Zufluchtsstätte für bedrohte Arten eingeweiht

Stiftung „Pro Artenvielfalt“ baute stillgelegten Trafoturm in Bouderath zum Artenschutzturm um – KEV übereignete das Gebäude für einen symbolischen Betrag und spendete 6.000 Euro für den Umbau

Den Artenschutzturm in Bouderath weihte Roland Tischbier (4.v.l.) von der „Stiftung Pro Artenvielfalt“ gemeinsam mit Wilfried Pracht (2.v.l.), Bürgermeister der Gemeinde Nettersheim, und Helmut Klaßen (3.v.r.) jetzt ein. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Den Artenschutzturm in Bouderath weihte Roland Tischbier (4.v.l.) von der „Stiftung Pro Artenvielfalt“ gemeinsam mit Wilfried Pracht (2.v.l.), Bürgermeister der Gemeinde Nettersheim, und Helmut Klaßen (3.v.r.) jetzt ein. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Nettersheim-Bouderath – „Eine Fledermaus kann nicht einfach in ein Gebüsch umziehen, wenn ihr die Bude abgerissen oder ihr Tagesversteck gedämmt und versiegelt wird“, gab Roland Tischbier, Vorstandsvorsitzender der „Stiftung Pro Artenvielfalt“ aus Bielefeld, am Montagmittag in Bouderath zu bedenken. Dort weihte er eine Art Hotel für bedrohte Gebäude bewohnende Arten ein, entstanden aus einem stillgelegten Trafoturm der Kreisenergieversorgung Schleiden (KEV), den die KEV für den symbolischen Betrag von einem Euro an die Stiftung übereignet hatte.

Dass aus dem schmucklosen Gebäude am Rande von Bouderath mit direkter Nähe zu Wald und Obstbaumwiese eine perfekte Zufluchtsstätte geworden ist, davon überzeugten sich auch Vertreter des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), Wilfried Pracht, Bürgermeister der Gemeinde Nettersheim, Helmut Klaßen, Geschäftsführer der KEV, Frank Fritze von der Unteren Landschaftsschutzbehörde und weitere Besucher.

Roland Tischbier berichtete: „Schon während der Umbaumaßnahmen gab es die ersten Nistversuche.“ Denn sowohl draußen wie im Artenschutzturm gibt es speziell auf die Bedürfnisse der einzelnen Vogel- und Fledermausarten sowie Bienen zugeschnittene Nistkästen und Einfluglöcher. „Wir haben uns vor dem Umbau sowohl am Tage wie in der Nacht angeschaut, welche Tiere um den Turm fliegen. Die Zwergfledermaus ist bestimmt eine der ersten Arten, die direkt einzieht – die steht übrigens auch auf der Roten Liste, ist also bedroht“, so Tischbier. Weitere „Mieter“ dürften bald Mauersegler, Turmfalke, Sperling, Hausrotschwanz und andere Arten sein.

Roland Tischbier zeigt die Lamellensteine, in denen Zwergfledermäuse Zuflucht suchen können. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Roland Tischbier zeigt die Lamellensteine, in denen Zwergfledermäuse Zuflucht suchen können. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Für die Zwergfledermäuse werden spezielle Lamellensteine auf Holzbasis im Turm angebracht, zudem stellen die Artenschützer ein Wasserreservoir auf, denn für die nachtaktiven Tiere ist genügend Luftfeuchtigkeit wichtig. Der Turm sei ideal, so Tischbier, denn auch bei frostigen Eifeler Außentemperaturen blieben dort immer noch drei bis vier Grad Celsius plus. „Die KEV hat uns sehr geholfen“, sagte Tischbier. Denn neben dem Turm gab es auch gleich noch eine Spende von 6.000 Euro dazu. Das Geld hätte man ansonsten für den Abriss des Turms aufbringen müssen. Auch der Kreis Euskirchen beteiligte sich mit einem Zuschuss. Handwerksbetriebe aus dem Kreis übernahmen die Aufträge für die über 15.000 Euro teure Umbaumaßnahme. Die fehlende Summe kam durch Spenden für die Stiftung „Pro Artenvielfalt“ zusammen, der größte Teil von einem engagierten Einzelspender aus Bielefeld.

Wie wichtig die Artenschutztürme sind, erklärte Tischbier so: „Die Hausumbauten, Dachsanierungen und die neuerdings gesetzlich geforderten  Wärmedämm-Maßnahmen zur Energieeinsparung vernichten jedes Jahr zigtausende Nistplätze, Brutstätten und Tagesverstecke bedrohter Tierarten.“

Glasbausteine mit Pfiff: Durch die Öffnungen können Vögel ein- und ausfliegen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Glasbausteine mit Pfiff: Durch die Öffnungen können Vögel ein- und ausfliegen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Durch den Umbau des stillgelegten Trafoturms stehen Bruthöhlen, Brutplätze, Nischen, Tagesverstecke sowie Sommer- und Winterquartiere für gut 50 Tierarten zur Verfügung. Bürgermeister Pracht: „Das passt sehr gut nach Nettersheim als Bundeshauptstadt der Biodiversität.“ Mit Blick auf das künstlerisch ansprechend gestaltete Äußere des Turmes ergänzte er: „Bei uns bekommen nicht nur die Touristen wunderschöne Unterkünfte, sondern auch die Vögel!“

KEV-Geschäftsführer Helmut Klaßen versprach, nach weiteren Möglichkeiten für künftige Artenschutztürme Ausschau zu halten: „Das ist eine wirklich gute Sache und eine tolle Ergänzung zu unseren Vogelschutzmaßnahmen an Stromleitungen, da helfen wir gerne!“

Eifeler Presse Agentur/epa

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