Offener Brief zur Peiner-Ausstellung und Lesung von Sarrazin

 Das „Bündnis Eifel-gegen-Rechts“ und das „Eifeler Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt“ stellen sich gemeinsam gegen die Ausstellung über den „Nazi-Maler“ Peiner und die Lesung von Thilo Sarrazin auf dem Eifel-Literatur-Festival

Die beiden Bündnisse gegen Rechts im Kreis Euskirchen fordern die Organisatoren der Peiner-Ausstellung und der Lesung mit Thilo Sarrazin auf, die Veranstaltungen abzusagen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Die beiden Bündnisse gegen Rechts im Kreis Euskirchen fordern die Organisatoren der Peiner-Ausstellung und der Lesung mit Thilo Sarrazin auf, die Veranstaltungen abzusagen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Eifel – „Wir verfolgen seit Monaten mit wachsender Sorge und Unverständnis, dass Kulturveranstalter damaligen Nazi-Künstlern in Gemünd und heutigen Rechtspopulisten in Prüm Podien verschaffen“, heißt es in einem Offenen Brief an Dr. Dieter Pesch und Dr. Josef Zierden. Pesch organisiert zusammen mit seinem Sohn eine Ausstellung über den  Maler Werner Peiner (NSDAP-Mitglied seit 1937). Peiner leitete die „Hermann-Göring-Meisterschule für Malerei“. Hitler nahm ihn in die Sonderliste der „Gottbegnadeten“ auf, so nannte er die für das Naziregime zwölf wichtigsten bildenden Künstler.

Zierden hat zum Eifel-Literatur-Festival Thilo Sarrazin eingeladen, der in einem Buch umstrittene Thesen zur Sozial- und Bevölkerungspolitik Deutschlands veröffentlicht hat.

Peiner sei „bis Lebensende bekennender Nationalsozialist gewesen, der erheblich von der Nazi-Zeit profitiert hat und bis heute von Alt- und Neonazis hofiert wird“, heißt es in dem Brief weiter. Thilo Sarrazin habe durch sein Buch und bei seinen Auftritten rassistische, antisemitische und sozialdarwinistische Thesen vertreten. Dadurch würde ein gesellschaftliches Klima verstärkt, in dem Mitbürger diskriminiert und ausgrenzt würden, so dass diese zu Opfern neonazistischer Übergriffe werden könnten.

Deshalb fordern die Unterzeichner des Offenes Briefes, Franz-Josef Mörsch und Pfarrer Christoph Ude, im Namen der beiden Bündnisse die Organisatoren Pesch und Zierden auf, die Lesung mit Sarrazin und die Ausstellung zu Peiner abzusagen. „Sie spielen mit Feuer. Sie rufen damit braune Geister, die uns alle bedrohen und die wir nicht mehr los werden“, heißt es wörtlich.

 Eifeler Presse Agentur/epa

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4 Gedanken zu „Offener Brief zur Peiner-Ausstellung und Lesung von Sarrazin“

  1. Statt sich mit Sarrazin kritisch-konstruktiv auseinanderzusetzen wird eine Absage der Veranstaltung gefordert. Was berechtigt die die Gegner eigentlich dazu, Gedankenpolizei spielen zu wollen? Schlimm, dass ein Pfarrer bei dieser undemokratischen und diffamierenden Aktion mitmacht. Das Buch ist übrigens sehr lesenswert!

  2. Es ist ein Unterschied,ob man einem Maler wie Peiner oder einem Autor Sarrazin unkritisch ein Forum bietet oder ob man sich mit ihnen auseinandersetzt.
    Eine Peiner-Ausstellung zum Beispiel mit einem Gegenpol Pankok und entsprechend didaktisch aufbereitet, wäre ein Gewinn für die Demokratie und das historische Verständnis gewesen.
    Eine Sarrazin-Lesung allein, ohne Auseinandersetzung mit seinen Thesen in einem kompetenten Kreis, fördert Vorurteile und dient meiner Meinung nach eben nicht zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Sie erreicht genau das, was Sarrazin so scheinheilig anprangert: Vorurteile werden zementiert und besonders türkischstämmige Menschen werden weiter ins Abseits gerückt.
    Deswegen ist eine reine Sarrazin-Lesung für mich genauso abzulehnen bzw zu kritisieren wie die Peiner-Ausstellung ohne die deutliche Auseinandersetzung mit dessen Bedeutung in der NS-Zeit.

  3. 1.) Bilder von Peiner und Pankok direkt nebeneinander – Täter und Opfer – wir brauchen kaum noch Worte und durchschauen die menschenverachtende NS-Ideologie eines Werner Peiner.
    2.) kein freies Feld für Sarrazin! – in Prüm wird zuwenig nachgedacht

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