Wieder sicher atmen können

In Nettersheim-Marmagen entsteht eine ambulante Hausgemeinschaft für Beatmungs- und Intensivpatienten

Jörg Koch (Geschäftsführer und Physiotherapeut), Martina Gossen (Pflegefachkraft ), Michael Fink (Geschäftsführer, Pflegeexperte für außerklinische Beatmung ), Walburga Kloß (Pflegekraft), Elisabeth Kolb (Pflegekraft), Michaela Lorbach (Pflegekraft und stellvertretende Pflegedienstleitung) und Iris Wüllenweber (Pflegekraft) (v.r.) können es kaum noch abwarten, das neue Haus in Marmagen in Betrieb zu nehmen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Jörg Koch (Geschäftsführer und Physiotherapeut), Martina Gossen (Pflegefachkraft ), Michael Fink (Geschäftsführer, Pflegeexperte für außerklinische Beatmung ), Walburga Kloß (Pflegekraft), Elisabeth Kolb (Pflegekraft), Michaela Lorbach (Pflegekraft und stellvertretende Pflegedienstleitung) und Iris Wüllenweber (Pflegekraft) (v.r.) können es kaum noch abwarten, das neue Haus in Marmagen in Betrieb zu nehmen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Marmagen – „Das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, ist wohl für fast alle Menschen extrem beängstigend“, sagt Jörg Koch, zusammen mit Michael Fink Geschäftsführer des Pflegedienstes „Flair“. Die beiden haben eine besondere Idee: Sie wollen eine ambulante Hausgemeinschaft für Beatmungs- und Intensivpatienten in Marmagen aufbauen. Dort sollen auf Beatmung angewiesene Patienten in den eigenen vier Wänden leben und trotzdem 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr, gut ausgebildete Pflegefachkräfte für die lebensnotwendige Beatmung zur Verfügung haben – ob im Notfall oder in der alltäglichen Versorgung. Und zwar mitten in der grünen Eifel, in Marmagen im „Haus Eifel“.

„Natürlich kann man bei uns auch eine Wohnung mieten und auf einen externen Pflegedienst zurückgreifen“, sagt Michael Fink. Die Dienste des hauseigenen „Flair“-Pflegedienstes in Anspruch zu nehmen, habe aber große Vorteile. Denn auch nachts, so Fink, sind gleich zwei kompetente Fachkräfte im Hause auf Knopfdruck verfügbar. Fink: „Uns ist Sicherheit sehr wichtig – wenn man sich in einen Beatmungspatienten hineinversetzt, der ohne funktionierende Technik nur Minuten überleben kann, ahnt man, dass Sicherheit in einer solchen Einrichtung das A und O sein muss.“

Deshalb wird in lebenswichtigen Bereichen für Ausfallsicherheit gesorgt. Etwa beim Sauerstoff: Neben Sauerstoffkonzentratoren, die aus der Umgebungsluft sauerstoffangereicherte Luft erzeugen, gibt es mit medizinischem Sauerstoff gefüllte Druckbehälter sowie zusätzlich Tanks mit Flüssigsauerstoff. Jörg Koch: „Wir könnten so im Notfall durch unsere Reserven 14 Tage überbrücken.“

Geschäftsführer Michael Fink ist auch Pflegeexperte für außerklinische Beatmung. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Geschäftsführer Michael Fink ist auch Pflegeexperte für außerklinische Beatmung. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Der Umgang mit einem hauseigenen AED (Automatisierter Externer Defibrillator), mit dem man bei einem Herzinfarkt die Überlebenschancen deutlich verbessern kann, und mit modernsten Beatmungs-, Analyse-  und Behandlungsgeräten, die im Haus zur Verfügung stehen, sind für das Team von „Flair“ ebenso selbstverständlich wie regelmäßige Fortbildungen.

Im „Haus Eifel“ sollen demnächst sowohl Appartements wie Mehr-Zimmer-Wohnungen, in denen auch Angehörige der Patienten mitwohnen können, angeboten werden. Dazu gibt es einen Gemeinschaftsraum mit Kamin und Panoramablick auf die Marmagener Landschaft. Gerade die Gemeinschaft soll gefördert werden, wie Jörg Koch betont: „Denn wenn beispielsweise durch einen Unfall die Beatmungssituation eintritt, geraten viele Betroffene sehr schnell in die soziale Isolation.“

Um dem vorzubeugen, können selbst Ausflüge und sogar Urlaubsreisen mit den Beatmungspatienten organisiert werden. „Auch die nahe gelegene Eifelhöhenklinik bietet regelmäßig barrierefrei zu erreichende Kulturveranstaltungen, deren Besuch wir unseren Kunden ermöglichen wollen. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist sehr wichtig für ein würdevolles und lebenswertes Leben“, so Koch.

Die beiden Geschäftsführer Michael Fink und Jörg Koch (v.l.) freuen sich, dass schon hochrangige Vertreter von Krankenkassen und Medizinischem Dienst der Krankenkassen (MDK) vor Ort waren und sich zu dem Projekt durchweg positiv geäußert haben. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Die beiden Geschäftsführer Michael Fink und Jörg Koch (v.l.) freuen sich, dass schon hochrangige Vertreter von Krankenkassen und Medizinischem Dienst der Krankenkassen (MDK) vor Ort waren und sich zu dem Projekt durchweg positiv geäußert haben. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Deshalb gibt es bereits jetzt Kontakte zu einer ehrenamtlichen Kontakt- und Besuchsgruppe in Marmagen, wie Michael Fink sagt: „Auch mit den Vereinen im Ort wollen wir zusammenarbeiten.“ So sollen einerseits Individualität und Intimsphäre durch die eigenen vier Wände gewährleistet, andererseits aber auch soziale Kontakte gefördert werden.

Gute Kontakte gibt es auch schon zu Fachärzten und externen Dienstleistern wie etwa Fußpflegeanbietern, Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten, betont Fink: „Die kommen auf Wunsch zu uns ins Haus, denn man kann sich vorstellen, was für eine Tortur es für einen Beatmungspatienten sein kann, von Arzt zu Arzt transportiert zu werden.“

Jörg Koch berichtet, dass schon hochrangige Vertreter von Krankenkassen und Medizinischem Dienst der Krankenkassen (MDK) vor Ort waren und sich durchweg positiv geäußert haben: „Uns wurde gesagt, dass so eine ambulante Hausgemeinschaft einmalig in Nordrhein-Westfalen sei.“ Fink: „Das Schöne: Da die Finanzierung der Versorgung unter das Sozialgesetzbuch V fällt, zahlt der  Beatmungspatient nur seine normalen Lebenshaltungskosten samt Miete und Mietnebenkosten.“

Damit nicht zu viel Zeit für die vorgeschriebene Pflegedokumentation verbraucht wird, hat das Team zusammen mit Pflegedienstleiter Sebastian Lanzerath eine eigene computergestützte Dokumentation von hoher Qualität und Effizienz entwickelt. Michael Fink: „Dabei hat uns auch unsere mehrjährige Erfahrung mit Beatmungs- und Intensivpatienten im stationären Bereich geholfen, denn wir wollen unsere Zeit nicht unnötig mit Schreiben verbringen, sondern unsere Kunden pflegen – um ihnen auch in der eigenen häuslichen Umgebung sicheres Atmen zu ermöglichen.“

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