In Saerbeck entsteht die größte auf Bunkern errichtete Solaranlage Europas

Euskirchener Solar-Spezialist „F&S solar“ will bis zum 30. Juni fast 24.000 Solarmodule auf schwierigem Untergrund installieren – Sonnenkraftwerk liefert über fünf Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr und spart damit über 3500 Tonnen Kohlendioxid ein

Auf ehemaligen Munitionsbunkern der Bundeswehr baut der Euskirchener Sonnenstromspezialist „F&S solar“ eine Sechs-Megawatt-Photovoltaik-Anlage, die größte ihrer Art in Europa. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Auf ehemaligen Munitionsbunkern der Bundeswehr baut der Euskirchener Sonnenstromspezialist „F&S solar“ eine Sechs-Megawatt-Photovoltaik-Anlage, die größte ihrer Art in Europa. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Saerbeck – „Als ich 2009 das Gelände erstmals besuchte, wurde noch kontrolliert, ob man sich nicht Kampfmittel in die Hosentasche gesteckt hat“, berichtete Jörg Frühauf, Geschäftsführer von „F&S solar“, bei einer ganz besonderen Baustellenbesichtigung: Auf den Bunkeranlagen eines ehemaligen Bundeswehr-Munitionsdepots in der Gemeinde Saerbeck bei Münster entsteht zurzeit Europas größtes auf Bunkern errichtetes Solarkraftwerk, und zwar im „Bioenergiepark Saerbeck“.

Bei der öffentlichen Begehung am vergangenen Freitag sagte Wilfried Roos, Bürgermeister der Gemeinde Saerbeck: „Normalerweise müssen wir Westfalen halten, was die Rheinländer versprechen. In diesem Fall war es allerdings umgekehrt.“ Er habe die Bauarbeiten nur bewundern können. „F&S solar spielen schon in einer höheren Liga; ich bin froh, dass wir diesen kompetenten Partner aus dem Rheinland gefunden haben.“

Jörg Frühauf (v.l.), Geschäftsführer von „F&S solar“, und Saerbecks Bürgermeister Wilfried Roos stellten gemeinsam die entstehende Groß-Solaranlage im Bioenergiepark vor. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Jörg Frühauf (v.l.), Geschäftsführer von „F&S solar“, und Saerbecks Bürgermeister Wilfried Roos stellten gemeinsam die entstehende Groß-Solaranlage im Bioenergiepark vor. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Jörg Frühauf gab zu: „Das Projekt ist eine Herausforderung. Fast 24.000 Solarmodule müssen hier auf schwierigem Untergrund montiert werden.“ Denn die rund acht Meter hohen und annäherd 50 Meter breiten „Tische“, wie die Fachleute die Trägerkonstruktion für die Module nennen, werden im oberen Teil in den Bunker mit der enorm harten Außenhülle verankert, der untere Teil muss im sandigen Boden sicher befestigt werden. 68 Module fasst jeder Tisch – eine Herausforderung auch an die Statik in Sachen Windlast.

Uwe Czypiorski, technischer Geschäftsführer der Euskirchener „F&S solar“, führte die zahlreichen Besucher über die Baustelle und berichtete von den Spezialverfahren, mit denen die statischen Probleme gelöst wurden: „Wir haben für die Fundamente spezielle Metallstangen bis zu sieben Meter tief in den Sandboden gebohrt.“ Diese Stangen sind hohl und auf der gesamten Länge mit kleinen Bohrungen versehen. Mit einem patentierten Verfahren wird dann mit 80 bar Druck Beton durch die Stangen gedrückt. „Durch die vielen Bohrungen und den enormen Druck tritt der Beton im Boden aus und bildet eine Art Wurzelwerk, was die Stange dann sicher im Boden fixiert.“

