Juwelen auf dem Feld: Mäuseschwänzchen, Rittersporn und Acker-Frauenmantel

Aufgrund ihrer herausragenden Bedeutung für den Ackerwildkrautschutz wurden jetzt Ackerflächen in Schwerfen prämiert.

 Alle freuten sich über den bunten Acker und das neue Schild mit Informationen für Besucher: Sven Wehke, Prof. em. Dr. Wolfgang Schumacher, Landrat Günter Rosenke, Dr. Thomas  van Elsen, Bürgermeister Albert Bergmann, Hans-Josef Schorn, Heinz-Bert de Bück und Thomas Muchow. Bild: Stiftung Rheinische Kulturlandschaft
Alle freuten sich über den bunten Acker und das neue Schild mit Informationen für Besucher: Sven Wehke, Prof. em. Dr. Wolfgang Schumacher, Landrat Günter Rosenke, Dr. Thomas van Elsen, Bürgermeister Albert Bergmann, Hans-Josef Schorn, Heinz-Bert de Bück und Thomas Muchow. Bild: SRK

Zülpich-Schwerfen – Die Auszeichnung fand im Rahmen des Projektes „100 Äcker für die Vielfalt – bundesweites Netz von Schutzäckern“ statt. „Das Projekt würdigt Äcker, die sich durch eine besonders hohe Vielfalt seltener Ackerwildkräuter oder bedrohte Ackerwildkrautpflanzengesellschaften auszeichnen,“ erläuterte Dr. Thomas van Elsen, Projektleiter der Universität Kassel.

Prof. em. Dr. Wolfgang Schumacher, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, welcher eine kleine Exkursion über die Äcker anführte, ergänzte: „Auf den Flächen in Schwerfen konnten unter anderem bereits folgende seltene Ackerwildkräuter nachgewiesen werden, die teilweise sogar auf der Roten Liste der bedrohten Pflanzen stehen: Acker-Rittersporn, Dreiteiliger Ehrenpreis, Mäuseschwänzchen, Sand-Mohn, Klatsch-Mohn, Kornblume und Acker-Frauenmantel.“

Dieser Acker wurde heute ebenfalls von der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft ausgezeichnet. Bild: Stiftung Rheinische Kulturlandschaft
Dieser Acker wurde heute ebenfalls von der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft ausgezeichnet. Bild: Stiftung Rheinische Kulturlandschaft

Landrat Günter Rosenke freute sich über die seltenen Pflanzen und das gelungene Naturschutzprojekt, welches in Kooperation mit der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft durchgeführt wird: „Die bunten Blüten auf dem Acker erfreuen mein Herz, sie erinnern mich an frühere Zeiten, in denen man noch öfter Blumensträuße auf Äckern pflücken konnte.“ In Schwerfen sei ein Flurbereinigungsverfahren durchgeführt worden. Der Wegfall von Randstrukturen und unbefestigten Feldwegen im Rahmen des Verfahrens stelle rechtlich einen Eingriff in Natur und Landschaft dar, der einen naturschutzfachlichen Ausgleich erfordere, so der Landrat, der weiter sagte: „Teile dieser Ausgleichsmaßnahmen setzt die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft produktionsintegriert mit Landwirten auf Ackerrandstreifen rund um Schwerfen langfristig um und erhält somit die biologische Vielfalt im Rheinland. Im Zuge der Flurbereinigung ergab sich auch die Möglichkeit, Flächen an die Stiftung abzugeben. Dabei handelt es sich um die hier zu sehenden Ackerflächen mit den seltenen Ackerwildkräutern. Ich freue mich, dass wir uns heute die Ergebnisse unserer erfolgreichen Zusammenarbeit gemeinsam anschauen können.“

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Rolf Schwill, Bezirksregierung Köln, bestätige diese Aussage in seinen Grußworten gerne. Eine Informationstafel wird zukünftig über die schützenswerten, bunten Ackerflächen informieren. „Wir freuen uns, in unserer Gemeinde solche Farbenpracht präsentieren zu können und hoffen, dass sich auch in Zukunft viele Spaziergänger daran erfreuen werden, z. B. auch auf der Landesgartenschau 2014 in Zülpich. Sie alle sind herzlich eingeladen, solche schönen Projekte auf der LAGA zu präsentieren,“ so der Zülpicher Bürgermeister Albert Bergmann.

Die Schwerfener Flächen wurden in früheren Jahren schon einmal im Rahmen des Ackerrandstreifenprogramms extensiv bewirtschaftet. Zwischenzeitlich erfolgte wieder eine intensivere Bewirtschaftung. Im Jahr 2010 wurde die Fläche von der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft aufgrund des hohen Potentials zum Erhalt seltener Ackerwildkräuter erworben und wird seitdem von Landwirt Heinz-Bert de Bück im Auftrag der Stiftung extensiv bewirtschaftet.

Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Euskirchen, Hans-Josef Schorn, erläuterte das Projekt aus Sicht der Landwirte: „Eine große Artenvielfalt und besonders die seltenen Ackerwildkräuter werden durch die vor Ort herrschenden Bodenbedingungen – eher magerer, lehmiger Sand – und die extensive Wirtschaftsweise gefördert. Diese beinhaltet: Keine Unkrautbekämpfung, eine verminderte Saatmenge und doppelter Reihenabstand bei der Einsaat, um den Wildkräutern mehr Platz zu lassen sowie eine verminderte Düngung der Kulturpflanzen. Herr de Bück erhält für den hierdurch verminderten Getreideertrag eine Vergütung.“

Für eine Prämierung des Ackers im Rahmen des Projektes „100 Äcker für die Vielfalt“ reicht es jedoch nicht aus, seltene Wildkräuter vorweisen zu können. Ebenso ausschlaggebend für eine Auszeichnung ist, dass die an die Ackerwildkräuter angepasste extensive Bewirtschaftung langfristig gesichert ist. „Dies ist im Falle der Äcker der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft gegeben, da die Erstellung von Konzepten für eine langfristige Sicherung von Flächen und deren naturschutzkonforme Bewirtschaftung im Rahmen von Kompensationsmaßnahmen eine Kernkompetenz der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft darstellt“ erklärte Prof. Schumacher.

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Thomas Muchow, Geschäftsführer der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, ergänzte: „Wir sind der Bezirksregierung Köln sehr dankbar, dass sie uns im Rahmen der Flurbereinigung, einem wichtigen Instrument für die geplante Umsetzung solcher Naturschutzmaßnahmen, die Flächen zum Erwerb zur Verfügung gestellt hat. Ganz besonders danken möchte ich auch Herrn de Bück, der sich bei der Bewirtschaftung der Flächen viel Mühe gibt und zeigt, dass Landwirte den Naturschutz ernst meinen. Prof. Schumacher danke ich ganz herzlich für sein Engagement im Vorstand in unserer Stiftung. So können wir in hervorragender Zusammenarbeit mit dem Kreis Euskirchen alle gemeinsam diesen schönen Acker präsentieren.“

(Quelle: Stiftung Rheinische Kulturlandschaft)

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