Schicksal eines Kindes in der NS-Psychiatrie

Lesung im Rahmen der kritischen Begleitaktionen zur Werner-Peiner-Ausstellung in Gemünd

Der aus Hausweiler strammende Autor Heinz A. Höver liest in Gemünd. Bild: Eifeler Bündnis gegen Rechts
Der aus Hausweiler strammende Autor Heinz A. Höver liest in Gemünd. Bild: Eifeler Bündnis gegen Rechts

Schleiden-Gemünd – Der Autor Heinz A. Höver liest am Dienstag, 12. Juni, 19.30 Uhr, im evangelischen Gemeindezentrum, Dreiborner Straße 10-12, in Gemünd aus seinem Buch: „Das vergessene Kind. Josef – nicht gewollt, nicht beschützt, ermordet und verwertet.“. Dabei geht es um die Geschichte des kleinen Josef Brock, der drei Tage vor seinem sechsten Geburtstag im Wiener „Spiegelgrund“ ums Leben kam.

In den 60er Jahren hörte Heinz A. Höver zum ersten Mal die Geschichte Josefs. Josef wurde als uneheliches Kind in dem kleinen Ort Hausweiler geboren. Sein Vater wurde geheim gehalten, aber ein Gerücht machte die Runde, dass Josef einem Inzest zwischen seiner Mutter Elisabeth und ihrem Bruder Heinrich entstammte.

Heinrich, so hieß es, habe dafür im Zuchthaus gesessen. Und Josef, der bei Großmutter und Großtante aufwuchs, war eines Tages verschwunden – und irgendwann vergessen.

2002 erreichte Heinz A. Höver ein Schreiben der Stadt Mönchengladbach, in dem diese um Hilfe beim Auffinden der Eltern oder Angehörigen von Josef bat. Hintergrund: Während des Nationalsozialismus waren Insassen aus einem Mönchengladbacher Pflegeheim nach Wien in eine so genannte »Kinderfachabteilung« deportiert und dort für medizinische Versuche missbraucht worden. 400 Präparate mit „Gehirnschnitten“ wurden in den späten 80er Jahren im „Spiegelgrund“ gefunden; am 28. April 2002 endlich sollten diese Überreste auf dem Wiener Zentralfriedhof im Beisein des österreichischen Präsidenten Thomas Klestil beigesetzt und die Opfer auf diese Weise geehrt werden.

Heinz A. Höver nahm an den Feierlichkeiten teil und recherchierte in Wien sowie in seinem Heimatort Hausweiler. In vielen Gesprächen mit noch lebenden Zeitzeugen hat er der erschütternden Lebens- und Leidensgeschichte Josef Brocks nachgespürt, dessen offizielle Todesursache „Idiotie“ so falsch ist wie sein angeblicher Vater. Hövers Bericht nennt die Fakten und setzt sich kritisch mit der Rolle der Kirchen im Nationalsozialismus auseinander. Zugleich ist sein Text eine Aufforderung, das Schweigen zu brechen: eine eindringliche Mahnung wider das Vergessen.

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(Quelle: Eifeler Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt)

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