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Zahlreiche Interessierte ließen sich von Uwe Czypiorski (hinten), technischer Geschäftsführer von „F&S solar“, die aufwändige Technik der Unterkonstruktion für die insgesamt rund 24000 Solarmodule erklären. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Zahlreiche Interessierte ließen sich von Uwe Czypiorski (hinten), technischer Geschäftsführer von „F&S solar“, die aufwändige Technik der Unterkonstruktion für die insgesamt rund 24000 Solarmodule erklären. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Die Trägerkonstruktion besteht aus Aluminium-Profilen, die speziell beschichtet wurden, wie Czypiorski erklärte: „Dadurch wird ausgeschlossen, dass es zu irgendwelchen Reaktionen mit der Umwelt kommen kann.“ Rund eine Million Kilogramm Material und über 100 Kilometer Kabel werden in dem neuen Solarpark verbaut – es dürfte der größte Solarpark des Landes NRW sein, den „F&S solar“ nach den Mammut-Solarkraftwerken in Troisdorf, Kalenberg und Inden erstellt, die seinerzeit ebenfalls die größten Anlagen waren und allesamt von den Euskirchener Solarspezialisten erbaut wurden.

Sonderregelung geschaffen

Von der Anlage profitieren kann nicht nur die Umwelt. 1461 Haushalte können rechnerisch mit dem Sonnenkraftwerk mit sauberem Strom versorgt werden. Die fast sechs Megawatt-Peak starke Anlage soll im Jahr über fünf Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen und dadurch gegenüber herkömmlicher Energieerzeugung 3.530 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einsparen. Dazu kommt ein direkter finanzieller Vorteil für letztlich alle Bürger Saerbecks, denn die Photovoltaikanlage spült einiges an Rendite in die Gemeindekasse, wie Bürgermeister Roos betonte: „Auch wenn Rösler und Röttgen die Einspeisevergütung deutlich reduzieren wollen: Die Anlage hier ist so einzigartig, dass das Bundesumweltministerium eine Sonderregelung geschaffen hat, und wir folglich noch die alte Einspeisevergütung bekommen!“

Rund 60 Bunker, die heute als Salzlager dienen, werden mit Photovoltaikmodulen bestückt. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Rund 60 Bunker, die heute als Salzlager dienen, werden mit Photovoltaikmodulen bestückt. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Außerdem können sich Bürger über ein Genossenschaftsmodell auch direkt mit Anteilsscheinen an dem Solarkraftwerk beteiligen und so vermehrt den Ertrag der Anlage genießen. Ferner sind ortsansässige Firmen in den Bau einbezogen worden. Jörg Frühauf: „Mit Zuliefererindustrie und Planern sind rund 1500 Menschen an diesem Projekt beteiligt. Auf der Baustelle sind allein bis zu 300 Monteure beschäftigt.“ Jörg Frühauf ist sich trotz aller Unkenrufe zur Solartechnik sicher, dass der eigentliche Solarboom erst noch kommt – dann nämlich, wenn es bei den weiter steigenden Strompreisen billiger ist, Solarstrom für den Eigenbedarf zu produzieren oder auf dem freien Markt zu verkaufen – auch ganz ohne Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. „Überhaupt hilft Solarstrom, den Strompreis zu drücken“, betonte Frühauf, „denn der Strompreis wird an der Börse nach Angebot und Nachfrage gehandelt, und Sonnenstrom wird dann produziert, wenn am meisten Strom gebraucht wird, nämlich tagsüber.“

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Bürgermeister Wilfried Roos hat noch viel vor im Bioenergiepark Saerbeck. Zu den bestehenden Biogasanlagen und der entstehenden Solaranlage, die am 30. Juni ans Netz gehen soll, sind sieben Windräder in Planung: „Sechs davon kommen von einem Großinvestor, das siebte von der Gemeinde Saerbeck.“ Auch hier wird „groß“ gedacht: Es soll ein neuer Typ Windenergieanlagen mit 149 Metern Narbenhöhe verbaut werden. „Damit wird der Bioenergiepark insgesamt rund 30 Megawatt-Peak sauberen Strom aus unserer Gemeinde liefern“, berichtete der Erste Bürger Saerbecks stolz.

Eifeler Presse Agentur/epa

Ein Gedanke zu „In Saerbeck entsteht die größte auf Bunkern errichtete Solaranlage Europas“

  1. Als Solarfan kann ich das Projekt nur gutheißen! Hab mir selbst die Decke energietechnisch erneuert. Bin über eine Seite im Internet zu einem Anbieter um die Ecke gekommen, der hat bei mir nicht nur eine Solaranlage angebracht, sondern mich auch gleich über die Zukunftschancen aufgeklärt. Solar ist die Zukunft, ob man nun will oder nicht.

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