„Eifel soll Gesundheitsregion im Deutschlandtourismus werden“

Der 44-jährige Sven Zürneck leitet die Geschicke des neuen Projekts „Eifel präventiv“, bei dem die Stadt Bad Münstereifel sowie die Gemeinden Blankenheim, Dahlem und Nettersheim gemeinsam neue touristische Wege gehen

Der 44-jährige Sven Zürneck will als Projektmanager von „Eifel präventiv“ gemeinsam mit vier Kommunen und über 100 Eifeler Betrieben neue Pauschalangebote in Sachen Tourismus und Gesundheit entwickeln. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Der 44-jährige Sven Zürneck will als Projektmanager von „Eifel präventiv“ gemeinsam mit vier Kommunen und über 100 Eifeler Betrieben neue Pauschalangebote in Sachen Tourismus und Gesundheit entwickeln. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Eifel – Der Gesundheitstourismus ist im Kommen. Auch in der Eifel. Während man sich früher darauf beschränkte, Touristen zu werben, die dort einen Teil ihres Urlaubs verbringen sollten, um die Ruhe und die schöne Landschaft zu genießen, geht es heute weit mehr darum, neben der reinen Beherbergung auch Angebote zur Gesundheitsprävention anzubieten. Damit dieses von Anfang an ein koordiniertes Unternehmen wird, haben sich die Stadt Bad Münstereifel sowie die Gemeinden Blankenheim, Dahlem und Nettersheim zusammengetan, um in einem gemeinsamen Projekt unter dem Titel „Eifel präventiv“ Tourismus und Gesundheit zu vereinigen.

Kopf des Unternehmens ist der 44-jährige Sven Zürneck, der das vom Land NRW mit 320.000 Euro geförderte und zunächst auf drei Jahre befristete Projekt managt. Der Eigenanteil der Kommunen liegt bei 20 Prozent. Zürneck wurde 1967 in Darmstadt geboren. Nach seinem Abitur 1986 in Dieburg und einem 20 Monate währenden Zivildienst in einem Wohnheim für Behinderte absolvierte er eine Ausbildung als Reiseverkehrskaufmann im unterfränkischen Aschaffenburg. „Es handelte sich damals noch um ein echtes amtlich bayerisches Reisebüro“, erzählt Zürneck. „In den offiziellen Arbeitsrichtlinien gab es sogar einen Passus, der es ausdrücklich erlaubte, mittags ein Bier zu trinken, allerdings nur, wenn vorab eine Grundlage in Form von Speisen geschaffen wurde.“

Nach seiner Ausbildung gönnte er sich erst einmal eine kleine Auszeit. „Da mein Herz schon immer für das Thema Reisen schlug, flog ich nach Neuseeland, wo ich drei Monate lang mit dem Fahrrad unterwegs war und auf der Nord- und Südinsel insgesamt 4000 Kilometer zurückgelegt habe“, berichtet Zürneck.

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Das Angebot, ein kleines Reisebüro mit zwei Angestellten zu leiten, das ihn nach seiner Rückkehr erwartete, schlug er aus. Stattdessen schrieb er sich an der Trierer Universität für das Fach Fremdenverkehrsgeographie ein. Doch nach zwei Semestern war Schluss. „Ich hatte mir das alles ganz anders vorgestellt“, gibt Zürneck zu. Das Studium habe in keiner Weise seinen Erwartungen entsprochen. Von Trier trieb es ihn nach Frankfurt, wo er eine Zeitlang für die „Royal Brunei Airlines“ arbeitete, einer Fluggesellschaft aus Südostasien.  Danach ging es zu neuen Ufern nach Lüneburg, wo er sich 1994 für den Studiengang „Angewandte Kulturwissenschaften“ einschrieb, den er 2000 als Kulturwissenschaftler abschloss. Seine Schwerpunkte lagen in den Bereichen Sprache und Kommunikation, in der Sozial- und Kulturgeschichte sowie in der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit.

Reiseleiter und Lehrer

„Um mein Studium zu finanzieren, habe ich nebenbei immer gearbeitet“, erzählt Zürneck. Da er während seines Hauptstudiums in Hamburg lebte, war er abends und am Wochenende bei Hapag-Lloyd im Firmendienst tätig und arbeitete als Lehrer für Umschüler aus Mecklenburg-Vorpommern, die Reiseverkehrskauffrauen werden wollten. „Ich bereitete viele Frauen auf den IHK-Abschluss vor, die teilweise eine Biografie als Melkfrauen in der ehemaligen DDR hinter sich hatten.“ Die meisten bestanden die Prüfung. Darüber hinaus war Zürneck Reiseleiter in Syrien, Spanien, Griechenland und Italien.

