"Handwerk muss attraktiv bleiben"

In seiner Ansprache an die Vollversammlung der Handwerkskammer Aachen im Kreishaus Euskirchen forderte Kammerpräsident Dieter Philipp eine Stärkung des Handwerks und nachhaltige Impulse für die Wirtschaft in der Region Aachen

Die Vollversammlung der HWK Aachen im Sitzungssaal des Kreishauses. Bild: Walter Thomaßen
Die Vollversammlung der HWK Aachen im Sitzungssaal des Kreishauses. Bild: Walter Thomaßen

Euskirchen – In seiner Begrüßungsansprache erinnerte Gastgeber Landrat Günter Rosenke an die im November 2008 fast auf den Tag genau durchgeführte Vollversammlung der HWK Aachen auf Vogelsang. Er stellte fest, dass sich seitdem nicht nur in Vogelsang extrem viel getan und verändert hat. Er erinnerte daran, dass man sich 2008 inmitten einer der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrisen der Geschichte befunden habe: „Es war Angst, die umging, Angst vor einer Auftragsflaute, Angst um Umsätze, Angst um den Wegfall von Arbeitsplätzen und schließlich Angst um die Betriebsexistenz „, so der Landrat.

Heute könne er aber feststellen, dass letzten Endes die Krise in der damaligen Zeit einigermaßen glimpflich für die Deutschen ausgegangen sei. Dies vor allem, weil die Verbraucherinnen und Verbraucher sich mit dem Konsum nicht so stark zurückgehalten hätten, wie befürchtet, so Rosenke in einer Pressemitteilung des Kreises Euskirchen.

Und auch der Weltmarkt und damit die Exportindustrie in Deutschland seien wieder langsam aber stetig in Gang gekommen, was sich vor allem auch auf dem Arbeitsmarkt positiv ausgewirkt habe. Allerdings sei jetzt allmählich eine Abschwächung der Konjunktur zu erkennen und auch das zwischenzeitliche deutsche Jobwunder verliere allmählich an Schwung, habe der Landrat in seiner Ansprache festgestellt.

„Kammerpräsident Dieter Philipp forderte im Hinblick auf die sich abschwächende Wirtschaftslage eine Stärkung des Handwerks und nachhaltige Impulse für die Wirtschaft in der Region Aachen“, heißt es weiter in der Pressemitteilung des Kreises Euskirchen.

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Er habe auf Spielräume aufmerksam gemacht, die es sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene zur Entlastung der Unternehmen gebe.

„Das Handwerk muss auf der Hut sein“, sagte Philipp mit Blick auf die im nächsten Jahr anstehende Bundestagswahl. Die Wirtschaftsgruppe müsse sehr genau im Auge halten, wie die Politik den Mittelstand weiterhin fördert, und Unterstützung für die Betriebe einfordern. Vor allem auf dem Gebiet der Steuerpolitik müsse gehandelt, die Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen gestärkt werden.

Die Senkung des Rentenbeitrags zum 1. Januar 2013 um 0,7 Punkte sei ein erster Schritt. Eine Beitragssenkung wäre jedoch auch bei der Gesetzlichen Krankenversicherung möglich, zumal für 2013 weitere Überschüsse erwartet werden. Aber auch die Vorsorge für schlechtere Beitragsjahre sei eine Überlegung wert.

Darüber hinaus gelte es, den Mittelstand effizient zu fördern und die Duale Ausbildung zu stärken. Die Bildungszentren müssten professionell ausgestattet sein, um die Aus- und Weiterbildung und somit die Qualifikation der Nachwuchs- und Fachkräfte zum sicheren Fortbestand der Unternehmen zu gewährleisten. Ein richtiger Schritt in diese Richtung sei der Start der Modernisierungsarbeiten im Bildungszentrum BGE Aachen.

