5,2 Millionen Euro für die Wiedervernetzung der Wälder

Waldkorridore und Gen-Datenbank sollen Überleben der Wildkatze und anderer bedrohter Arten sichern – Mit etwa 1000 Wildkatzen beherbergt die Eifel eines der größten Wildkatzenvorkommen Deutschlands

Mit gezielten Aktionen soll auch der Lebensraum der Eifeler Wildkatzen vergrößert werden. Bild: Thomas Stephan/BUND
Mit gezielten Aktionen soll auch der Lebensraum der Eifeler Wildkatzen vergrößert werden. Bild: Thomas Stephan/BUND

Berlin/Eifel – Der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wird in den nächsten drei Jahren mit Unterstützung des NRW-Umweltministeriums die Waldgebiete um den Nationalpark Eifel für die Wildkatze optimieren. Die Eifel beherbergt mit etwa 1.000 Tieren eines der größten Wildkatzenvorkommen Deutschlands. Landesvorsitzender Paul Kröfges: „Wir wollen diese bedeutende Wildkatzenpopulation mit unserem Projekt stärken und weiter vergrößern, damit Wildkatzen aus der Eifel in die umliegenden Wälder einwandern und sie wieder besiedeln.“

In Zusammenarbeit mit dem Wildkatzenexperten Manfred Trinzen und den betreffenden Forstämtern sollen unter anderem Waldränder in der Nordeifel wieder natürlich und strukturreich gestaltet werden. Stufig aufgebaute Waldränder mit Büschen und Kräutersäumen sind bevorzugte Lebensräume von Wildkatzen und besitzen wegen ihrer bandförmigen Struktur auch eine hohe Bedeutung für die Biotopvernetzung. Höhlenreiche abgestorbene Bäume sollten vermehrt im Wald verbleiben, da sie von Wildkatzen zur Aufzucht der Jungen genutzt werden können. Geplant ist auch, die forstliche Bewirtschaftung von Altholzbeständen, die aus Naturschutzsicht besonders wertvoll sind, zu reduzieren.

Ein Ziel des Projektes ist, dass die Lebensweise der Wildkatze bei der forstlichen Bewirtschaftung künftig stärker berücksichtigt wird. Die Risiken speziell für Jungkatzen bei forstlichen Maßnahmen wie der Abfuhr von Holzstämmen oder Mahd von Waldwiesen können auf diese Weise vermindert werden. Artenschutz und Ökonomie sind hier sehr gut miteinander vereinbar.

Die Maßnahmen in Nordrhein-Westfalen erfolgen im Rahmen des bundesweiten BUND-Projekts „Wildkatzensprung“. Dabei sollen auch in den Bundesländern Hessen, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Thüringen in den kommenden Jahren neue Waldverbindungen entstehen und bestehende Wälder ökologisch verbessert werden. Langfristiges Ziel des Projektes ist, ein Netzwerk verbundener Waldgebiete von 20.000 Kilometern Länge in Deutschland zu schaffen. Das Projekt gilt damit als eines der größten Naturschutzvorhaben Europas.

Der BUND erhält für die Wiedervernetzung der Wälder und den Schutz der bedrohten Wildkatze in Deutschland 3,8 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ des Bundesamtes für Naturschutz. Ergänzt durch Eigenmittel des Verbandes und andere Förderer stehen für das Projekt insgesamt 5,2 Mio. Euro zur Verfügung. Geplant ist auch der Aufbau einer bundesweiten Gendatenbank.

Die Gendatenbank wird gemeinsam mit dem Senckenberg-Institut in Frankfurt entwickelt. Sie ist die erste ihrer Art für ein Säugetier in Deutschland. Verteilt über das gesamte Verbreitungsgebiet der Wildkatze werden mithilfe von Duft-Lockstöcken Haarproben von Wildkatzen gesammelt und so wertvolle Informationen über Verbreitung, Teilbestände und Wanderverhalten gewonnen. Experten können so erforschen, wie stark einzelne Wildkatzenpopulationen bereits voneinander isoliert sind. Erste Proben wurden bereits im Winter 2011/12 gesammelt. Ergebnisse der Untersuchungen werden noch für diesen Sommer erwartet.

(Quelle: BUND Landesverband NRW)

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