Ulla Haesen legt mit „beleza!“ ihre zweite CD vor

Am Samstag, 6. Oktober, 19 Uhr, wird die neue Scheibe im „Hotel Friedrichs“ in Gemünd vorgestellt

Mit gleich sieben Musikern hat die Keldenicherin Ulla Haesen ihr neues Album "Beleza!" in Bonn aufgenommen. Bild: Haesen
Mit gleich sieben Bossa-erfahrenen Musikern hat die Keldenicherin Ulla Haesen ihr neues Album „Beleza!“ in Bonn aufgenommen. Bild: Haesen

Kall-Keldenich – „Beleza!“ heißt die zweite CD der Gitarristin und Sängerin Ulla Haesen. Das ist portugiesisch und heißt „Schönheit“. Doch wer jetzt meint, damit werde eine Feststellung über Attraktivität im Allgemeinen getroffen, täuscht sich. Die Schönheit, die Haesen meint, ist von einer anderen Natur als die glattpolierten Fassaden, die von einer an Werbebotschaften gewohnten Welt vorgehalten werden. Denn mit ihrer neuesten Veröffentlichung taucht sie ein in den Zauber eines der sinnlichsten Musikstile, den es gibt: den brasilianischen Bossa Nova.

Ulla Haesen ist auf einer Reise durch die Musik. Vergleicht man das aktuelle Album mit ihrem ersten „Love, Tears and Joy“ (2010), dann wird das besonders deutlich. Konnte sie auf dem Vorgängeralbum ihre Faszination für die brasilianische Musik schon nicht verhehlen, so wirkt es, als hätte sie auf ihrer Reise eine wichtige Station erreicht. Und dieser Eindruck täuscht nicht.

Denn ihr Interesse am wirklichen Gehalt des Bossa Novas führte dazu, dass sie sich von dem brasilianischen Gitarristen João Luis Nogueira in die Geheimnisse der Rhythmik und des Grooves einführen ließ. Und dabei gelang es ihr, die Seele des Bossas zu erfassen und seine zarte Schönheit zum Leben zu erwecken. Nicht umsonst hat sie eine Riege von hochkarätigen brasilianischen Musikern um sich versammelt, denn ihre Interpretationen sind so originär und authentisch, dass es schon Mitstreiter bedarf, die diese komplexe Rhythmik mit der Muttermilch eingesogen haben.

Dabei geht sie ganz zu den Ursprüngen dieser Musik zurück. „Getz-Gilberto“, dieses legendäre Album, das unter dem prägenden Einfluss der New Yorker Cool-Jazz-Szene entstand, und bei dem Astrud Gilberto den Bossa Nova mehr hauchte als sang, ist „Beleza!“ sehr nah und damit auch der Seele Brasiliens. Denn neben der lauten, bunten, fröhlichen Seite, die gerne mit dem Karneval in Rio in Verbindung gebracht wird, gibt es genauso die sanfte, melancholische Art. „Insensatez“ (Unvernunft) heißt ein Stück, „Meditaçao“ (Meditation) ein zweites, sehr berühmtes und ein nicht weniger bekanntes „Minha Saudade“ (Meine Sehnsucht). Tief empfunden und melancholisch ist dieser Bossa Nova, voll von Liebe und Nachdenklichkeit.

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Die Riege der Musiker, die Ulla Haesen um sich versammelt hat, beeindruckt. Ihre Band besteht aus gebürtigen Brasilianern, denen der Groove des Bossas in die Wiege gelegt zu sein scheint und die in Deutschland in musikalischer Hinsicht den allerbesten Ruf genießen. Den Bass spielt André de Cayres, der u.a. bereits mit Kamal Ben Hitchan, Terence N‘Gassa, Alex Gunia, Tony Lakatos und Paulo Morello  gearbeitet hat. Percussion liefert der in vielen Formationen spielende Biroska aus Sao Paulo. Als weiteren Gastmusiker am Flügel und E-Piano konnte Ulla Haesen ihren alten Bekannten Jesse Milliner (WDR Jazzpreisträger, Musiker u.a. bei Reiner Witzel und Lee Ritenour) gewinnen. Lorenzo Petrocca, großartiger Jazzgitarrist aus Italien (u.a. Tony Scott, Peter Herbolzheimer), steuerte einige Gitarren-Soli bei. Peter Materna, einer der besten deutschen Saxophonisten, spendierte zwei Soli auf dem Sopransaxophon, der Argentinier Gabriel Perez (u.a. Mike Stern, Quique Sinesi , David Liebman) soliert auf „Flor de lis“.

Aufgenommen wurde das Album in den Hansahaus Studios Bonn von Klaus Genuit, der bereits diverse, mit einem Grammy ausgezeichnete Produktionen vorweisen kann (Brecker Brothers, Zawinul, Quique Sinesi).

„Beleza!“ ist ein sinnliches Fest der zarten, zerbrechlichen Schönheit, die sich oft hinter der lauten, bunten Fröhlichkeit verbirgt. Es gilt sie zu entdecken. Denn was auf den Hörer wartet, ist Bossa Nova pur in perfekter und feinster Machart.

Am Samstag, 6. Oktober, 19 Uhr, wird die neue Scheibe im „Hotel Friedrichs“ in Gemünd vorgestellt. Karten und weitere Informationen gibt es unter 0 24 44/95 09 50.

(Autor: Stephan Everling)

 

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