Gute Geschäfte gemacht

Kammerpräsident Dieter Philipp bei seiner Ansprache. Bild: Walter Thomaßen
Kammerpräsident Dieter Philipp bei seiner Ansprache. Bild: Walter Thomaßen

Dem Handwerk in der Region geht es noch gut. Das bekräftigte Philipp, der auf die aktuelle Herbst-Konjunkturumfrage der Kammer verwies. Hier hatten 85 Prozent der Betriebe die Geschäfte im Frühjahr und Sommer als gut oder zufriedenstellend beurteilt. Allerdings sind sie beim Ausblick auf das nächste Halbjahr vorsichtiger. Nur knapp drei Viertel der Befragten erwarten ähnlich gute Ergebnisse.

Die Anzeichen für eine nachlassende Konjunktur seien unbestritten zu erkennen, so Philipp. Dennoch dürfe man den Abwärtstrend nicht herbeireden. Wirtschaft sei 50 Prozent Psychologie. Von daher komme es vor allem darauf an, mit Zuversicht an die Aufgaben zu gehen. „Wir sollten uns nicht abschrecken lassen. Wir sollten nach vorne schauen“, sagte Philipp.

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Der Präsident appellierte an den Kampfgeist der Betriebe: „Für uns steht fest: Bange machen gilt nicht! Wir sind Handwerker. Wir können das.“ Die Handwerksunternehmer sollten auf die individuellen Wünsche ihrer Kunden eingehen. Dabei müssten sie in persönlichen Kontakt mit ihren Auftraggebern treten. Denn nicht nur Arbeit und Qualität der Produkte zählten, sondern auch wie gut der Kunde sich beim Handwerker aufgehoben fühlt.

Wichtiges Engagement

Ehrenamtliche Arbeit wird im Handwerk großgeschrieben. Viele Betriebsinhaber und Mitarbeiter engagieren sich in Innungen oder der Vollversammlung. Philipp lobte ihr Engagement. Gleichzeitig hob er den Wert der Beschäftigung in einem Handwerksbetrieb hervor. In den meisten Unternehmen zählten noch menschliche Werte und familiäre Strukturen, die den Beschäftigten Sicherheit gäben.

„Handwerk muss attraktiv bleiben“, forderte Philipp mit Blick auf die demografische Entwicklung und den Kampf um die Fachkräfte. Gute Arbeitsbedingungen böten Anreize, ebenso flexible Dienstzeiten sowie die Einbindung und Mitbestimmung der Mitarbeiter in der Arbeitsplanung und -gestaltung. So schafften Verantwortliche ein angenehmes Betriebsklima.

Darüber hinaus müssten die Betriebe neue Zielgruppen ansprechen, zum Beispiel Jugendliche mit Migrationshintergrund, aber auch Schülerinnen und Schüler, die nicht die besten Schulnoten hätten.

Philipp verwies auf die nach wie vor hohe Ausbildungsbereitschaft der Betriebe und die Zunahme bei den neu abgeschlossenen Lehrverträgen. Die Zahl lag Ende Oktober um 2,4 Prozent über dem Vorjahreswert.

Mehr Einigkeit forderte Philipp auf der europäischen Bühne. Bei 27 Mitgliedstaaten sei es zwar nicht leicht, Einigkeit zwischen allen Partnern zu erzielen. Allerdings könnten viele bürokratische Hindernisse abgeschafft und unsinnige Regelungen vermieden werden.

Die Handwerker ärgern sich vor allem über die kürzlich verabschiedete Tachographenpflicht für Fahrzeuge ab 2,8 Tonnen und Fahrstrecken ab 100 Kilometer. Unternehmer und Mitarbeiter müssen durch diese Regelung Formalitäten erfüllen, die Zeit und Geld kosteten, aber unnötig seien.

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Großen Gewinn werfet dagegen die bundesweite Imagekampagne des Handwerks ab, die nachweislich Bekanntheitsgrad und Stellenwert des Handwerks gesteigert habe. Laut einer Forsa-Untersuchung habe vor allem bei Jugendlichen die Wahrnehmung der Berufe und Leistungen des Handwerks zugelegt. Daneben habe das soziale Ansehen des Handwerks deutlich gewonnen.

(Quelle: Kreispressestelle Euskirchen)

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