Großes Kontrastprogramm zur Peiner-Ausstellung

Die Bündnisse „Eifel gegen Rechts“  und „Eifeler Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt“  veranstalteten ein aufklärerisches Kulturprogramm und wollen auch weiterhin gegen die ausgestellten Bilder des Nazimalers demonstrieren – Weitere Aktionen am Pfingstwochenende

Mit verschiedenen Aktionen setzen die beiden Bündnisse gegen Rechts im Kreis Euskirchen ein Kontrastprogramm gegen die Ausstellung von Werken des Nazi-Malers Werner Peiner. Bild: privat
Mit verschiedenen Aktionen setzen die beiden Bündnisse gegen Rechts im Kreis Euskirchen ein Kontrastprogramm gegen die Ausstellung von Werken des Nazi-Malers Werner Peiner. Bild: privat

Schleiden-Gemünd – Viele Menschen fanden sich am vergangenen Wochenende vor dem Kunst-Forum in Gemünd ein, um gegen die dort eröffnete Ausstellung mit Bildern des Nazi-Malers Werner-Peiner zu demonstrieren.

Mit Reden und einem abwechslungsreichen Programm konnte die beiden Büdnisse „Eifel gegen Rechts“ und das „Eifeler Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt“ viele Menschen unterschiedlichen Alters ansprechen. Den Auftakt machte am Samstag Klaus der Geiger aus Köln, der zwar seinen Geigenbogen vergessen hatte, aber – ganz Profi – kurzerhand sein Instrument zum Banjo machte und seine Texte zupfend auf der Geige begleitete. Der aus Aachen angereiste Hip-Hop Künstler Nic Knatterton begeisterte das Publikum mit kritischen Texten. Seine Frau Johanna, die ihn stimmlich unterstützte, rundete das Bild ab. Auch der Kabarettist Hubert vom Venn sprach sich gegen die Peiner-Ausstellung aus und traf mit seinen skeptischen Worten den Nerv der Besucher.

Der Künstler Karl von Monschau stellte eine Rauminstallation unter dem Titel „Dinner-Tribunal der Entarteten“ , Dietrich Schubert präsentierte am seinen Film über den von den Nazis verfolgten Maler Otto Pankok.

Der Artist Orlando, ein Aktionskünstler aus Köln und in Kolumbien geborener Indianer, stieg in eine Vitrine mit der Beschriftung „Auch ich bin deutsch erzogen“. Bild: privat
Der Artist Orlando, ein Aktionskünstler aus Köln und in Kolumbien geborener Indianer, stieg in eine Vitrine mit der Beschriftung „Auch ich bin deutsch erzogen“. Bild: privat

Am Sonntag dann baute Artist Orlando, ein Aktionskünstler aus Köln, seine eigens für diesen Tag entworfene Vitrine auf. Das Werk mit dem Titel „deutsch“ und der Beschriftung „Auch ich bin deutsch erzogen“ erhielt seine Bedeutung erst, nachdem Artist Orlando es selber betrat und dann drei Stunden unbeweglich darin verharrte. Der in Kolumbien geborene Indianer ist von deutschen Adoptiveltern erzogen worden und wollte mit seiner Aktion darauf aufmerksam machen, dass es „den Deutschen“, insbesondere in der von den Nazis propagierten Form, nie gegeben hat. Von Passanten auf seine Darstellung angesprochen, machte er klar, dass Rassismus und Ausgrenzung auch im Jahr 2012 noch ein Thema seien, dem man sich offensiv und nachdrücklich entgegenstellen müsse.

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Abgerundet wurde das Programm mit verschiedenen Rednern, die darlegten, warum sie eine Ausstellung in dieser Art ablehnen oder als unangebracht sehen.

Das Bündnis „Eifel gegen Rechts“ betrachtet die Aktion am Wochenende als sehr gelungen, konnten doch Gespräche mit vielen Menschen geführt werden. „Am Wochenende waren recht wenige Besucher in der Peiner-Ausstellung, dafür umso mehr hier bei uns, die sich mit uns solidarisch erklärt haben“, so Bündnissprecherin Nathalie Konias.

Die Mitglieder der beiden Bündnisse wollen die gesamte Ausstellungszeit über mit weiteren Aktionen gegen die ausgestellten Peiner-Bilder demonstrieren.  80 Werke, 30 Texttafeln und zahlreiche Exponate wie Zeitungsartikel und Bücher wollen den Besuchern des Kunst-Forums ein umfassendes Bild des Malers Werner Peiner vermitteln.

Am Pfingstsamstag, 26. Mai, von 10 bis 13 Uhr sowie am Pfingstsonntag, 27. Mai, von 14 bis 17 Uhr soll außerdem im evangelischen Gemeindehaus in Gemünd die Ausstellung „Wir waren Nachbarn“ von der Arbeitsgruppe Judit.H zu sehen sein. Dort wird exemplarisch das ganz „normale“ Leben der jüdischen Familien in Blumenthal, Kirschseiffen und Hellenthal vor und nach dem 9. November 1938 (Pogromnacht) gezeigt.

 

Eifeler Presse Agentur/epa

 

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