrage in den Kaller Höhengebieten der Öffentlichkeit vor. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Damit die Menschen auch bis ins hohe Alter hinein in ihrem Dorf leben können, besteht des Weiteren ein Bedarf an Pflegediensten, Haushaltshilfen aber auch an Seniorenwohnungen. Denn viele Menschen könnten sich vorstellen, ihr Haus einmal zu verlassen, um in eine kleine Wohnung, die ebenfalls im Dorf liegt, umzuziehen.

Auch die medizinische Versorgung genießt einen hohen Stellenwert. Ein praktischer Arzt vor Ort und ein Apothekendienst sind den Menschen besonders wichtig, gefolgt von einem Physiotherapeuten und einem Fahrdienst. In Sachen ÖPNV wünschen sich die Bürger vor allem Busangebote. Hier schlug der Sistiger Ekkehard Fiebrig vor, über einen Bürgerbus nachzudenken, wie er auch in anderen Kommunen bereits ins Leben gerufen worden sei.

Grundsätzlich gehe es nun darum, dass Einkaufsverhalten der Bürger zu ändern, so Frey. Allein in Sistig hätten ein Viertel der Befragten angegeben, bereit zu sein, mehr im Dorf einzukaufen, vorausgesetzt die Produktpalette werde erweitert. Insgesamt, so rechnete Frey vor, betrage die Kaufkraft in Sistig und den Höhendörfern gut fünf Millionen Euro pro Jahr. „Es muss nun darum gehen, einen möglichst großen Teil dieser Summe hier vor Ort zu lassen, dann rechnet sich ein Dorf-Zentrum auch“, so Frey. Dazu müsse vor allem die vorhandene Nahversorgung gestärkt und das, was fehle, ergänzt werden.

Hans Dieter Schäfer und Karl Vermöhlen (v.l.) setzen sich engagiert für die Nahversorgung in den Kaller Höhengebieten ein. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Hans Dieter Schäfer und Karl Vermöhlen (v.l.) setzen sich engagiert für die Nahversorgung in den Kaller Höhengebieten ein. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Freys Fazit: „Die Möglichkeiten und Chancen für eine eigene Nahversorgung sind bei Ihnen deutlich gegeben, machen sie was draus!“ Letztlich gehe es schließlich auch darum, den eigenen Alterssitz in Wert zu halten. In Orten, wo die Grundversorgung fehle, sinke der Immobilienpreis gegen null. Im Osten Deutschlands würden bereits heute Häuser für einen Euro verkauft.

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Der Sistiger Ortsvorsteher Karl Vermöhlen machte sich vor allem für die Alte Schule in Sistig stark, die man zu einem Nahversorgungszentrum umbauen könne. „Die Schule wurde 1834 mit bürgerschaftlichem Engagement gebaut und mit dem selben Engagement könnten wir sie heute in ein Dorf-Zentrum umbauen, so würde sich der Kreis schließen“, sagte er.

Bürgermeister Herbert Radermacher appellierte schließlich noch einmal an alle Bürger, sich für die Nahversorgung stark zu machen und sich einzubringen. Es gäbe viel zu tun, und man könne jede Hand gebrauchen.

Eifeler Presse Agentur/epa

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