KEV verbindet das Nützliche mit dem Schönen

Die Kreis-Energie-Versorgung Schleiden (KEV) lässt zurzeit drei ihrer Trafostationen aufwendig bemalen

Rainer Karls (links) besah sich mit Sarah Kaspar („ene“) und Rolf Jöbges (rechts) am Mittwochmorgen den Fortgang der Arbeiten in Gemünd, wo Stefan Vogt und Simon Horn (Mitte) derzeit eine weitere Energiestation besprühen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Eifel – Sie sind nützlich, aber nicht unbedingt schön: Trafostationen fristen meist ein eher bescheidenes Dasein inmitten der Städte und Dörfer, sind aber notwendig, da ohne sie eine Stromversorgung der Bürger nicht möglich wäre. Nicht selten verleitet ihr eintöniges Grau oder Grün Sprayer dazu, sich an ihnen „künstlerisch“ auszutoben. Zuweilen werden sie auch einfach nur als Litfasssäule missbraucht.

„Wenn wieder einmal eine Station illegal besprüht wird entstehen uns oft hohe Reinigungskosten“, berichtet Rainer Karls, Prokurist und Technischer Leiter der Kreis-Energie-Versorgung Schleiden (KEV). Denn die Sprayer hinterlassen meistens Schmierereien, die den Bürgern nicht gefallen, die der Energieversorger dann mit Aufwand entfernen lässt, was wiederum den Nährboden für neue Graffitis legt.

Simon Horn arbeitet gerade an einer Ente. Er hat dafür nur einen kleinen Ausdruck als Skizze in der Hand. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Nach einer Schätzung des Zentralverbandes der Deutschen Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer entstehen jährlich bundesweit rund 500 Millionen Euro Schäden durch Schmierereien und Graffiti.

Doch jetzt will die KEV die illegalen Sprayer mit ihren eigenen Waffen schlagen. „Wir werden versuchsweise drei unserer Energiestationen von echten Fachleuten künstlerisch bemalen lassen“, so Karls. „Unsere erste Station, die bereits ein neues Design erhielt, befindet sich am Rewe-Markt mitten in Mechernich. Diese Station wurde passend zum Marktgeschehen im Kernort mit einem bunten Obstkorb versehen.“

Erst aus der Nähe zeigt sich, mit welcher Detailfreude die beiden Künstler ans Werk gehen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Die beiden jungen Sprayer, Stefan Vogt und Simon Horn, die aus ihren Künsten eine Geschäftsidee entwickelt haben und 2007 die Agentur „Highlightz“ mit Sitz in Bonn gründeten, konnten sich über mangelnden Zuspruch bei der Arbeit nicht beklagen. Immer wieder kamen Bürger an die Trafostation und staunten nicht schlecht, wie die beiden mit Dutzenden von Sprühflaschen aus der tristen Energie-Station ein Kunstwerk schufen. Einige der Bürger mussten das entstehende Bild sogar mit den Fingerspitzten berühren, weil sie nicht glauben konnten, dass es wirklich nur aus Farbe bestand und keine Fototapete war.

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Da man die Farben nicht mischen kann, benötigten die Künstler jede Farbe in verschiedenen Farbtönen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Nach Erfahrungen der Firma Highlightz werden Stationen, die künstlerisch gestaltet wurden, nicht von illegalen Sprayern heimgesucht“, so Rainer Karls. „Wir erhoffen uns durch diese Aktion daher, Reinigungs- und Aufbereitungskosten zu sparen, und natürlich verschönern die bemalten Stationen auch einfach das Umfeld, so dass es uns gelingt, das Nützliche mit dem Schönen zu verbinden.“

Auf der Energiestation in Gemünd hinter dem „M Quadrat“ und dem „KunstForumEifel“ entstehen zurzeit Motive, die zum Nationalpark Eifel passen. „Gemeinsam mit der KEV haben wir diese Bilder ausgesucht“, berichtete Rolf Jöbges, der Gebäudemanager der Stadt Schleiden und schwärmte: „Das ist für Gemünd und besonders hier direkt am Wanderweg ein echter Hingucker.“ Auch Jöbges hoffte, dass es in Zukunft keine Schmierereien an dieser Station mehr geben wird. „Die ‚Rentner für Gemünd‘ haben die Station schon zwei Mal ehrenamtlich gestrichen“, sagte er.

Stefan Vogt und Simon Horn besprühen derzeit die KEV-Energiestation in Gemünd, in der Hoffnung, dass illegale Sprayer sich in Zukunft von dem Gebäude fernhalten. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Für die KEV-Station an der Dr. Felix Gerhardus Straße in Mechernich haben sich die beiden Sprayer gemeinsam mit dem KEV-Team etwas Besonderes einfallen lassen. Dort wird nämlich neben einer typischen Eifellandschaft auch das Innenleben einer Trafostation zu sehen sein und das ohne dass man dafür die Tür öffnen muss.

Die Farbe, die die beiden Profis benutzen, lässt sich nicht mischen. Daher benötigt man für jede Farbe verschiedene Farbtöne. Simon Horn erklärte, wie man ein solches Gemälde mit der Sprühdose fabriziert: „Das ist im Prinzip ganz einfach, man malt immer von hinten nach vorne und von dunkel nach hell.“

„Aufgrund der positiven Resonanz von Seiten der Bevölkerung, die wir bereits jetzt erfahren haben, werden wir sicherlich in Zukunft noch weitere Stationen verschönern“, kündigte Rainer Karls an. Alle Energiestationen werde man aber auf keinen Fall bemalen lassen können, denn im Versorgungsgebiet der KEV gebe es davon allein 503 Stück.

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Eifeler Presse Agentur/epa

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