Seine vielfältigen Erfahrungen im Bereich Tourismus kann Sven Zürneck im Projekt Eifel präventiv einfließen lassen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Seine vielfältigen Erfahrungen im Bereich Tourismus kann Sven Zürneck im Projekt Eifel präventiv einfließen lassen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Nach dem Studium leitete er zunächst in Bleckede die Tourist-Info und war zwei Jahre später Fachbereichsleiter Touristik in der „ElbSchloss“ Bleckede GmbH. „Damals startete ich gewissermaßen auch den ersten Versuch, Naturschutz und Tourismus zusammenzubringen“, erinnert sich Zürneck. Denn in Bleckede war auch die Verwaltung für den niedersächsischen Teil des Biosphärenreservats Niedersächsische Elbtalaue zu finden. „Meine Aufgabe war es, die Region mit anderen Partnern zusammen und so voranzubringen.“ So brachte er unter anderem den Elberadweg als Projekt mit auf den Weg. Darüber hinaus organisierte der mittlerweile verheiratete Vater von drei Kindern für das „ElbSchloss“ Bleckede Jazzfestivals und klassische Konzerte.

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Nach einer Umstrukturierung in der Tourist-Info ging es 2004 zunächst zur Lufthansa, wo Sven Zürneck Projektreferent für das Innovations- und Ideenmanagement der Fluggesellschaft wurde. „Wir haben quasi die damals vorherrschende Zettelwirtschaft der Lufthansa auf eine solide EDV-Basis gestellt“, sagt er. Das Projekt war jedoch nur auf ein Jahr befristet, und so machte sich Zürneck schon bald auf den Weg zur nächsten Herausforderung. Diesmal ging es zur „TUI4U“, einem jungen Internetportal des gleichnamigen Reiseunternehmens, wo Zürneck zweieinhalb Jahre lang an die 80 Mitarbeiter in Verkauf und Rhetorik schulte.

Als man ihm den Geschäftsführerposten der neu gegründeten Nordfriesland Tourismus GmbH anbot, die zuständig ist für die Region von der dänischen Grenze runter bis nach Husum, eine Region, in der man 400.000 Übernachtungen im Jahr zählt, sagte er nicht nein. „Die Arbeit dort hat mir sehr viel Spaß gemacht, und ich lernte vor allem, wie man EU-Fördermittel beantragt.“

Nach der Trennung von seiner Frau zog er nach Fulda. „Denn den November allein in Nordfriesland zu überstehen ist nicht einfach“, sagt er. In Fulda wurde er stellvertretender Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft „Deutsche Fachwerkstädte“ und betreute die „Deutsche Fachwerkstraße“, eine der großen touristischen Straßen Deutschlands, die von der Elbmündung bis zum Bodensee reicht. Seine Aufgabe war es hier vor allem, die rund 100 Kommunen, die entlang der Straße liegen, bei der Stange zu halten sowie die touristische Vermarktung der Fachwerkstraße voranzutreiben. In Fulda lernte Zürneck, dass man auch mit geringen finanziellen Mitteln viel erreichen kann. „Ich bin aber trotzdem froh, dass ich es in der Eifel nur mit vier statt 100 Kommunen zu tun habe“, sagt er lachend.

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Gegen 40 Mitbewerber durchgesetzt

Gesundheitsvorsorge und Tourismus angenehm zu kombinieren ist erklärtes Ziel von "Eifel präventiv". Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Gesundheitsvorsorge und Tourismus angenehm zu kombinieren ist erklärtes Ziel von „Eifel präventiv“. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Aufgrund seiner großen und vor allem vielfältigen Erfahrungen auf dem Tourismussektor hat sich Sven Zürneck denn auch beim Projekt „Eifel präventiv“ gegen gut 40 Mitbewerber durchgesetzt. „Der Gesundheitsbereich ist für mich zwar noch ein neues Feld, aber ich lerne jeden Tag dazu.“ So hat der 44-Jährige, der selbst ein begeisterter Wanderer und Radfahrer ist,  nach nur knapp drei Monaten im Amt bereits ein Drittel der gut 100 Betriebe besucht, die an „Eifel präventiv“ teilnehmen wollen. Neben dem Netzwerkmanagement, das die einzelnen Akteure zusammenbringen soll, geht es auch darum, dass sich das Projekt in der nächsten Zeit auf den unterschiedlichsten Plattformen präsentiert. Hauptziel ist es jedoch, im weiteren Verlauf des Projekts ein Angebotsportfolio zu erstellen, das den Touristen naturnahe und aktive Präventionsaufenthalte bietet. „Auf diese Weise soll sich die Region in den nächsten Jahren als Gesundheitsregion im Deutschlandtourismus etablieren“, so Zürneck. Aus diesem Grunde arbeitet das Projekt auch eng mit der Eifel Tourismus GmbH sowie der Nordeifel Tourismus GmbH zusammen und steht im Einklang mit dem Masterplan Tourismus NRW.

In der Eifel hat sich Zürneck schon sehr gut eingelebt: „Was ich hier besonders liebe, ist die Möglichkeit, immer mal wieder weit ins Land zu blicken. Das ist aus meiner Erfahrung heraus für eine Mittelgebirgsregion eher untypisch.“

Eifeler Presse Agentur/epa

Ein Gedanke zu „„Eifel soll Gesundheitsregion im Deutschlandtourismus werden““

  1. wenn ihr dies im Nationalpark umsetzen wollt, „„Eifel soll Gesundheitsregion im Deutschlandtourismus werden“ dann bitte ich euch auch dafür sorge zu tragen, dass im und am Nationalpark kein PSW gebaut werden sollte. Damit wären eure Bemühungen gegenstandslos.

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